Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1887)
- Date
- 1887-02-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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259 Thore Wache steht, hätte ihn m'cht passiren lassen, und überdies hätte er bei Nacht nicht die Stadt, deren Thore geschlossen sind, verlassen können, (Sr mußte daher nur das Fenster ansbrcchcn; und das hatte auch den großen Lorthril, daß man behaupten kann, es wäre dem ricscuftarkeu Mann gelungen, das Fcustcrgittcr herauSzurcißen. Ich gab ihm also eine Feile, danüt er die Eisenstäbe durchscilcn könne, dann gab ich ihm einen derben Strick, an dem er sich in der dunkeln Nacht an der Rückseite des Hauses hcrablaffcn könne." Mostrich machte eine Pause, aber Golziugcr, sich fortwährend den Angstschweiß von der Stirn wischend, schrie. »Weiter, weiter!" »Nun wissen Euer Gestrengen, hinter dem Krimiualgcbäudc fließt die Hanna, und cs ist nur ein ganz kleiner Streifen Land, der sich an derselben hinzicht. Ter Entfliehende hatte daher die Wahl, entweder auf den schmalen Streifen festen Landes fortzukriechcn, bis sich dieser erweitert und er auf die Sttaße vor der Stadt gelangt, oder." »Cbcr?" rief der Bürgermeister in höchster Spannung und sein Gesicht ward noch bleicher als es schon bisher gewesen. »oder die Eisdecke zn überschreiten. Er frug mich, welchen Weg er cinschlagcn sollte. Eigentlich ... ." Mostrich hüstelte verlegen und fuhr leiser fort, »hatte ich ja nur die Aufgabe übernonlmen, ihn aus dem Kriminalgcbändc hcrauszubringcn, zu Weilern Rathschlägcn war ich gar nicht verpflichtet . . . ." »Ganz richtig, ganz richtig, mein lieber Mostrich," stimmte der Bürgermeister zu, aber cs klang dies nicht mit dem Tone voller lleberzeugunz. »Michael Klein ist ein sehr kluger Mann, wenn er der Fesseln ledig und außerhalb des Kerkers ist, kann er sich wohl am besten allein rathcn; — aber . . . .* »Aber?" frug der Bürgermeister ächzend, obwohl xr wissen mußte, daß Mostrich auch ohne sein Nachdrängcn schon im nächsten Momente seine gespannte Neugierde befriedigen mußte. ... »ich sagte ihm, was übrigens auch ganz wahr M, daß wenn cr über die Eisdecke des Flusses Singe, er sich rascher und weiter von der Stadt c-ncrue; und .... er hat diesen Rath befolgt .. .. das heißt, ich kann cigcntlich. nicht sagen •Hßtlj. ... ich wollte sagen, er hatte gleichfalls dreien Weg für den besseren gehalten, denn . . . »Mostrich, das ... . das habe ich Euch bei Gott und meiner ewigen Seligkeit nicht aufgerragcn 7das nicht! .... Es ist ja feit gestern Thaupcucr ringerrtten, und es hat ja stark geregnet. die Eisdecke kann ja «neu starken Mensche» nicht erttageu.'...* »Das glaube ich selbst," bestätigte Mostrich, »es war dunkel, ich konnte Klein'» Gestalt nicht unterscheiden: und ich horchte aufmerksam auf jedes Geräusch, und strengte meine Augen an — plötzlich glaubte ich, — ich sage glaubte ich; ich sog eS nicht ganz gewiß, denn ein Mensch besonders, wenn er aufgeregt ist, kann sich auf fein Aug' und Lhr nicht verlassen — ich hörte in einiger Entfernung ein starkes Krachen und einen Aufschrei, auch glaubte ich eine dunlle Gestalt cinsinken zu sehen. . . . Schade, ewig schade!" »Mostrich Er ist cm Ungeheuer! .... Jetzt ruft Er schade!" Mostrich schien b.e Unterbrechung nicht zu beachten, denn cr seyte feine Rede unentwegt fort, »daß der FlüchUing die himdertfünfzkg Gulden, die ich ihm, um das gut erfundene Märchen, Rüben Weiß wollte ihn befreien, glauben zu machen, als Reisespeseu anbot, mitgenommen .... Schade, ewig schade für das schöne Geld, dem Todtcn, der lauge Zeit unter dein Treibeis bleiben, wenn cs wieder frieren sollte, vielleicht auch nie zum Vorschein kommen wird, nützt das schöne Geld nichts, cs wird im Wasser faulen und schimmeln." »Mostrich, Er ist ein Teufel! .... daS nehme ich nicht auf mein Gewissen, das werd' ich ri'.m vor Go...." Golzinger vermochte es denn doch nicht, das höchste, inhaltsschwerste Wort der Mcnschcnsprache, das Wort Gott über feine bebenden Lippen zu bringen, und er fuhr fort, »nicht vor mc'ncm Gewipen zu verantworten haben .... Geh' Er! ... . fort! .... ich will Ihn nicht mehr vor mir sehen! Zu Satans Namen, warum geht Er nicht?'." »Ich werde gleich hochdero Befehl erfüllen," erwiderte der Keriermcifler; »sobald Sie die Gnade gehabt haben werden mir meinen Lohn voll gezahlt zu haben." »Schurke, Gauner, Betrüger, Räuber!" brüllte der Lürgermliftcr, den Kerkermeister bei dem Nockfragen fassend und hatte Mühe, sich zu bezwinge», nicht allzulaut zu schreien. »Hab' ich Ihm nicht für des Juden Rettung," der thörichte, niederträchtige Mann betonte dieses Wort, als könne er hierdurch den allfchauendea Gott täuschen — »im Vorhinein bezahlt? Habe ich Ihm nicht baare zweitausend Gulden, ein ganzes Vermögen ausbezahlr?" »Ganz richtig." erwiderte Mostrich, »die zweilaufet s Gulden für die Rettung des Juden, wie sich Euer Gestrengen jetzt auszudrückea de-