Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1887)
- Date
- 1887-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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201 in's Lächerliche gezogen. Es ist wünschenslverth, falls ein dcraniges Theater wieder eröffnet werden sollte, daß die Unternehmer den Warnungen der geistlichen Autoritäten Gehör schenken möchten. Rußland. Tiflis im Kaukasus, 21. Januar. Reist man von hier zu Land nach Astrachan oder überhaupt der Wolga zu, so trifft man in vielen Ortschaften Juden, welche sich sowohl von ihren Glaudensbrndcrn in Asien al« auch von denen in Europa stark unterscheiden und daher einer ganz fremden Race anzngchören scheinen. Sic sind nicht so schlank gewachsen und so schön gebaut, wie jene und besitzen sic auch nicht den Hellen Verstand, den Geschäftsgeist und die SchaffungSInst wie diese. Kurzum, sic sind durchaus nicht Hol; von unserem Stanime, sondern ein dem Judeulhume aufgepfropftes fremdes Reis. Sie sprechen fast durchwegs ucbst dem Russischen auch das Tatarische und die näher zun» Kaukasus wohnenden sprechen sogar auch Persisch. Sie selbst behaupten, daß sie von den zehn Stämmen oder vielmehr von einem dieser zehn Stämme hervorgegangcn seien, eine Behauptung, die sic jedoch durch nichts begründen oder erhärten können. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß diese Inden Urberrestc des Ehasarcnvolkc« (cnnr) sind, das sich im s. Jahrhundert freiwillig zum Judenthnnre bekehrt hat, da« aber später von den Russen unterworfen worden ist, worauf der größte Theil degelben freiwillig oder gezwungen zur russisch-orthodoxen Kirche übcrrrat. Der Brüchtheil desselben hingegen, der dem Judcnthume treu blieb, begann nun, um nicht gänzlich vereinsamt dazusteheu und in den Lcidcnstagcn, die nun über ihn hercinbrachen, thcilnchincnde Freunde zu haben, sich den Inder» des türkischen und persischen Reiches zn nähern und nahnrcn sie dann auch viele von ihren Sitten, Gebräuchen und religiösen Eeremonien an. Man würde sich jedoch gervaltig täuschen, wollte man diese Juden für Abkönnnlinge der Karäcr (Karaitcn Dsrp) halten, da sic mir diesen gar nichts gemein haben und sogar schon die Zurnnthung, daß sic Manches von den Lehren der genannten Sectc angenomnicn haben, mit Entrüstung zurücklvciscn. Sie haben nämlich dieselben Gebete, wie die übrigen Juden des Morgenlandes oder wie sie der scphardische Ritus vörschrcibt, legen Tcphillin nach der Vorschrift des Schulchan Aruch und beobachten die Vorschrift der Schechitah (Schächtung) ganz so, wie wir sie durch die Tradition überkommen haben. Leider sind sie sehr unwissend, besonders in religiösen Dingen und auch ihre Rabbiner dürfe» nicht zu den Leuchten des Judenthums gezählt werden. Dafür ist ihre Freude u»n so größer, wenn hie und da ein gelehrter abendländischer oder morgcnländischcr Jude in ihrer Mitte erscheint, da sic sich dann von ihm belehren lassen können und legen sic ihm zugleich auch mehrere religiöse Fragen znr Entscheidung vor. Bei den Russen sind diese Juden nicht sehr beliebt; denn wenn sie auch schon den Talmud nicht stndiren, ja denselben kaum lesen können, so halten sie ihn doch hoch in Ehren und nehmen sic cs auch den Karaitcn sehr Übel, daß diese, die ns?;-»? ms (mündlicheNcbcrlieferung), die doch die Leuchte nufcreS Leben« ist, gering achten und sogar auch verspotten. Die Stadt Durband a,n Kaspisce, welches Meer vor tausend Jahren ungefähr nach dem an feinem westlichen Ufer wohnenden Ehazarenvolke das Ehasarcnnrecr genannt wurde, ist der Hauptort dieser Inden und beziehen sie von dorther ihre Rabbiner, Ehasanirn, Gebetbücher, Talcssim u. s. w. Es scheint, daß dieses Städtchen zur Zeit als das Ehasarcnlönigreich noch bestand, ein.Hauptsitz jüdischchasarischer Gelehrsamkeit gewesen ist. Leider besisen diese Inden nicht, wie ich schon erwähnt habe, die Geistesschärfe und den scharfen Verstand ihrer abendländischen GlaubenSbrüdcr und gleichen sie so nichr den Tataren als den Nachkommen Jakobs. Es ist ihnen dader auch nicht möglich in die Tiefen des Talmud einzudringen und dieselben zu erfassen, und beschränken ihre Rabbiner ihre theologischen Studien gewöhnlich nur auf die Bücher der hciligen Schrift und dann den „Orach Ehajim", „Ehaja Adam" und andere kurzgcfaßte radbinirche Werke. Aber auch das weltliche Wissen dieser Inden ist kein große«, und obgleich das Tatarische ihre Muttersprache ist, so besitzen sie doch keinen ncnnenSwcrthcn Schriftsteller in dieser Spracht. Ihre Ernährungszweige sind gewöhnlich der Ackerbau, die Viehzucht, der WaarcntranSport u. dg!., Beschäftigungen, zu denen, u»an „mehr" materielle als geistige Kräfte bcnöthigt. Palästina. Jerusalem. Schon längst machte sich daS Bcdürfniß fühlbar, hier noch eine talmudifche Hochschule zu eröffnen, da bei den bedeutenden Jugendkräften, die sich den talmudischeu Studien widmen, die zwei bereits hicr bestehenden Hochschulen ru*s% und c~cn rr^c: man bv •er» rmn rarrm “'bbzbei weiten nicht genügen. Mehrere hervorragende und hochherzige urn*.r. •Ezrc'i ps errw rcryrs in Rußland haben in dieser Sache die Jui-