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Der Israelit · 1887-02-14 · Heft 13 (14.2.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 13 (14.2.1887)
Date
1887-02-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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215 so manche wcrthvollc (Mal»c verdankt, hat sich neuerdings durch die Herausgabe des vorliegenden, hochbedeutenden Werkes ein unsterbliches Verdienst erworben. Das Werk selbst ist jedem jüdischen Fachgelehrten bekannt, da cs sehr häufig von den Tccisoren citirt wird und im Ausluge bereits mehrfach cdirt wurde. Nun mehr licgtcs uns vollständig vor. TaS Manufm'pt wurde dem Herausgeber von dem Rabbiner Isak Raphael Aschkcuasi in Ancona überladen: es stammt aus der Bibliothek des verewigten Rabbincn David Abraham V i v c n t i. Da das Manuscript defekt war. so hat cs der Herausgeber durch die Vergleichung mir einer andern Handschrift ans der Bibliothek des berühmten Rabbincn Rabbi Mcir Men; vervollständigt. Diese letztere Handschrift stemmt aus dem Jahre 1501. Der Verfasser lebte im dreizehnten Jahrhundert in Rom. Der Name des Werkes bedeutet: „Die Achrcn der Nachlese-, weil er in demselben Vieles wicdcrzugcdcn beabsichtigte, was den vor ihm Lebenden entgangen war. Von der LebcnSgcschichtc dcS Vcrfalicrs ist wenig bekannt; wir wissen nur, daß er ein Arzt war, und daß er aus einer Familie stammte, in welcher sowohl die talmndische Gelehrsamkeit wie die Arzncikundc gepflegt wurden. Wie wir bereits erwähnt haben, ist das vorliegende Werk eine wichtige Bereicherung der rabbinischen Literatur, aus welchem bisher vielfach Auszüge durch den Truck verössenllicht worden sind, das aber in seiner Vollständigkeit jetzt zum ersten Male daS Licht der Welt erblickt har. ES cristirt noch ein zweites Buch von demselben Vcrsaffcr, in welchem sich wichtige Reiponscn von RabbennGcrschom Äcor Hagolah, Nascht, Radbenu Meier ans Rothenburg und vielen Andern befinden. Wir wollen wünschen, daß der gelehrte Herausgeber auch dieses Werk zu veröffentlichen Gelegenheit haben wird. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 10. Februar. Im Verein rürjüdischeGcschichtc undLiterarur Kielt Mittwoch Abend Herr Institutsdirektor D r. Var naß ans Pfungstadt einen Vortrag über .Kohelerh und Faust-. Redner suchte zuerst die vielen bekannten Widenvrüchc zu erklären, in die fich Kohelerh mit fich selbst, wie mit der ganzen jüdischen Weltanschauung, wie sie in allen heiligen Schriften, in den Proverbien und den Psalmen in so herrlicher Weise zum Ausdruck kommt, gefetzt Kat. Er gibt zu diesem Zwecke in origineller Weise den Gcdankengang Kohclcts wie folgt an. Der königliche Sänger sieht mit Schmerz das Ucberhandnehmen leichtfertiger Gesinnung unter den Israeliten seiner Zeit; er sieht den Augenblick sich mit gewaltigen Schritten nähern, wo das Reich sich spaltet und im größten Theil der Nation Abfall zum Götzendienst zu Tage treten, sobald Salomo hcimgcgangcn sein wird, und in seinem tiefen Schmerz fühlt er sich gedrängt, seinen Zeitgenossen, die von den Lehren der Väter abgcfallen, ein Spiegelbild ihres Strcbens vorzuhalten und auf die für ihre Existenzberechtigung so schwerwiegenden, gefährlichen Eonscqucnzcn hinzuweisen. Auch König Salomo selbst, so erzählt uns die heilige Schrift, hatte sich in seinem Alter von Gott abgcwandt und sich allzusehr dem nicht immer segensreichen und woblthätigen Einfluß seiner Frauen überlassen. Er selbst hatte sich allzusehr dem sinnlichen Genüsse hingcgcbcn und gewöhnt in seiner Philosophie, w seiner, über das gewöhnliche Maaß seiner Zeit hinausgchcnden Bildung, in seinem Rcichthum und den Ehren, mit welchen er von allen Seiten überhäuft wurde, Bcfticdigung finden und sein Leben zu einem glücklichen gestalten zu können. Allein er mochte zur Besinnung gekommen sein, die schlimmen Folgen, die ein solches Streben und Treiben für sein Gemüth und feine Lebensfreude zeigte, mochten ihn ernüchtert und gelehrt haben, daß wahre Bildung, wahrer Rcichthum auf einem anderen Boden als auf dem des sinnlichen Genusses gedeihen, daß Treue gegen die göttlichen Lehre, daß sittliche Veredlung allein unserem Wissen und Können den vollen, wahren Werth, die volle, wahre Weihe, verleihen. So aufgcfaßt, erklären sich viele Ausdrücke, die uns sonst Schwierigkeiten bieten, anßerordentlich schön. Eitelkeit der Eitelkeiten hatte Kohelerh gc^ sprachen, aber die Zeit hat ihn eines Besseren belehn, und eine andere Auffassung von der menschlichen Bestimmung und von der beschränkten Kraft unserer geistigen Fähigkeiten hat Platz gegriffen. Nicht Alles kann der Mensch ergründen, er soll forschen und streben, aber sich nicht vermessen, Alles crfon'chcn, Alles bezweifeln zu können. Soweit unser Streben sich aus Tinge und Erscheinungen unter der Sonne bezieht, ist Nichts vollkommen, begegnen wir überall nur Eitelm, Vergänglichem, Bosheit und Ungerechtigkeit, Ucbermmh und Verkehrtheit. Aber es gibt eine höhere Welt, die Welt religiösen ForschcnS und sittlichen Strebens; hier finden vir volle Befriedigung für unser Thun; hier

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