Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1887)
- Date
- 1887-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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217 Königlichen Landrath Herrn Gieße! eröffnet wurde. Ebenso erfolgte durch dcnselbc» die Ucberrcichung des inzwischen cingetroffcncn von Sr. Majestät dem Kaiser dem Jubilar verliehenen Hausordens der Hohcnzollcrn. Rühmlichst dürfte es hcrvorgehobcu werde», daß trotzdem unter den Gästen verschiedene Konfessionen vertreten waren, alles einig und fricd« liebend sich amüsirte. Wie noch mitgethcilt wird, erhielt der Jubilar zu feinem Ehrentage diverse kostbare Geschenke von seinen ehemaligen Schülern, u. A. vom Direktor des Waisenhauses in Berlin. Herrn Tr. Jntroszinski 200 M. baar u. a. Wcrthgegenstände. Möge cs dem Jubilar vergönnt sein, sich noch recht viele Jahre des schönen Festes erinnern zu können. W. Lcsterr.-Ungar. Monarchie. Wien. £crr Ignaz Singer, Privatier in Wien, hat der österreichischen Gesellschaft vom Rothen Kreuze zehntausend Gulden 4S/10 pcrccntischcn gcmciusamcr Rente mit der Bestimmung übergeben, daß die Zinsen für immer den Wittwcn und Waisen der Lffizicre der gcniciniamcn k. k. Armee und im Kriegsfälle die Hälfte der Zinsen zur Pflege und Unterstützung von verwundeten und kranken Kriegern der k. k. gemeinsamen Armee zugewendct werden. Die Gattin des edlen Spenders, Frau Emilie Singer, ist die Tochter des jüngst verstorbenen Herrn Baumgarrcn _iii Budapest, der großartige Stiftungen hintcrlancn hat, und ist durch ihre Wohlthätigkcit, besonders durch ihre Unterstützung der Wärmcstubcn, hier bekannt. D.-Szcrdahcly, 2. Februar. Vorige Woche wurde unter Leitung des Herrn Moses Weiß ein Verein, rrvrr: *pvc, genannt, gegründet, welcher den Zweck hat, jungen, unverhcirathcten Leuten, die das 16. Lebensjahr schon überschritten haben, allabendlich, mindeftens eine Stunde in religiösen Dingen, sowie ra* ~nr tb? rrrn gründlichen Unterricht zu ctthcilen; am c"*'. rer soll sich dieses Tborastudium auf mehrere Stunden erstrecken. Ter Verein zählt bereits 50 Mitglieder. Italien. Venedig. Tie Königin hatte bei ihrem jüngsten hiesigen Aufenthalte 12,000 L. für die durch die Eholcra verwaisten anncn Kinder zurückgclancn. Tic mit der Berthcilung dieser Summe betraute Eommission hat dem Lbcrrabbincr M. Eo?n-Porro angezcigt, daß sic beabsichtige, die zehn durch die Eholcra verwaisten jüdischen Kinder an der von ihr verwalteten königlichen Sumvle zn bcthnligen. Rußland. Aus Warschau wird der „Polit. Eorr? genicldet: ^Jcnen Zweigen der russischen Verwaltung, in welchen zur Zeit noch Juden und Katholiken zahlreiche Stellen bekleiden, was namenUich bei den Zahlonsialten der Fall ist, wurde seitens der Regierung die Pflicht eingeschärft, die genannten Elemente aus den Aemtcrn allmählich zu entfernen und die erledigten Stellen ausschließlich mit Russen orthodoxen Glaubens zu besetzen." Feuilleton. Michael. vrzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Achtundzwanzigstcs Kapitel. Michael Klein war von den Dragonern ins Gesängniß eskortirt und vonr Gerichtsdiener dem Kerkcrineister übergeben worden. Er wurde in eine Zelle gebracht und ihm an Händen und Füßen Ketten angelegt. Michael Klein hatte sich von der dringendsten Rothwcndigkeit dazu getrieben, bevor er verhaftet wurde, mit dem Aufgebote aller seiner Geisteskräfte, einen Monient zu scharfem Denken und richtigem Handeln anfgcrafft; — allein zu Vieles war im Lairfc weniger Stunden niederschmetternd auf ihn cingcstürmt, und nun war er wie betäubt, geistig gebrochen. Eine Zeit lang erschienen ihm die furchtbaren Erlebnisse der letzten Nacht so unglaublich, dadurch auch so nebelhaft, verschwindend, daß er einen bösen, wüsten Traum zu rräumcu glaubte, aus dem er im nächsten Augenblicke erwachen würde. — Viele Stunden lang war er, starr vor sich hinblickend in diesem ficbertranulartigen Zustande gesessen, aber endlich hoben sich wieder die kurze Zeit gelähmten Schwingen seines Geistes, die einzelnen Erlebnisse der letzten Stunden begannen sich wieder in seiner Erinnerung zu verdeutlichen, traten endlich als Ursachen und Wirkungen zu einem Gesaumitbilde zusammen, vor welchem Michael Klein bis in die Tiefen feiner Seele erzitterte! Sein Pflegevater todt! Seine Verlobte mit ‘ deui Tode ringend, er, ihr einziger Beschützer auf Erden, ein auf den Tod Angeklagter, selbst der Hilfe im höchsten Grade bedürftig, sein Ankläger ein nichlswürdrgcr Bube und sein Todfeind, — sein Richter, der Vater desselben, und er, der Schuldlose, wie er sich in dem Momente begreiflicher, höchster Enttnuthigung einräumc» mußte.