Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1887)
- Date
- 1887-02-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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ii ii Hif .-p' riT~mnr'r,iTrTiwirriiiüni 240 gelang ihm nicht. (frr feste sich bald in den Lehnstuhl nieder nnd blickte starr vor sich hin' — bald schritt er ruhelos, wie ein gereizter Tiegcr in seinem »äfig, aus und ab. — So waren ihm schon mehrere peinliche Stunden verflossen, endlich zwang er sich zu einem lauten Selbstgespräch. „Ich weist eigentlich nicht, wcsthalb ich heute so starkes Herzklopfen habe. Wen» ich mein Leben nichts Aergeres gethan hätte, als einen unschuldig Verhafteten cntflichcu zu lasten, könnte ich meiner letzten Ltunde ruhig entgegensetzen. Lorenz ist ja doch mein einzig Atinb und wenn-Mein zu Worte käme, könnte er ihm eine garstige Luppe cinbrockcn. Rath Weckclsbach, der ihn verhören soll, ist schon lange mein Feind und nach nrcincr Stelle lüstern. Wenn er mich meuchlings von meinem Platze frosten und meine Ltclle cinnchmen könnte, würd' ers gerne thun.Strafe hätte mein Lohn, der nichtsnutzige Lump, schon verdient; aber eine gar so barte eigentlich doch nicht! . . . Es ist meine Pflicht als Pater, das; ich ihn diesmal durchschlnpren laste und auch meine Pflicht als Chatte. Meine arme gute Frau würde bas Unglück nicht überleben .... wenn ich dem Inden zur Fluch! helfe. da bin ich ja ein braver Mann, ja ganz gewist, ein braver Mann!" schrie er überlaut, als könne er hierdurch sein (gewissen übcrtöncn, aber er erschrak vor dem .fl lange seiner eigenen heiseren Ltimme. „Freilich, sreilich", murmelte er daun wieder und seine Zähne schlugen hörbar, „die letzten Worte, die ich zu dem nichrswürdigen Blutsauger, dem elenden Hallunken, dem Mostrich gesprochen, wären, wenn ichs genau bedenke, eigentlich doch bester ungesprochcn geblieben . . . . indcstcn, wer wird denn auch gleich das Jlllcrörgste befürchten — und jeder Mensch ist sich ja immerhin doch der Nächste! Und mein armer Junge, der Lorenz ist ja doch mein Lohn, mein Fleisch ullü Blut, und der Michael SUcin ist ja doch nur eine Jude, . . . nur ein Jude . . . nur rin Jude! . . .* Golzinger» Ltimme war zu einem leisen Röcheln hcrabgcsunkcn. „Herr (flott sappcrement!* fuhr er nun wieder plötzlich aus. „will denn die verfluchte Nacht heute gar kein Ende nehmen! 'i Vielleicht ist cs dem Mostrich, dem Tummkopf gar nicht gelungen, den halsstarrigen Troxkopf zur Flucht zu bewegen. Teufel noch einmal! fast wär mir» lieber, wenn Mostrich melden würde: der Jude wolle sichtlich! vom Flecke rühren und läge mich und gesund imflcrker in flcttcn. als daß ein unangenehmer Zufall .... ad! Väterliche kann den redlichsten Menschen unter Umständen zu einem Lchurken machen!* Plötzlich horchte er aus. Es wurde heftig an sein Hausthor gepocht. Er wollte sich erheben, rasch zum Fenster schreiten, aber seine zitternde» Füße versagten ihm den Dienst, er vermochte nicht sich vom Lehnstuhle zu erheben und sank in denselben zurück. „Fastung. Besinnung'* rief er sich halblaut zu und wischte sich den Angstschweiß von der Stirne. Jetzt hörte er in dem todlcnstillen Hause dm schlürfenden Tritt der alten Dienerin, welche die Treppe hinabschlich, um zu fragen, was die nächtliche Störung zu bedeuten habe, wenn es nothwendig sein sollte, das Hanslhor zu öffnen. Tic kurze Zeit, bis diese zurückkchrte, erschien dem aufgeregten Manne wie eine Ewigkeit. Endlich wurde an seine Zimmerthnr geklopft und die alte Dienerin schrie durch das Lchlüstclloch. „Euer Gestrengen, Euer Gestrengen, belieben Lic anfzuftchcn. Der .Kerkermeister Mofm'ch ist da, er hat etwas Wichtiges zu berichten. Ich Hab' ihm gesagt Gestrengen lägen im tiefsten Lchlafe; aber der (flrobian will sich nicht abwcifen lasten, ich Hab' seinem Willen nachgegcben, ihur das Thor öffnen muffen. . . .* „L' wird halt etwas Dringendes sein!* meinte der Bürgermeister, wie entschuldigend. „Er soll nur einen Augenblick warten, bis ich mich angeklcidct habe. Ich war gerade im tiefste« Lchlafe, .... so . . . .* Golzinger entriegelte die Thür nnd Mostrich trat ein. Beide Männer waren bleich wie Linnen und cinge Sekunden vermochte keiner ein Wort zu sprechen. Endlich stammelte der Bürgermeister. „Tie Flucht gelungen!'* „Für Euer Gestrengen ist sie vortrefflich gelungen, — ob auch für ihn .... weiß ich nicht.*/ „Ich versteh' Ihn nicht,* rief Golzinger. aber das convulsivifchc Zucken, das ihn dnrckflog bewies, daß er ihn sehr gut verstanden „spreche Er, doch deutlicher, erzähl' Er den Vorgang umständlich!* „Ich hatte große Mühe, den Delinquenten zur Flucht zu bewegen. Es war genau, so wie Euer Gestrengen in Ihrer großen fllugheit vorausgesehen hatten. Erst wollte er durchaus verhört werden und berief sich auf das Zeugnist seiner Pflcgcschwcftcr; als ich ihm sägte, daß sie gestorben, gerietst er in Verzweiflung und wollte, nachdem er nun nicht noch unglücklicher werben könne, als er schon fei. Alles über sich ergehen laneu. sich nicht aus deulflcrker rühren. Ich verzweifelte schon, dast Ihre Zwecke erreicht würden; als er sich doch — ich weiß nicht, was ihn plötzlich dazu vcranlaßte — znr Flucht entschloß.* (Fortsetzung f.Z