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Der Israelit · 1887-02-17 · Heft 14 (17.2.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 14 (17.2.1887)
Date
1887-02-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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lcgung der sieben Nealclaffen erlangt werden; die erwähnte Ministerialverfügung gestattet cs nun der Schule, die Schüler schon nach Besuch von sechs Nealclaffen mit dem Bercchligungszeugniß zu entlaffen. Tic bisherige Lbcrsccunda wird Unterprima, und die bisherige Prima besteht als Oberprima weiter für solche Schüler, die, wie eS ja in normalen Fällen sein sollte, für ihr Schnllebcn ein höheres Ziel als das der Erlangung eines Berechtigungsscheines sich setzen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, I.°». Februar. Tie Brochüre des Herrn Dr. A. Berliner gegen den antisemitischen Prof. Paul de Lagarde, über die Ihnen Ihr Berliner Korrespondent gewiß einen eingehendern Bericht zugehen lassen wird, hat auch hier Aussehen erregt und wird selbst in der Tagesprcssc lebhaft besprochen. So bringt die „Presse" einen Spalten langen Feuilleton-Artikel an der Hand der Brochüre über Herrn Lagarde, über seinen Charakter, sein Deutsch, das selbst „Karlchcn Micßnick" oder ein Mitarbeiter des „Kladderadatsch" und der „Fliegenden Blätter" nicht famoser schreiben könne, und über das Deutschthum des „deutschen Nationalheiligen" Paul de Lagarde. - Der Artikel erregt großes Aufsehen; cs wäre Ehrenpflicht aller Glaubensgenossen die Brochüre Berliners zu kaufen, zu lesen »nd zu begreifen. Feuilleton. Michael. onähiung von S. Lohn, Tirnasier von <?abrit l. (Fortsetzung.) Reuttundzwanzigftes K a pi tel. Es war schon zwei Stunden nach Mittcracht, alle Bürger in W., auch die ärgsten Wirthshans schlcmmcr lagen schon schnarchend unter ihren Fedcrdcckcn, nur deren Oberhaupt, Bürgermeister Golzingcr, wachte noch in seiner Stube. Es war ein recht unangenehmes Wetter draußen. Tie Tcnrpcratur war in den pickten achtzehn Stunden umgeschlagen. Es war nach starkem Froste plötzlich Thauwcttcr cirrgetteten. Es regnete in Strömen, die Tropfen schlugen unheimlich an die Fensterscheiben und der Wind sauste über die menschenleeren Ttraßcu, der Himmel war von dichten schwarzen Wolken umzogen und nicht der geringste Lichtschein konnte von draußen in das Zimmer dringen. Ter Bürgermeister hatte sein Lager gar nicht ausgesucht. er wußte, er würde nicht schlafen können; anch hatte er den .Kerkermeister beauftragt ihm sobald als möglich Nachrichten über Klein's Flucht zu bringen. Daß dieser mitten in der Nacht zu ihm kam, konnte nicht auffallen, e« stand ja mit großen deutlichen Buchstaben in Mostrichs Instruktion, er müsse alle wichtigen Vorkommnisse dem Bürgermeister melden. . . . Mostrich hatte ja schon einmal vor siebzehn Jahren, als die Eva Brümlcrin aus der Haft entsprungen war, dem Bürgernkcistcr mitten in der Nacht die „Schreckensnachricht" mitgetheilt. Golzingcr war, um kein Aufsehen zu erregen, längere Zeit im Dunkeln geblieben. Es hätte doch auffallen müssen, Verdacht erregen können, wenn mitten in der Nacht ein Lichtstrahl aus dem Fenster seines Schlafzimmers herausgcdrungen wäre. Es war ja bekannt, daß wenn er nicht bei Trinkgelagen oder am Spieltische saß, er nicht der Mann war, seine Nachtruhe zu opfern. Aber es ward ihm im Dunkeln gar zu unheimlich. Alle Erinnerungen, die er gerne aus seinem Gedächtnisse gelöscht hätte, stiegen in ihm auf. Das Bild der Eva Brümlerin trat in den verschiedensten Gestalten vor sein geistiges Auge. Wie er sie das Erstemal gesehen, wie sie seine wilde Leidenschaft entstammt, — wie er sie das Erstemal gesprochen, — wie sie ihm das Erstemal gestattet hatte, sic in ihrem Kämmerlein-zu besuchen: — wie er sie bethört —, wie sie ein Kind auf ihrem Anne vor ihm gestanden, — dann wie man sic mit Ketten an Händen und Füßen in den Kerker geworfen; — endlich wie der Henker in Breslau ihren schönen zuckenden Leib aufs Nad flocht und ihre bebenden Lippen ihren ersten Verführer verfluchten, ihn vor Gottes Richterstuhl luden! .... Er mußte sich doch entschließen Licht zu machen .... freilich verhängte er zuerst sorgfältig das Fenster, domit kein Lichtstrahl hinausdringen und es vcrrathcu könne, daß Bürgermeister Golzingcr nicht schlafen könne!" „Es ist verfl.kalt hier!" sprach er laut zu sich selbst, wohl nur um die peinliche Sttlle, die nm idn berrschte, zu brechen. Er versuchte eS böchstcigenbändig in dem kleinen Ofen Feuer zu' macken, aber entweder war er für die ungewohnte Arbeit zu ungeschickt oder zitterten seine Hände zu stark, denn nach einigen mißlungenen Versuchen gab er diese, auf. Die Zeit erschien ihm endlos lang. Mechanisch griff er nach einem Buche, daS auf dem Tische lag und scklug eS auf. Es war die Bibel. Die Stelle, die ausgefallen war, schien ihn zu erschrecken, denn er scklug den Band rasch zu uud sckob ihn weit weg von sich. — Endlich wollte er seine lange Pfeife in Brand setzen, aber auch daS

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