Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1887)
- Date
- 1887-02-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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— ■y— 238 Äreslau, ltt. Februar. Bald wird die Synagogcngemcinde Breslau ein bedeutsames Ereigniß sich vollziehen sehen: die Wahl eine» Nachfolgers für den verewigten Landrabbincr Tiktin. Natürlich hält dieses Ereigniß unsere Gemeinde in ticfgcbcndcr Spannung und Erregung. Wir glauben, daß eS die Pflicht eines jüdischen Blattes in, einer solchen Frage ebenfalls seine Aufmerksamkeit zuzutvcndcn und von Ihrer Loyalität darf ich eS voraussctzen, das; Sie den Empfindungen eines großen Kreises von Gemeindcniitglicdern in den Spalten Ihres Blattes bereitwillig Raum geben werden. Es haben sich im Ganzen bis zu dem öffentlich bckannlgcgcbcntn Termine fü n f u n d z w a n z i g Eandidatcn um die erledigte Rabbinatssiclle beworben, fast durchweg Rabbiner aus dem Posenschen und Schlesischen; vereinzelt sind Bewerbungen anS dem Hannoverschen, Elsäffischeu und ans der Rlicinprovinz cingclanfcn, auch ein ReligionSlchrcr F. aus Anrich figurirl unter den Eandidatcn um den verwaist en Lik. Tic ans Mitgliedern des Vorstandes und der 9repräscntantcnversamm!uug zusammengrtckte Wahlcommission faßte gleich in ihrer ersten Sikung den Beschluß, Bewerber unter vierzig Jahren von Vornherein auszuschließen, ein Beschluß, durch den eine Reihe vortrefflicher geeigneter M rüste gcsckeStreucr Richtung ohne 29eitcrrs ausfiel. Ein weiterer Beschluß der Eommission, in der natürlich die strcriggläubigc Richtung die Minorität hat, war — nicht 'etwa Eandidaren verschiedener religiöser Schattirungcn, sondern allein Schüler deS Breslauer Scmiliars und Männer strengster BrcSlancr Obsewanz zu Probcpredigtcn vorläufig zu berufen, Herrn Rabbiner I)r. Zuckermandel in Trier auf c*::sr2 's r^r und Herrn l>r. G u Lima n n in HildcShcim auf 's rsr. Herr l)r. Guttmann ist bekanntlich Orgclrabbincr, und Herr Dr. Zuckernrandel, der hier als hyperorthodor gilt is — nun, wir empfehlen der Wahlcommission die Lektüre der „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft deS Judenthums* 23. Jahrgang, 1S74 S. 183—191, S. 397—373, S. 423—432, S. 467 ff.*) *) S. 427 ichrridr Dr. A: r . ndrl: Ich war darauf vorbrrcittt. daß man meine :£ti für ketzerisch Hallen -rr.de. baue aber itidit erwane raß mir tetzrr L-orwurs von einer Lette gemacht werden würdr. wo man die L'erechügnng der Lrilik außer den» Penlalr::ch aucrkennr »nd anwendrr. L. 467 fchreldr Dr. A. LLwar;: Harre Dr. Zuckermandel geahnr. daß er. um seine Hvvordrse :u begründen, weil werk über die e^eiger'iche »ZoriLungswerie Kinausgedrn. daß er die Amoräer gerade;» als 3a!'i'rca:oren dinftetten müs'e, vüdrlich er tiäne auf da» L^ergnügen vernLrer. die rrmen'Lafl! Nä>e j^etr mir einer neuen Hvpsrdes« ru beglücken. Alle Hochachtung vor der persönlichen Ehrenhaftigkeit jener Männer, aber, so fragen wir. hat der Vorstand ein Siecht, den gcseecstreucn Mitgliedern, an deren Spike viele Jahrzehnte lang ein erleuchtetes Rabbincrgcschlccht gestanden, jetzt irgend einen Orgclprcdiger oder eine andere geistesverwandte .straft als religiöses Oberhaupt zu geben? Sollten die ihren Beitrag zahlenden gefetzestreuen Mitglieder nicht einen Rabbiner verlangen dürfen, der ihren Empfindungen, ihren Grundsätzen entspricht, oder müssen sie es sich gefallen lassen, daß mau ihnen einen Mann gicbt, der der Verwaltungsbehörde converrirt? Man möchte den »lenen Rabbiner gleichsam znm Assistenten Joels machen, so daß Beide in den verschiedenen Synagogen alternirend predigen und den Orthodoxen einen orthodoxen Tajan verehren. Wir erwarten von dem Gerechtigkeitssinne und der Friedensliebe der Eorporatron, daß sie uns geben wird, was uns gebührt und was wir als heiliges Vcrmächtniß Tiktins fordern dürfen: einen mir moderner Bildung und rhetorischer Begabung ausgcstattcten streng gesetzestreuen Mann. Es könnten sonst Spaltungen in der Gemeinde ciutrelen, die verhängnißvoll für den gemeinsamen Frieden werden müßten, Spaltungen, vor denen schon heute gewarnt sei. Leider sicht man allerdings schon heute die bildungsfähigen gefetzeStrenen Elemente einem Zerfetzungsprozeffe entgegensicncrn, den jene nnnatürlichei: Verbindungen, die den 3? amen B'ne B'rith tragen, verschuldet. Möge der Himmel die große Gefahr, die ans jenen Vereinigungen unserem Glauben droht, abwcnden, ehe ihre schädlichen Folgen weitere Kreise ergriffe» haben. Tie Rabbinenvahl wird der Probestein für die wahrhafte religiöse Gesinnung der Vrcslauer Geseecstreuen sein. Möge die Wahl einen Mann treffen, der im Geist deS verewigten Tiktin in frischer Kran die Glaubcnsfahne Hochhalten wird, zum Frieden in unserer Gemeinde und zum Hesse des Judcnthnms! Z. r>. Frankfurt a. M» 15. Februar. Am Anfänge dieses Semesters unterzog Herr Schulrach Kannegießer von Prov. Schnl-Eosiegiumzu Cassel die Rca'.n. nle der isr. RcliaionSgesellschafr einer eingehenden Revision. Daß dieselbe in jeder Beziehung günstig ausgefallen ist, beweist ein dieser Tage auS dem EulruSministermm cmgegangcocr Entscheid, welcher der Schute nicht allein zur größten Ehre gereicht, sondern auch zu einer Steigerung der Frequenz derselben sicherlich beitragen wird. Bisher konnte in dieser Schule die Lerechtiguug zum einjährigen Freiwillkgendienst erst nach Zurück-