Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1887)
- Date
- 1887-02-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVIII. Jahrgang. J\s 18. Der Israelit. ' - Ein Gentrat - Hrgan für das ortHodo.re Zudenthunr. Hcrausgegeben von Dr. Lehman» in Mainz. Montag, de» 21. Februar 5647 (1887). Leitende Artikel. ZlnsterötichKeit. XIV. Mainz, 17. Februar. Durch die vorausgegangen Auseinandersetzungen und die wichtigsten Fragen, deren richtige Beantwortung den größten Einfluß auf unser Leben hat, entschieden. Tie Unsterblichkeit, das Leben nach dem Tode, die Wiederbelebung der Tobten ist eines der wichtigsten Dogmen des Judenthums. Richt nur der wird als ein schlimmer Jrrlehrcr betrachtet, welcher die Unsterblichkeit leugnet, sondern auch ter, welcher nur aus philosophischen Gründen eine Unsterblichkeit armimmt, jedoch behauptet, diese Lehre sei in der Thora nicht begründet. (Sauhcdrin, die erste Mischuah des Perck Ehclck.) Tic Frommen erlangen durch die Erfüllung der Gebote Gottes die ewige Seligkeit, unendlichen Lohn, mit dem alles irdische Glück nicht verglichen werden kann. Sollte da nicht der Fromme sich nach dem Jenseits sehnen, froh sein zu sterben, um der ewigen Seligkeit thcilhafrig zu werdend Scheint doch auch das der Sinn des Ausspruches des weisen Königs: Und ich preise die Tobten, die schon gestorben sind, mehr als die Lebenden, die noch leben! — Warum wll mau also ein Licht auslöschcu dürfen am Sabbat um eines Kranken willen? Was gewinnt denn der .Kranke durch die Entweihung des Sabbats, und was verliert er, wenn man sein Eingehen zur ewigen Seligkeit nicht verzögen? Bon diesem Gesichtspunkte faßt Rabbi Tantum die Frage auf, die man ipm vorgclcgt hat, cnti er erörtert sie, indem er zwei andere Ausspräche der helligen Schrift dem eben erwähnten gegenüber- Ncllr. David hat gesagt: „Sticht die Tobten werden Gott loben,m und Salomo selbst har gesprochen: „Denn dem lebendigen Hunde ist besser als dem todren Löwen.- Und nun legt der Weise ausführlich dar, daß von zwei verschiedenen Gesichtspunkten aus die Sache betrachtet werden muß. Lon dem einen auS ist das Leben dem Tode, von dein andern aus der Tod dem Leben vorzuziehcn. Diese zwei verschiedenen Gesichtspunkte stellt auch Rabbi Jakob in den Sprüchen der Väter (E. 4, Halachah 22) auf: „Schöner ist eine Stunde in Buße und guten Thaten in dieser Weit als die ganze ewige Seligkeit und schöner ist eine Stunde der Wonne der. ewigen Seligkeit als das ganze diesseitige Leben.- Ter Schlußsatz dieses Ausspruches ist leicht verständlich. Tie irdischen Freude«, das irdische Vergnügen sind nur unvollkommen. Selbst der höchste irdische Genuß enthält stets einen Tropfen Mermuth. „Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Sterblichen zu Thcil." Der Arme meint, un Reichthume liege das höchste Glück. Wird er reich, so sehnt er sich oft zurück nach den Tagen der Armuth. Ter Kranke hält die Gesundheit für das höchste Glück, der Gefangene die Freiheit, der Ehrgeizige die Macht, der Streber den Ruhm, und alle Menschen preisen das Glück der geschlechtlichen Liebe. Aber die Sehnsucht der Menschen nach Glück wird durch die irdischen Güter nicht befriedigt. Eine Stunde der Wonne der ewigen Seligkeit ist mehr denn das gesammte irdische Leben. — Schwerer verständlich ist der erste Theil des erwähnten Ausspruches. Wie, eine Stunde in Buße und guten Tbaren in dieser Welt soll schöner sein als die ganze, ewige Seligkeit? Und doch ist dem so. Durch eine Stunde wahrhafter Buße und guter, edler Thaten kann man sich das ewige Leben erkaufen r.“*< 775-2 72775 nrp r*; folglich mutz wohl ' eine solche Stunde so großen Werth haben wie das ganze ewige Leben. Ta aber die erwerbende Thä-