Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1887)
- Date
- 1887-02-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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190 fremdet zu sein, unter Umständen keine injuriöse sei, vielmehr von vielen tausenden geistig hochstehende» Männer» eine derartige Anschauung freudig vertreten werden dürftet Nachdem der Redner auseinandergesetzt, dast das Indenthum „keine Kirche, keine Heilanstalt sei, cS der Priester und der Dogmen entbehre", sagt er: „das Indenthum habe nur die eine Grundwahrheit (die Existenz eines einzigen Gottes) und kein Dogma, weil auch über diese eine Grundwahrhcit der individuellen Freiheit des Forschens die weiteste Grenze zu gestanden wird." Als Beweis führt der Redner an, dast der Pantheismus aus den jüdischen Religions-Philosophien des MaimonidcS rc. hcrvorgegangcn sei. — Der Pantheismus lehrt bekanntlich, das; Gott und Natur identisch seien, dast cs demnach einen austcrweltlichcn, persönlichen Gott nicht gebe; darnach wären die Lsfcnbarungcn am Sinai, die Wunder beim Anszuge aus Aegypten und beim Zuge durch die Wüste re. gar nicht denkbar; demnach hätten Gebote und Verbote, Lohn und Strafe im Jenseits gar keinen Sinn. To weit will Herr Rabbiner Dr. Blumcnstcin die Grenze der Forschung über die angeblich eine Grundwahrheit des Iudentbums gesteckt wissen!!! Wir geben gerne zu, dast der dem „Luxemburger Wort" entnommene Satz: Herr Dr. Blumcnstcin habe gesagt, er habe keine positive Religion und keinen Glauben, in der Rede sich nicht vorsindet. Wenn er jedoch sagt, dast das Indenthum die freie Forschung bis zum Panthäsmus incl. gestatte, so wirst das ans seine rabbinische Lchnhätigkcit ein eigenartiges Licht. Selbst in der Berliner Resormgemcinde, die in Deutsch» land dem posttiven Irrdcuthum am fernsten steht, die den Sabbat auf den Sonntag verlegt, hat der verstorbene Rabbiner Dr. Holdhcim fulminanre Reden „gegen den Unglauben" gehalten. Heber den Talmud äußert sich Herr Dr. Blumcnstcin wie folgt: „Der Talmud ist nur ein Werk archäologischer Forschung und hat durchaus keinen kanonischen Werth." Herr Dr. Bl. gibt ench den Grund an, warum er und seine Gcsinnungsgcnonen sich nicht taufen lassen. Tie betreffende Stelle lautet wörtlich: „Dast die Juden der neuen Religion nicht folgen konnten, und nicht können, das kommt daher, dast die Tochtcncligion eine Richtung cingcschlagen, welche den allltstaurcntlichtn Gottesbegriff völlig aushcbt, dem einzelnen Israeliten seine individuelle Freiheit und religiöse Selbstständigkeit benimmt und ihn unter die Vormund- und Minlcrschaft eines Priesters stellt." Wir glauben kaum, daß cs in Deutschland eine israelitische Gemeinde gibt, welche in ihren religiösen Anschauungen so weit „fortgeschritten" wie der Rabbiner von Luxemburg. Wir gratuliren Herrn Dr. Blnmeustein zu dem großen Erfolge, deu er errungen. Zeitungsnachrichten und Corrcspoudenzen. Deutschland. St. Ingbert. Am 25. Januar feierte das Ehepaar Wolsgang Kahn das Fest seiner goldenen Hochzeit. Dasselbe zählt zusammen 144 Jahre: Herr Kahn 73 und Frau Kahn, eine geborene Leer von hier, 71. Sechs Kinder, welche sich in angesehenen und günstigen Lebensstellungen befinden» und 18 blühende Enkel feierten das frohe Fest mit. Doch dasselbe reichte über den Nahmen eines Familienfestes weit hinaus; denn an ihm nahm die ganze hiesige israelitische Eultusgemeinde, deren langjähriger Vorstand Herr Kahn ist, den lebhaftesten Antycil. Ader auch bei unserer bürgerlichen Gemeinde ist der Jubelrag des Herrn Kahn nicht mrvcrmerkt vorübergcgangen. Denn nicht allein, das; Herr Kahn schon seil 25 Jahren thätiges und rühriges Mitglied dcr Stadtverwaltung ist und gleichzeitig dem Tistriktsrathe als Ausschußmitglied angehörlc und in beiden Korporationen stet» das Beste rnm Wähle des Ganzen anürebte, — in hochherziger Weise vcrnrachte er dieser Tage aus Anlast seines goldenen Hochzcitsestes für die hiesigen Orts armen ohne Unterschied der Eonfcssion das ansehnliche Geschenk von 300 Mark, die am Jubiläumstagc vertheilt wurden. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Pesth, 26. Januar. In der heutigen Sitzung des Abgeordrictenhauscs ergriff der Ministerpräsident Tiszä das Wort zu einer längeren Rede. Auf die antisemitischen Redner rcffcctirend, weist der Ministerpräüdcnl die Insinuation zurück; als ob er jemals die gleichen Ansichten Mhcilt hätte, und weist vielmehr auf seine in den Sechziger-Jahren erschienenen journalistischen Arbeiten hin, in welchen er stets die Ucbcrzcugung verfocht, daß die israelitischen Bürger Ungarns nicht zurückgestoßen werden dürfen^ dast vielmehr alle Hindernisse beseitigt tverdcn müssen, welche einer Verschmelzung im Wege stehen (lebhafte Zustimmung); denn wenn auch nicht im Allgenreinen gegen die Juden, aber gegen einzelne ihrer Angehörigen, gleichwie gegen einzelne Mitglieder anderer Eonsessioneu Vorwürfe erhob«