Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1887)
- Date
- 1887-02-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449711--25895-2515674- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
214 nur dann entfalten, wenn es nothwendig ist, und so lebrcn auch die Weisen: rir' r« 7-ru ve-». „Wer ist ein £>clb? Derjenige, welcher seine Leidenschaft bezwingt." Sowohl Simson wie David haben diese Eigenschaften des Löwen bewährt. Viele Mal hat Simson seine gewaltige Kraft entfaltet. AIS aber (Richter iS. 15. V. 11—13) dreitausend Männer von Juda Simson aus dem Felsen Eram aufsuchten, nur ihn den Philistern auszuliefern, da cnrsalicte er seinen Volksgenossen gegenüber seine gewaltige Kraft nicht, sondern lieg sich ruhig von ihnen binden und den Philistern Zufuhren. Den Feinden seines Volkes gegenüber zerriß er seine Fcsieln gleich Flachssäden, die im Feuer lodern, ergriff einen am Wege liegenden EselSkinnbacken und erschlug damit tausend Mann, Ebenso hätte er sich ja der Männer von Juda erwehren können; allein er bezwang die ihm innewohnende Kraft, um sie nur dann zu bewähren, wann es nothwendig war. — Achnliches finden wir bei David. Schau! verfolgte ihn, wie der Jäger das Rebhuhn auf den Bergen verfolgt. Zweimal siel Schau! in die Hand des Verfolgten, zweimal hätte David seinem Verfolger widerstehen und dadurch nicht allein die Freiheit, sondern auch einen Königsthron erringen könnenallein, er bezwang seinen Muth. hielt zurück seine Kraft und legte nicht Hand an den Gesalbten des Herrn. Auch finden wir in der heiligen Schrift, dasr derjenige, welcher anders verfährt, welcher die Leidenschaft nicht bezwingt oder, welcher seine Kraft ans Gottes Geheiß nicht entfaltet, dem Löwen zur Beute lvird. Gott schickte einen Propheten aus dem Stamme. Juda zu dem sündigen Könige Jerobcam, um ihn zu mahnen, und hatte dem Propheten besohlen, in der Residenz des Jerobcam nicht zu essen und nicht zu trinken und nicht auf dem Wege, auf welchem er gekommen, zurückznkchren. Ter Prophet aber ließ sich von einem falschen Propheten verführen, und er gab seiner Neigung nach und aß und trank bei ihm. Als er nun Heimkehren wollte, da kam ein Löwe und tödtclc ihn. Tein Leichnam lag hingestrcckt auf dcui Wege, und »eben ihm stand ans der einen Seite sein Esel und auf der anderen der Löwe. RichtZhatte jder Löwe die Leiche verzehrt und nicht dcn Gscl zerrissen. Well der Prophet gegen Gottes Geheiß sciue Neigung nicht bezwungen und dort gegessen und getrunken, wo er nichts hätteZgcnießcnÄ'ollcn, hatte der Löwe, ferner Aatur entgegen, gerödtet ohne zu verzehren (1. B. b. K., iS. 13). Dagegen finden wir erzählt (1. B. b- K.. E. 20), daß ein^Prophetcnschülcr dcßhalb von tmem Löwen gerödtet wurde, weil er nickt Zur rechten Zeit Dasjenige getha», was Gott zu thun ihm hatte befehlen lassen. Ben Hadad, der mächtige König voir Aram, hatte sein ganzes Heer vcrsaurnrelt und die Schaaren von 32 ihm unterworfenen Königen und belagerte Schomron, die Residenz Achabs, des Königs von Israel. In wunderbarer Weise ließ Gott den König von Israel obsiegen, und Len Hadad wurde gefangen genommen. Großmüthig entließ ihn Ackab, — eine übclangewandte Großmuth. Und ei» Man» von den Prophetenschülcrn harte gesprochen zu einem andern Propherenschüler auf Geheiß des Ewigen: Schlage mich doch! Aber der Mann weigerte sich, ihn zu schlagen. Ta sprach er zu ihm: Well du nicht gehört daft ans die Stimme des Ewigen, so wird, da du von mir gehst, der Löwe dich erschlagen. Und als er von ihm ging, da fand ihn ein Löwe und erschlug ihn. Jener aber fand einen andern Mann und sprach: Schlag mich doch: Und es schlug ihn der Mann, bis er ihn verwundete. Hierauf ging der Prophet hin, umhüllte mit einem Tuch sein Antlitz, stellte sich dem Könige in den Weg und klagte ihm, daß er geschlagen worden sei, weil er einen Gefangenen habe entfliehen lassen. Und der König von Israel sprach: Es ist dir recht geschehen, du hast cs verschuldet. Da nahm der Prophet das Tnch von seinem Antlitz, so daß ihn der König erkennt. Und er sprach zu ihm: Also har der Ewige gesprochen: Weil Tn den Mann entließest, den Ich zum Tode bcstinnut harre, soll dein Lebe» für sein Leben und dein Volk für sein Kolk haften. David war ein Held, der mit Recht einem Löwen verglichen werden durfte. Ihm harte Gott die große Kraft verliehen, und David entfaltete sie stets zur rechrcn Zeit, da die Rothwcndigkeit es erheischte; aber er wußte dicseKrastund denHeldcnmuth zurückzuhaltcn, zu beherrschen und zu bezwingen, wenn Zurückhaltung geboten war. Dadurch wurde er der unvergleichliche Held, der Hort, der Vater seines Volkes, und dcßhalb durfte er von sich rühme» (Ps. HO, V. 121). jsTs» bsrs v*r? »Stets habt ich geübt Gerechtigkeit und Mllde, jedes zur seiner Zeit." (Fortsetzung folgt.- Literarischer Bericht. Lpv'72^-Lv. Verfaßt von Rabbcmr Zidkiah bar Abraham Harophe, welcher vor circa «h> Jahre lebte. Rack einer alten Handschrift hcrausgcgcben und mit Anmerkungen versehe« von Rabbi Salomo Bober ans Lemberg. Wilna bei Winwe und Gebrüder Romm 5047. Der berühmte Gelehrte, Herr S alo moBobcr in Lemberg, welchem die jüdische Literatur schon