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Der Israelit · 1887-02-21 · Heft 15 (21.2.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 15 (21.2.1887)
Date
1887-02-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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258 „Hof, dem König von Korsika, durch seine Familie „auf ihn vererbt worden, tragen zu'dürfen!- Er, der sich vor Napoleon rühmt, daß dieser Nenhof, König von Eorsika, sein Großonkel gewesen, somit sich rühmt, daß dessen Blut in seinen Adern rolle! Gegen eine solche Stirn, so schließt Dr. Adolf Berliner seine sensationelle Brochüre, schleudere ich, wie einst der kleine Tavid, diesen schweren Stein, daß er den Riesen Goliath von der Höhe seines TeutschthumS, mit dem er überall paradiert, vollends hinabftürze.*) Sollte er sich aber noch einmal erheben, und im adamitischeu Ausland eines Teutonen aus dem Urwalde hcrvorbrcchcn, so wird er mich zu einer Antwort nicht mehr hcrauskordcrn. Tann wird das Wort des Pros. Weber mir zur Richtschnur dienen: „Es gicdt ja doch auch ein Schweigen der Verachtung! Tenn wer mit seinen Anschuldigungen so gänzlich über jedes zulässige Maß hinausschießt, wie er, dessen Auslassungen haben nur noch ein pathologisches Interesse." — Nun noch ein Wort an Herrn Lagerde. Lagarde liebt cs, Lesung zu citireu. Herrn l)r. Berliner empfiehlt er die Lektüre von „Emilia Galotti", und in den deutschen Schriften (11. S. 25) schreibt er: „Lessings Nathan gehört eigentlich der Iudenhcit an, weil Lcffing in der Zeit seiner Entstehung von Mose Wessely Gclo borgte." Auch wir wollen mit Lcssing schließen. Viele, viele Jahre bevor Lcssing den Juden Mose Wcsselcy kennen lernte,verfaßte er das Lustspiel in einem Aufzuge „Tie Juden". In diesem Stücke rettet ein jüdischer Reisender einen Baron aus der Todesgefahr und da er sich dem Tanke des Geretteten durch die Enthüllung entzieht, daß er ein Jude sei, will ihn sein .Knecht verklagen, weil er „einen ehrlichen Ehristen in seinen Ticnst genommen", und der Jude antwortet ihm: „Ich kann es Euch nicht zumuthen, daß Ihr besser, als der andere christliche Pöbel denken sollt." Herr Professor, wir können cs Ihnen nicht zunnrrhen, daß Sie über uns besser als die anderen antisemitischen Heldengestalten denken sollen, Ihr Haß wird uns ebenso wenig schaden, wie die judenfcindlichen Maßlosigkeiten dcS Göttinger llniversitätsprofcssors Michaelis, der gegen Lessings „Juden" gewettert, cs vermocht. Michaelis ist versunken und vergessen und Sie —‘i Tas aber möchten wir uns recht energisch verbitten, daß Sie die bedeutendsten jüdischen •) Im Anbange der Brochüre wird daS Bingrsuch ragardrd an?!<wo!ton rran;öm>d und in deuriLer Nrdrrsrdung mügecheilr. g. 32 3. 3 #. a. xnuy es natüiiidj Un;iaU Icttctn stau Lnriaüeirerrr heixen: eia o'sendarer Druckfehler, der hiermü derichrizr sei. Gelehrten wie dumme Schuljungen behandeln und sie in wenig ziemender Weife zn verunglimpfen sich bemühen, Männer, deren Ehrcnschild blank und rein ist, und deren einziges Verbrechen es ist, Juden zn sein. Erst erkennen Sie sich selbst und dann brechen Sic den Stab über Andere! Tie Brochüre des Herrn I>r. Berliner wird inzwischen nicht verfehlen, gekauft, gelesen und bejubelt zu werden, was bei der allgemeinen Erbitterung. die in wissenschaftlichen .Kreisen gegen Lagarde herrscht, sehr natürlich erscheint. Ta wir die Zeilen niedcrschrcibcn, sind kaum 5 Tage seit dem Erscheinen der Brochüre verflossen, und schon ist der Versasicr im Bcsiye von zahlreichen Tankschrciben der gefeiertsten christlichen Gelehrten 'Deutschlands, die ausnahmslos ihre innigen Glückwünsche Herrn Dr. Berliner übersenden und theilweife die Erwartung aussprechcn, daß Sc. Excclenz der Kultusminister gegen Herrn Lagarde wie einst gegen Ewald cinschrcilen würde. Wir würden einen solchen Schritt bedauern, Herr Lagarde dürfte voraussichtlich seine lebte judcnscindlichc Schrift geschrieben haben. Tic charakteristische Eigenschaft unseres schnelllebigen Zeitalters ist die Vergeßlichkeit; auch an Paul de Lagarde wird sie nur allzubald sich erfüllen. Ad. Bl. Literarische Kotiz. „Das alte Purimspiel". Nach neuem Schnitt und Stil. (In zwei Aufzügen.) Erdacht und gemacht von M^r. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kanfsmann 1887. Ein Purimspicl macht den Anspruch daraus in froher Stunde im Kreise heiterer Freunde beurlheilr zu werden. Ich will mich dcßhalb heute daraus beschränken, darauf aufnierksam zu machen, daß wcmr das Spiel zur geeigneten Zeit von jungen Leuten zur Aufführung gebracht wird, es seinen Zweck voll und ganz aussüllcn wird, und sei cs hierfür bestens euipföhlen. Zcituugckuachrichtcu and Correfpoadeoze» Deutschland. . Mainz. 20. Februar. Wir werden ersucht, milzutheilen, daß, entgegen einer Eorrefpondenz aus Berlin in der vorigen Nummer, Herr Tr. Ferdinand Kohnans'Dortmund (Eandidat für den Wahlkreis Mannheim) einer alt-vrorcstamischen Familie in Wcstvhalea entstammt, also weder Jude ist, noch jemals dem Zudemhmne aogchört hat. —

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