Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1887)
- Date
- 1887-02-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449713--25942-2515723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
257 W. Berlin Eine Vorlage betreffend die „BeschncidungS-Ecremonie" bei dcnISraelitcn beschäftigte die am Sonnrag den 13. d. M. startgehabtc Repräscutanten-Versammlung der jüdischen Berliner Hauptgcmcinde. Herr Prof. LazaruS führt als Referent aus, daß die Anregung behufs „Regelung der Bcschncidungs-Ecremonicvon dem Rabbinat der Hauptgcmcinde (D r. U n g e r l e i d e r, T r. M a.ybaum, Tr. Frank!) ausgcgangcn und dem Vörfrandc der Gemeinde unterbreitet fei, dieser aber in einzelnen Punkten ^mit dem Rabbinat über diesen Gegenstand sich nicht verständigen könne. Das 3iadbinar verlange in erster Linie, daß das Beschneiden nicht wie bisher von Privaten, sogenanntem „Äohcl" vollzogen werde, sondern von einem jüdischen Arzte stets vollzogen werden uiünc.*) Dir Versammlung beschloß auf Antrag des Vorstandes die Angelegenheit selbst einer gemischten Deputation, bestehend aus den Mitgliedern des Rabbinat» und 6 Rcpräscntamcn, wie Vorstandsuritglicdern, zu überweisen und dann nach Beschluß dieser Eonnnisffon die Angelegenheit wiederum auf die Tagesordnung zu scxcn. Tie Repräsentanten dcputirtcn zu dieser Eommission die Herren: Eorninerzicuralh Simon, Maurermeister Fränkcl, Sanitätsrath, Tr. Ma rcuse, Direktor Landsberg, Bankier Nutz und Prof. Tr. Lazarus. Eine intcrcnante Debatte rief in dieser Versammlung der fernere Antrag des Berliner Rabbineres hervor: Daß das von dem verstorbenen Rabbiner Tr. Lachs verfaßte, in der Alten Lunagoge und in der >kaifcrstraßcn-Synagoge bisher gesprochene deutsche Webet für das siaiscrhauS, Behörden, Gemeinden u. f. w. fonfallc, dagegen das in der Rcuen-Smragogc eingefühne deutsche Geber für das Kaiserhaus u. s. w. auch in der Altcn-Lynagoge und in der Kaiserstraßen-Synagogc von den Ltanzcln herab gesprochen werde, um so ein einheitliches Gebet für alle drei Synagogen hcrzustcllcn. Tiefe» Ansinnen des Rabdiiiats wurde von einem Theil der Repräsentanten heftig bekämpft, da kein Grund vorhanden sei, ein liebet zu ändern, daS fast allen Synagogen Deutschlands eigen fei und daselbst gesprochen werde, welches bei Weitem mehr zu Herzen dringe, als das in *) Sntaerf. drr Red.: Tamil würde ein.atre-Inüimr rm Iudrnrdume. das der ,Mc>be!rm' fallen, wrILes feil Iadrleukenden oft von Barcr auf Sohn üch vererb» und nur ücrs ia dir Hände frömmften Männer einer r?emeinde xclrgr wurde. Ter .Beschneider" selbil, war mriftenS auch der wrh!- dabenderen Llane engedörrg. baue niemals Ladlunzen für feine Tienfte, die aus reiner riebe :um «»tauben gefühn werden, gorrmmen. und nur allruhäunz fcldft im frarkftrn Zr-inler anwsgelllich weile Reisen unlrrnonrmea, lediglich sein gorrgefälligeS EÄrk Al verrrchie». der Neuen-Syimgoge. Einer der Repräsentanten meinte, über der gleichen Frage solle man die Besucher der beiden in Rede stehenden Synagogen befragen, die am Sabbat stets gefüllt sind, während die Rcuc-Synagoqe dies nicht ist u. s. w. Auch vom Vorstandstisch erhob sich derIuftizrath Meyer und sprach sich gegen diese Aenderung aus, er wisse nicht, welche Gründe hierzu das Rabbinat veranlaffcn, allerdings sei das Tr. Sachse'sche Äaiscrgeber, nicht das Lpu» des jetzigen Rabbinats u. s. w. Auch für Regelung dieser durch das Rabbinat aufgeworfenen Frage, wurde eine gemischte Deputation ernannt. Endlich cnipfahl Iustizrath Tr. M a k o w e r in zündender Rede, die Zinsen des Legates von 7.">uoo Mark, welche der verstorbene Fabrikbesitzer A d o l f 3t c i ch c n h c i m, der L c h rer ^Bildungs- Anstalt zum Zweck der Gewährung von Stipendien, Prämien und Auszeichnungen, dazu zu benützen, daß als Prämie und Auszeichnung den Lrndircndcn Gelegenheit gegeben werde, sich auch körperlicher Leibesübungen, Schwimmen, Excrciren, Turnen u. s. w. u. s. w. zu erfreuen, und sich gesellschaftlichen Takt u. s. w. anzucignen, so daß man nicht nur im Seminar (Lebrcr-Bildungs-Anstalt) Lehrer hcranbildc, sondern wirkliche Erzieher für die Jugend schaffe, die geistig und körperlich veredelnd auf dieselbe einwirkcn müssen. Dieser Antrag Makowcr's fand allfcitige Zustimmung und wird in eingehender Weife formulirt und später der Versammlung zur Annahme unterbreitet werden. — Ein interessantes Bild Berliner iSrael. Gemcindeznstände: — Frankfurt a. M. Gestern, am 15. Februar, legte der Liebling des hiesigen kunstlicbenden Publikums, der beinahe erblindete, bekannte Pianist Moritz Adler, wiederum Proben feiner immer mehr sich steigernden Tüchtigkeit als Eonzertist vor einer großen Zuhörerschaft ab. Sämmtliche von ihm vorgetragenen Solostückc, worunter ein Impromptu von Schubert, Divertimento aus Halevy'S Jüdin von Ran, glitten tadellos, sowohl in technischer Hinsicht als auch in Eleganz der Wiedergabe, die richtige Imcrprctirung nicht au» dem Auge lastend, unter feiner Hand hervor. Wer die Schwierigkeit dieser Piece kennt, wird wohl ermessen können, welcher Fleiß dazu gehört, sie rein aus dem Gedächtnis zu spielen. Auch die übrigen Solostücke und besonders die letzte Programm-Nummer, Eonccrt Polka von Wallace, wurden vom Publikum mit großem Beifall ausgenommen. Dem Eoncertgeber wurde auch ein Lorbeerkran; überreicht. Wie wir hören beabsichtigt Herr Adler sich dauernd hier niederzulassen, was allgemein freudig begrüßt wird.