Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1887)
- Date
- 1887-02-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449712--25914-2515694- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2a2 2) Lagarde als Sprachkünstler. (Einzig in der Wissenschaft glaubt auch Lagarde das Monopol des deutschen Stils gepachtet zu haben, irr höhm über das Deutsch von Abraham (seiger, er spottct über das Deutsch des „Toclor" Lipmann Zunz, dessen Toctordiplom er zu sehen wünscht und er klatscht über das Deutsch Berliners in die Hände, der „mir den Dialekt von Lber-Sitzko, seiner Vaterstadt, schreibe." Mit herrlichem Witze fällt er über die „trostlosen Reimereien" eines Zunz her und vergleicht alle, welche die llcbenragungcn Zunzcns für schön finden, „jenen Lchncidcrgescllen, die am Sonntage ihre grostcarrirtcn Hosen, rothen Halsbinden und Talmi-Uhrkcucn vor Dienstmädchen spazieren geführt haben, und am Moulage sich rühmen, niau habe sie gestern aller Orten für >lavallcriconicirc in (5ivil angesehen." Auf dem Dilclblattc des Dargum steht eiiitio Sahimietta mit einem I», während cs im Buche meist Sabhionetta geschrieben ist: Herr Lagarde empfiehlt Herrn 1)r. Berliner doch einmal „Emilia Galotti" zu lesen, die von einem Eching, der ja auch den Nathan geschrieben, verfaßt sei, wo der Name dieser Stadt richtig stünde, übrigens „hätte Herr Berliner für 2" an eine Doppclkartc gewandte Reichspfennige cdcnfalls sich diese Belehrung verschaffen können: seine Verwandten reisen doch auch nickt nach „Lcppzick" ans die Messe." Als Gegenstück zu diesem gewaltigen Schnitzer, bietet die Brochürc eine prächtigc Blnmcnlcsc herrlicher Sprachblüthcn des Stilisten Paul de Lagarde. So finden wir in seinen Schriften folgende Ungeheuerlichkeiten: Massenprineip — .'tiidicnräteifcclen — Nugrriidar und (Greifens unwcnb — unlcdrudig naiv - L-erlirauckrhrir — '.•iationogcnoiic -- siL emporbcten — dar <^ottgkN>oUie — '.’lutfobuugsgenofietu'dxmcn — rin Handbuch wirdrrläurn — oncotrigiicn — klagrndirohr rönr — Nnland (für 2s.:aifer> — Unitcal — ouvUigr Lchrridrrrirn — grfräfigt vrr.ogenr i'iuder und <2 tunbcRhaltcc — wildgrmachrrr Hammrldrarrn u. s. w. u. s. w. In einer seiner poetischen Schöpfungen heißt cs: »Mir Lonn' und Lrrrurn. Blum' und Blürhrn Har mancher Tichrcr Unfug grrrieden >2tr find dis frdl noch schon grdlicdrn -d'or lüun'.grrn d'odrru (!) wird ne (“ctt behüten." Diese kleine Auslese dürste genügen, um den Dialekt des Sprachküustlcrs Lagarde bcunheiien zu können. 3) Lagarde als Mensch. „15 in in frühester Jugend krumm gezogener Baum wird nie grade und nie eine Freude der Menschen" — so sagt Herr de Lagarde von sich selbst, und er hat Recht, in» Jahre ist Zunz alt geworden, und trotzdem hat Herr Lagarde erst nach denen Dodc Muße gefunden, über ihn, den „Schwachkopf", herzufallcn und sein Andenken zu verunglimpfen: da« letzte Blatt in dem RuhmcSkranze eines Zunz! Herr Lagarde scheint sich vorttefflich darüber zu amüsircn, daß I)r. Berliner sein Dargum einer in dein blühendsten Alter vom Tode dahingcrafften Nichte gewidmet: „waS Hilsts dem Menschen, möchte man mit L. ausrufcn, wenn er die ganze Welt an Gelehrsamkeit gewinne und Schaden nähme an seiner Seele!" Herr Lagarde wettert gegen Schleiermacher und schreibt: „Er ließ mich in meinem Kindsköpfe überlegen, ob wohl bei dem kleinen Menschen alle« richtig sei." Herr Lagarde schreibt Aufsätze über die deutsche Finanzpolitik und fügt hinzu: „Ins Leben gerufen wird das von mir Geforderte werden, weil sonst Deutschland zu Grunde geht." Herr Lagarde kann Herrn l>r. Adolf Berliner nicht genugsam als „Abraham Berliner, den Berliner ^Akademie-Berliner" höhnen, dem er gleichwohl vor vielen Jahren (Herr Di-. Berliner verzeihe mir diese kleine Indiskretion!» auf die Bestellung eine« seiner Werke hin schrieb: Herr Doktor, Sie sind ein auf deutsch: ein vortrcnlicher Mann! Herr Lagarde kann sich nicht genugsam darüber ärgern, daß die .königliche Akademie der Wincnschasten die Herausgabe des Targum LnkcloS mit einer namhaften Summe unterstützt hat, nicht genugsam vor Lachen, „sich schütteln", daß „Hellmuth von Mollkc und Abraham Berliner pari passu in der Nation ciuhcrschreiten, und jeder so viel zählt wie der andere". d. h. L, kann sich nicht genugsam kränke», daß in dent (5omtie des deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas neben dem Feldmarschall Moltke auch Dr. Adolf Berliner als Mitglied genannt ist. Herr Lagarde poltert, „daß Herr Berliner, wenn er für seine Studien ans den Stenern eines christlichen Volkes stammendes Geld annimmt, die Ungezogenheit des Herrn Grätz, nach „postzu rechnen, nachadmt, vergißt aber, daß er selber einst geschrieben : „Ein Sohn Gottes, welcher mit der llhr in der Hand am l. Januar des Jahres EinS 530«» oder 41)00 Jahre nach der Schöpfung iu Bethlehcm oder Nazareth das Licht der Wett erblickt dar. hilft Niemandem crwas, der ISIS Jahre nach diesem Zeitpunkte sich mit der Kreatur abzufmde» hat." l^nick plura? Die Leser dürfen auch schon ein kleines Bild von dem „Menschen" Lagarde gewonnen haben „Neid, Rohheit und llebcrmuih sind die Quellen seines vulkanischen Ausbruches" — heißt cs in der Brocknre, und Herr „Abraham Berliner, den Gott segnen möge," wie Lagarde schreibt, bar die Spur des Löwen in der Fabel gefunden und seine liebliche Stimme erkannt. (Schluß folgt.»