Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1887)
- Date
- 1887-02-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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191 werden könnten, der Vorwurf kann gegen die jüdische Nace gewiß nicht erhoben werden, daß sie nicht arbeiten wolle. Zn ollen Ausführungen bildete die Klage den Tenor, daß das Bell im Schweiße seines Angesichts arbeiten müsse, während nur der Zude nichts arbeitet. Wollten wir uns nur in dieser Beziehung ein Beispiel an unseren jüdischen Mitbürgern nehmen, dann würden wir um Vieles mehr für die Erhaltung de» National-Dermögcus in ungarischen Händen thun, als wir bisher gcthan haben. (Zustimmung.) Italien. Rom, 20. Zanuar. Die »Gazzctta di Venezia/ das einflußreichste Blatt BenelienS, bringt einen interessanten Artikel aus der Feder „eine« Eingeweihten" über den großen Eifer, mit welchem die verehrte Königin Marghcrta nun schon seit Jahren das Hebräische srudirt. Unter der Anleitung trefflicher jüdischer Lehrer hat sie cs denn soweit gebracht, daß sic da« alte Testament ohne sonderliche Schwierigkeiten zu lesen versieht. Ihre hebräische Bibliothek ist sehr reichhaltig. ES bcsinden sich darin die besten Erzeugnisse der jüdischen Literatur. Tie Gazzctta bemerkt dazu: Wenn irgend wer philoscmitksch gesinnt ist, so gilt das von unserer Königin, und so wie sie, denkt, Gott sei Dank, das ganze italienische Volk. Bei uns bleibt der Anti« fcmitismus eine Treibhauspflanze, die absolut nicht fortkommt." Rumäne». vr. 6. Bukarest, 31. Zanuar. Aus Ursiccni, einem Stäbchen bei Ealaraschi (an der Donau, Walachei) wird mir Folgendes bekannt. Die Frau des israelitischen Schneiders Ebajim Lazarowicz ging eines Sonntags nach einem christlichen Laden, um Einkäufe zu machen. Daselbst wurde sie von hineinströmenden Leuten angefallen, geschlagen und an den Haaren hcrumgcrisscn. Ihr Mann, welcher auf die ihn durch einen Knaben hintcrbrachte Nachricht herbciciltc, wurde in noch grausamerer Weise traktüi, so daß er von Blut nbcrströmt nur mit Hilfe des OrtSapothckers in ein in der Nähe gelegenes Hotel sich retten konnte, nachdem vorher die Ucbclthätcr ihn feiner Uhr und des Geldes, das er bei sich_ trug, beraubt hatten. Damit aber begnügten^ sich die Krawallmacher nicht, sondern sie warfen sich auch auf andere des Weges kommenden Israeliten und schlugen die Frau des Lazar Marku, den Sandu Marku und den Abraham Silbcrsicin m brutaler Weise. Diese Schlägereien wären ein hrnvatfall und darum der Meldung nicht wctth. wenn nicht auch hier eine rumänische Behörde und eine ofsizöse Zeitung eine Rolle spielten. Denn üdclzngcrichtet, wie Lazarowicz war, gelang eS ihm schließlich sich zum Bürgermeister und zugleich Polizcichcf zu begeben, stellte ihm die Sache vor und legte, im Hinblick auf die auch an den anderen Zsraclitcn verübten Brutalitäten, nahe, daßdas Leben der im Städtchen wohnenden fünf Familien iu Gefahr sei. Aber der Lrtsgcwaltige maß den Thatsachen keinen »Ernst" bei und gab ihm auf alle seine Bitten und Vorstellungen die in Rumänien nicht selten vorkommcnde Antwort: »gehe nach Hause, behüte dich Gott vor noch Aerge» rem" (!) ES war also dem Hüter der Ordnung noch nicht arg genug, daß die Geschlagenen und namentlich die Frau dcS L. so übel zugerichtet wurde, daß sie bettlägerig wurde. Da die wenigen israelitischen Familien bei der öffentlichen Behörde keinen Schur? fanden, die Schläger aber frei hcrumliescn, so flüchteten die Ersicren nach der Hauptstadt. Tie »Eloile Roumaine" erzählte den Hergang freilich anders. Danach soll »ein Jude", 'der große Unbekannte, engefangcn haben. Derselbe soll in die Kirche von Ursiccni mir nichts dir nichts ciugcdrungcn sein (!) und den Geistlichen während des Gottesdienstes ohne weitere Vorbereitungen insultirt haben. Tie versammelten »Andächtigen" sollen dem großen Unbekannten nachgccilt haben» der »wie durch ein Wunder" entkam. Dieser Vorfall erregte die Menge so sehr, daß sie alle Israeliten, die ihnen in den Weg kamen, schlugen und verfolgten. Dank der »energischen Maßregeln" des llnterpräscktcn und der Intervention der Soldaten wurde die Ordnung bald hcrgestcllt und kein CO »ernstlicher Vorfall" geschah während der Unruhen. »Tic Untersuchung ist km Gauge". So die Darstellung der »Etoile Roumaine". Abgesehen von der inneren Nnwahrschcinlichkcit, daß der Schneider Lazarowicz, der in seiner Stube ruhig arbeitete, zu gleicher Zeit in die Kirche cingcdrnngcn wäre, um bei Hellem Verstände den Geistlichen zu beleidigen, obwohl er nur Einer gegen so Viele in der Kirche gewesen wäre, ist zunächst das stereotype »Entkommen" der israelitischen »Nebclthäter" auffallend, wie ich auch in einem kürzlich berichteten Fall hcrvorhob. Und daß die ganze Darstellung der »Eroilc" erlogen ist, ergibt sich daraus, daß der Geistliche auf Befragen bestritt, daß er beleidigt worden wäre, wie die offiziöse »Elolle", allerdings in Uebereinstimmung mit den Schlägern, behauptet und noch weiter bemerkte, »daß er auch von anderen Israeliten niemals insultirt worden sei." Im Gegentheil er beschützte den L. den ganzen