Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1887)
- Date
- 1887-02-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449710--25871-2515649- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Trairgafic™Bfl,M^ 199 Burqprcppach. Unser Tistrictsraböiner Herr I)r. Deutsch har an die Cultusvorstäude seines Bezirkes ein Eirculär ergehen lassen, in welchem er die Prinzipien darleglc, nach welchen der Religionsunterricht gchandhabt werden soll. Tic König!. Negierung , gcz. Graf Lnxburg. 3iegicrungspräsidenl, sprach in einem Schreiben an den Tisnictsrabbrncr ihre Befriedigung über die von demselben im Interesse der Hebung des Religionsunterrichtes getroffenen Maßregeln aus. Berlin. Bekanntlich erfüllen die staatlich geprüften und an einer öffentlichen Volksschule wirkenden Lehrer ihre Militärpflicht durch eine sechswöchentliche Dienstzeit. Von dieser Berechtigung sind diejenigen ausgeschlossen, welche zwar staatlich geprüft sind, aber nicht an einer öffentlichen Schule wirken. Dieser Rachrhcil traf besonders die jüdischen Lehrer, die meistens an Privarschulcn rhätig sind. Wenn auch früher die Auslicbungsbcliörden den an nicht öpcmlich erklärten Gcmcindcschnlen wirkenden jüdischen Lehrern die Vergünstigung der sechswöchcntlichcn Dienstzeit cinräunncn, so wurde doch in letzter Zeit von dieser milden Praxis vielfach Abstand genommen, indem man die betreffenden liier und da zur dreijährigen Dienstzeit heranzog. Kürzlich har nun. wie uns mitgetheilr wird, in Folg: einer Petition dasKriegsministeriiim eine Verfügung erlassen, wonach solche Lehrer, welche zur Anstellung an einer öncntlichen Schule berechtigt sind, aber ohne eigene Verschuldung eine öffentliche Schulstclle noch nicht gesunden haben, auch gleich den ömntlichen Lehrern berechtigt sein sollen, auf die Vergünstigung einer sech-wöchentlichen Dienstzeit Anspruch zu erbeben. Tiefe Verfügung ist allgemein, besonderen Nutzen werden aber hauptsächlich nur die jüdischen Lehrer davon haben, indem in dem weitaus größten Thcil der israelitischen Gemeinden für die jüdischen Schulen der geringen Schölcrzahl wegen die £cfseullichkcits-Erklärnng durch die Negierung nicht zu erlangen ist, die christlichen Lehrer aber leicht an öffentlichen Schulen Anstellung finden. Aus Tberschlesierr, 3. Februar, wird der „Voss. Ztg." geschrieben: Tic Frage, ob die infolge der generellen Ausweisung der aus Russisch- Polen und Galizien emgcwandeneu Ausländer aus den polnischen Landcsthcilcn Ausgewicfcncn auch nicht mehr mit einem ordnungsmäßig ausgestellten Paffe nach Preuße« zurückkommcn dürfen, wird in Kanowitz nächstens zur gerichtlichen Entscheidung kommen. Ein Buchbinder, der in Kattowis fast zwanzig Jahre gewohnt, sich dort mit einer »rauowcherin nach jüdischem Ritus vcrheirarher und mit ihr fünf Kinder"crzcugt hat, war im vergangene» Jahre ausgcwicscn, feine Familie aber zurückgeblieben, da nach preußischem Gesetz die Frau ihre Staatsangehörigkeit durch eine nicht standesamtliche vollzogene Ehe nicht verliert. Jetzt ist der Mann mit einem Passe von Lswocim ousgcstattct wiedergekommen, um Frau und Kinder zu scheu und ihnen Geld zu bringen. Tie Polizei ließ ihn gleich am nächsten Morgen verhaften und vor den Amtsrichter führen, der seine Freilassung anordnete. Die Polizcivcrwaltuug aber will sich dabei nicht beruhigen. hat den Paß zurückbehaltcn, den Buchbinder ausgcwicscn und will Anklage wegen unbefugter Wiederkehr erheben. Lesierr.-Ungar. Monarchie. Wien, 4. Fcbr. In der heutigen Sitzung des Rcichsrathcs nahm der Antisemit Türk daS Wort, um mit dem Aufgebote feiner ganzen Lungenlraft eine von den heftigsten Invcctivcn gegen den Abg. Plcncr ftrovcndc Rede vom Stapel zu lassen. Nach ihm sprach Abg. Wrabctz und wieS in ruhiger und schlagfertiger Weise die Angriffe des Vorredners zurück. Eine cigcnthümliche Empfindung beschleicht mich. sagte Redner, wenn ich den Herrn Türk höre. Das hohe Haus wird oft orit einem Theater verglichen. Tic Ausführungen Tür^s erinnern mich an crn Sommer - Bolkstheatcr im Prater, in welchem zum Schluffe immer wieder der Jude todtgefchlagcn wird. /Heiterkeit.) Es gibt kein Thema in diesem Hause, bei welchem Türk nicht mitspricht, er spricht überall mit, er hat Alles „siudirt," (Heiterkeit) aber bei allen Fragen weiß er einen Punkt, wo der Jude erschlagen wird. Nichtig hat er auch hier wieder das jüdische Kapital hincinzubringcn gewußt (Türk will den Redner unterbrechen, wird aber von diesem mit den Worten abgewicscn: „Ich spreche zum Präsidium uud lasse i mich mit Herrn Türk in keine Konversation ein"), er har die jüdischen Internationalen hineingcbracht, uns Mangel an Lidcralismus vorgcworfcn und gesagt, „nichts als Phrasen sind von dieser Partei gekommen," und Lueger hat gerufen: „Bravo! ansgczcichutl!" Diese Herren sind die Letzten, welche vorn Phrascndrcschcn reden sollten. Wenn diese beiden Herren (Türk und Lücgcr) all' das, waS sie hier gesprochen haben, begründen uud beweisen müßten, dann würde sich zeigen, wer leere Phrasen drischt. Ein Mitglied einer Partei, welche, wie Herr Türk, heute, hundert Jahre nach dem Erscheinen des Toleranz-Edikts, die Intoleranz auf ihre Fahne geschrieben hat, welche Ausnahmsgesctze für einzelne Konfessionen schaffen will, hat am