Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1887)
- Date
- 1887-02-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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222 ihre Wohlthäter begrüßen und dankbar die Hände derer drücken, die ihnen zu einem menschenwürdigen Dasein vcrhalfen. — Hunderte von Hausircru überschwemmen Stadt und Land, handeln und wieder handeln ist der Grundsatz dieser Unbemittelten, denen doch eigentlich Alles fehlt, was in unserer Zeit den 5t auf- und Handelsmann ausmachr. während sie vielfach das unschätzbare Gut der Gesundheit und Kraft in ihren Armen tragen, das nur richtiger Verwendung wartet. Ten Trieb zuni Haudelsniann haben sie ererbt von der vergangenen Zeit, er ist ihren Vätern aufgedrungen worden von der Grausamkeit früherer Jahrhunderte, wo der Jude, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land gehetzt, wcggcdrängt von jedem Handwerk und jeder Arbeit, weder Muße noch Duldung fand, um der ihm von seinen Urcltern überkommenen Neigung zur Ausübung von Lauddau. Viehzucht und Handwerk gerecht zu werden. Wo sind die jüdischen Arbeiter bei uns hingckommen, von denen die Lücher unserer Geschichte erzählen, jene wackeren und selbstlosen Ehren-Männcr, würdig, zu rathcn und zu thaten mit den Ersten und Vesten des Volkes!? Wo gab es früher jüdische Vagabunden, Trunkenbolde, Spieler?! — Ter Klein- und Hansirhandcl, den Viele betreiben, ist nicht gewinnbringend genug und führt leider in vielen Fällen zum Beuel, in manchen zur Landftrcichcrci und zum Wirtdshauslebcn. Durch häufig laug andauernde Abwesenheit des Vaters von der Familie wird leicht noch der als Erbstück der Ahnen selbst von diesen Ausgestoßcncn hochgchaltcnc Familiensinn prcisgegcben, wie überhaupt durch diese ganze Lebensweise die Heilighaltung des Goltesgesctzcs in seiner Ganzheit, daS öfters gerade in den Hütten dieser Armen eine Stätte findet, wo cs sich hinsiüchtet vor dem zersetzenden Hauche der Zeit, gefährdet wird. (Fortsetzung folgt.) Icituugsaachrichte» und Corrcspondcuzcu. Deutschland. Gemmingea. (Baden). Am Freitag, 4. Februar fand drcr die Sunagogeneinweihung in erhebender und feierlicher Weise statt. Dem Festzuge hatte sich der protestantische Geistliche und der Gcmeinderath angcschloficu. Herr Rabbiner Schlesinger erwähnte in seiner gediegenen uud mit vielem Beifall oufgcnommcnen Wcidcrcde, daß die alte Synagoge erst vor L5 Jahren eingewciht worden war, der Reparatur wegen aber fast ganz abgerissen werden mußte, um jetzt um so größer und schöner wieder erbaut zu werden. Der Bau der Synagoge ist ln allen Theilea als gelungen zu bezeichne». Hürbcn. Anr 'c cur feierte der hiesige isr. Frauenverein sein SOjährigeS Jubiläum. Herr Rabbiner Tr. Cohn aus Jchenhaufen hielt anläßlich dieser Feier eine mit aUgemciuei» Beifalle anfgeuommene Rede. R ü m & n 1e n. Dr. C. Bukarest, «. Februar. Ich habe schon früher einmal von dem Special-Eid (wäre judaico) geschrieben, dem in Riiiiiänicn die Israeliten unterworfen werden im GcgcSsatz zu allen civilisirten Staaten und zum Trotz des Berliner Vertrages mit der für Rumänien leider nur projcktirien Gleichberechtigung der .Konfessionen. Ich hätte, weil es sich nun einmal vorläufig nicht ändern läßt, nichts dagegen, daß die Israeliten öffentlichrechtlich als .Fremde" angesehen werden, allein darum könnte doch noch der angeblich rituelle Eid mit feinen in's Lächerliche gezogenen Förmlichkeiten und Chikanen, wie cr in Rttmämeu auLstasfirt wird, endlich abgcschafft werden. Ten», indem 1878 die Gleichstellung der Konfessionen als Prinzip ausgestellt wurde, mußte, wen» man dadurch schon nicht irgendwelche öffentliche aktive Rechte erlangen soll, doch wenigstens in Bezug auf die zu nichts berechtigende Art der Eidesleistung, welche die rumänischen Israeliten selbst perhorrcsziren, eine Gleichstellung im privaten und passiven Recht cintreren. Was für die Griechen, Serbe» und andere in Rumänien wohnende oder sich aushaltende nichtnaturalisirte Rationalitäten recht ist. kann auch für die eingeborener« Israeliten billig sein. Tie Letzteren sind miudestcnS ebenso weit in ihrer Gewissenhaftigkeit, wie die Erster cn, sicher noch weiter, und noch so abschreckende Formalitäten können einzelne verstockt schlechte Menschen in der Ausführung eines schlechten Vorhabens nicht hindern; für den guten Menschen aber sind sie eine unnöthige Belästigung und Beschämung. Es ist darum die Ehikauirung mit dieser veralteten Eidcsart ebenso zwecklos als ungerecht und willkürlich. ' Noch ungerechter am Eide more judiaco ist aber die Vorladung desRadbinerS, damit er absurden Eeremouicn beiwohne, die in seinen religiösen Büchern gar nicht stehen uud obwohl er dabei gar nicht betdcUigr. seine Anwesenheit unter keinem Gesichtspunkte nordwcndig ist. Ich habe Ihnen semerzeil gemeldet, daß eine Anzahl israelitischer Notabel»