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Der Israelit · 1887-02-14 · Heft 13 (14.2.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 13 (14.2.1887)
Date
1887-02-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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216 werden wir unseres Lebens froh und genießen, was die Zeit und unserer Hände Werk uns gewähren. Wir arbeiten und. genießen im Bewußtsein, daß, wenn auch hier uns oft der Erfolg fehlt, wir vor dem gerechten Richter, vor dem Thron des Ewigen -werden Rechenschaft ablegcn müssen und vor Ihm gerechte Bcurtheilnug unserer Handlungen finden werden. Weder der, der nur um des Genusses willen lebte, noch auch der, der sich alle Genüsse des Lebens versagt und sich zurnckzicht vom Verkehr, vom Ihcilnchmcndcn, ihätigcn Zusammenarbeiten mit Anderen erfüllen ihre Lebensaufgaben; nein, Leben und Genießen, aber zielbcwußtcs Leben und Genießen, beide harmonisch vereint, bilden den Hauptzweck unseres Daseins, denn das ist die Bestimmung des Menschen. Hierauf skizzirte Redner die in Gölhe'S „Faust" ausgedrücklen Ideen und zeigte, wieder weise König und der große deutsche Dichter sich in demselben Gedankenkreis bewegen, was zugleich beweist, daß in Kohclcth auSgcdrückten Gedanken auch die Prüfung vor unserer fortgeschrittenen Kcnntniß bestehen und in ihrer Folgerichtigkeit auch noch für heute eine tiefe Wahrheit enthalten. Leider gestaltet mir der mir von der Redaktion gütigst zurBerfügung gestellte Raum nur Einiges ans den vielen vom Redner vorgeführten intercnantcn Parallelen zn rcproducircn. „Grau, thcurcr Freund, ist alle Theorie, grün ist des Lebens qold'ner Baum". Mil diesen Worten ist im „Faust" das Ergebnis alles ForschcnS und Wissens geschildert worden, und .Kohclcth ruft ans: „Ich habe mein Herz gewandt, zu forschen. zu suchen nach Allem, waS da geschieht unter der Sonne, aber cs ist eine böse Angelegenheit, die Gott dem Menschen gegeben, sich damit zu plagen." Hier wie dort banges Verzweifeln an dem Erfolg nuferes Wissens, und daher der Entschluß, die Freuden des Lebens auszukosten. Ter Endzweck Leider jedoch ist, uns den irdischen Genuß nur als die Brücke darzustellen, die uns zu einer besseren, lebensfroheren Auffassung unserer menschlichen Pflichten leiten soll. Die Verirrungen find beiden Dichtern nicht Selbstzweck, sondern dienen ihnen als Mittel, die uns zur Tugend und Selbstcrkenntniß führen sollen. Ter lehrreiche Vortrag fand lebhaften Beifall. Wreschen. Am 30. v. M. feierte in Strelno der erste Lehrer der dortigen jüdischen Schule, Herr Julius Fabian, welcher auch hier mehrere Jahre amtirre, in erfreulicher Rüstigkeit fein fünfzigjähriges Lchrcrjubiläum, zu welchem sowohl seine vier verheirateten Töchter und ein Sohn nebst den Enkelkindern, wie auck sein Reffe, der königliche Lberlandes-Gcrichtsasscffor HerrSprinz sich eingesunden hatten. Zwei seiner Söhne, welche in Australien etablirtsind, konnten selbstverständlich dem Feste nicht beiwohnen. — Eingcleitet wurde die Feier durch ein Morgenständchen. Gegen II Uhr begaben sich die Spitzcu ' der Behörden, die Magistratsmitglicdcr und die Stadtverordneten in Begleitung des Königlichen Krcisschulinspcctors Herrn Pinkowski nach der Wohnung des Jubilars, um denselben zur Feierlichkeit nach dem festlich dekorirtcn und erleuchteten Tempel zu geleiten. Hier wurde zunächst unter Leitung des Lehrers Herrn Janetzki von den Schulkindern ein Choral gesungen, worauf Herr Gcmcindcrabbiner Stern die Kanzel betrat und die Fcstprcdigt hielt, welcher er die Bibelstellc Sprüche Salom. Kap. 27 Vers 18: „Wer den Feigenbaum wartet, genießet feine Frucht, wer seinem Amte treulich dient, wird einst Ehre erlangen," zn Grunde legte. Nach der Predigt wurde von sämmtlichen Lehrern der Psalm 23 gesungen. Sodann wurde der Jubilar von den Festthcilnchmcrn nach seinem von den Schülern schön geschmückten Schullokale geleitet. Zunächst hielt hier derselbe ein Dank-Gebet, in welchem er auch unseres erhabenen Kaisers gedachte, worauf Herr Kreisschulinfpcktor Pinkowski eine Ansprache an den Jubilar hielt, worin er denen rastlose Thätigkcit und den heilbringenden Erfolg seiner Leistungen bekundete, mit dem Bemerken, daß er soeben durch die Königliche 'Regierung berichtet fei, daß der dem Jubilar von Sr. Majestät dem Kaiser verliehene Orden bis Abends cintreffen werde. Tann hielt Herr Bürgermeister Hergott als Repräsentant des jüdischen Schulvorstandes eine Ansprache an den Jubilar, bei Ucbcrrcichung eines namhaften Geldgeschenkes. Hierauf brachte der Stadtverordneten - Vomeher Herr T. Malachawski im Rantcn der Stadtverordneten deren Glückwünsche dar. Darauf folgte Namens der Lehrer durch Herrn Lehrer Bohl mann eine inhalrreiche Ansprache bei Uebcrreichung eines Geschenkes, bestehend in einer goldenen Uhr, und Herr K orchard'brachte die Glückwünsche der israelitischen Gemeinde mit dem Geschenke eines Settels dar. Tann folgten verschiedene Deklamationen von den Schulkindern und den Enkelkindern des Jubilars, woran sich ein für die Fcstgenossenfchaft von dem Jubilar gegebenes Dejeuner schloß. Nachmittags 5 Uhr fand zu Ehren des Jubilars ein von einer zahlreichen und vornehurcn Gesellschaft besuchtes Diner statt, bei welchem die lange Reihe der Tischrede« durch de»

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