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Der Israelit · 1887-02-21 · Heft 15 (21.2.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 15 (21.2.1887)
Date
1887-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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254 tigkeit mehr Befriedigung gewährt als der Besitz, so muß wohl die Stunde in Buße und guten Thaten schöner sein als die ganze, ewige Seligkeit. Und nun werden uns die zwei erwähnten, verschiedenen Gesichtspunkte erkennbar sein. In Bezug auf den Okituü, auf die Wonne des ewigen Lebens ist das Gcstorbenscin dem Leben vorzuziehen. „llr.b ich preise die Tobten, die schon gestorben sind, die bicnicdcn auSgeruugcn haben und im Jenseits dcu Lohn für ihr Thun empfangen, mehr als die Lebenden, die hicuieden noch kämpfen und ringen müssen." Größer waren die üeimgegangcncn Väter als selbst der größte lebende Mensch, als Moscheh, da er noch hicnicdcn weilte; größer war Moscheh. nachdem er war hinweggenommen worden, als irgend ein Anderer, vor ihm oder nach ihm; und David, der das Höchste hienicden erreicht hatte, ward erst als rein und makellos von aller Welt erkannt, da er nicht mehr auf Erden weilte. In Bezug aus die Tbätigkeit, in Bezug auf daS Erwerben der höchsten Tinge ist das Leben ungemein wcrthvoll; denn nicht die Tobten werden Gott loben — im Tode ist der Mensch von allen GotteSgcbotcn frei; er kann seine Sünden nicht mehr bereuen, seine Fehler nicht mehr oblegen, feinen Schöpfer nicht mehr preisen, die erhabenen Gottes geböte nicht mehr erfüllen; und in dieser Beziehung ist dem lebenden Hunde besser als dem tobten Löwen. Der tobte König liegt hilflos in der Sonne; man darf nicht einmal ein rabbinisches Verbot (nsp2 td'n) übertreten, um seine Leiche zu bergen. Den lebenden Hund darf man ohne Weiteres füttern am Sabbat: er lehrt dich die Tugenden der Dankbarkeit, der Liebe, der Treue. »Und in Bezug auf die Frage, die ich vor euch gefragt habe*): die Seele des Menschen wird einem Lichte verglichen, wie cS heißt: ein Licht des Ewigen ist dcS Menschen Seele (Mischlc 20). So ist cs denn besser, daß ausgelöscht werde ein von Menschen angezündctcS Licht, damit das von dem Heiligen, gelobt fei Er, stammende Licht erhalten bleibe.* Die Frage ist entschieden. Damit das von Gott angezündete Licht, des Menschen Seele, noch länger leuchte, darf die Sabbatruhe durch die Arbeit des Lichtauslöfchcns gestört werden; man darf den Sabbat entweihen, um ein Menschenleben zu retten oder auch nur auf kurze Zeit zu verlängern; denn unschätzbar ist jede Stunde des dics'citigen Lebens. *) Äu» iM&rtfembtiJ fegt der Leise nicht: die ihr vor «» genagt hobt. zLaschi). Tie halachische Entscheidung der Frage 1K nicht sachgemäß; »denn," sagt Nascht, „nicht hieraus wird gefolgert, daß das Sabbbatgefttz im Falle der Lebensgefahr verletzt werden darf, sondern (Ioma 85) aus dem Ausfprnche der heiligen Schrift L72 r-/;, daß Gort nämlich um der Lebenserhaltung willen fämmtliche Gebote und Verbote (mit Ausnahme von Götzendienst, Mord und Blutschande) znrücktreteu läßt. Rabbi Tanchum aber wollte seinen Zuhörern diese erhabenen Lehren durch angenehmen Vortrag und liebliche Ausschmückung zu Herzen führen." Möge cs auch uns gelungen sein, die Herzen unserer geehrten Leser und Leserinnen durch unsere Auseinandersetzungen gewonnen zu haben für die erhabene Lehre, daß die Unsterblichkeit das höchste, zu erringende Gut ist, daß aber das Ringen nach ihr in diesem Leben noch höher steht, das Ringen nach ihr durch Gottesftrrcht, Tugend, Frömmigkeit, Menschenliebe, aus daß unser ganzes Leben werde zu einem Lodgesang für unfern Vater im Himmel: „Kommt, wir wollen uns beugen und hinknicen, wollen preisen vor dem Ewigen, unserm Schöpfer!"' Kerr ^rof. ^aut de Lagarde. (Schluß.) Berlin, 12. Februar. Motto: Uaokrschömthrit scheint eine Tugend geworden;n sein. (Lagcrde. Deutsche Lchrijrrn, S. 204.) 4)Lagarde al»„Deutscher" und Antisemit. „Deutschland, Deutschland, über Alles" — dieses antisemitische Schlachtenlied, klingt als Refrain durch sämmtliche deutsche» Schriften des Herrn Lagardes durch; wir haben manch: urgermanische Brandrede gelesen, aber ein so giftiger Judenhaß» wie ihn Herr Lagarde ostentativ zur Schau trägt» verdient denn doch in einem Rarirätenkabmet bis zu dem Tage aufbcwahrt zu werden, wo mau über die Herrn Ltöcker. Bickenbach mid Lagarde mitleidig lächeln wird. Wir wollen hier eine Reihe voa Eitatcu geben nicht nur, soweit sie die Brochüre uns mitheilt, sondern in größerer Anzahl, soweit wir sic bei einer Lektüre seiner sonstigen Schriften uns ausgezeichnet haben, damit der Leser einerseits erkenne, wie weit sich das „Deutschthum" eines deutschen UnioerütätsprofcfforS verneigen kaun, an-- dcrerfeitS, um die sensationellen Enthüllungen Berliners über den deutschen Lagarde umso greller hervor treten zu lallen. Die Eüate mögen selber

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