Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1887)
- Date
- 1887-02-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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192 Weg, daß er endlich nach Hause gelangen konnte. Die ganze Darstellung der „Etoilc Roumainc" wird aber sehr bald klar werden, wenn ich sage, daß diese Aukarester französische Zeitung das Organ des Ministers des Auswärtigen ist. Natürlich muß darum die Schuld auf den angeblichen Juden geschoben, die Negierungsorgane aber, die in Rumänien ausschließlich die Anstifter der Judenverfolgungen sind, sie muffen dem Ausland gegenüber als musterhaft dargestellt werden. Ties ist ebenfalls ein Theil der offiziösen und offiziellen Wahrheit in Rumänien. — WaS im rumänischen Abgeordnetenhause für erleuchtete Ltöpfe „tagen" und was darin alles im hohen Denken in Bildung und Wahrhaftigkeit, namentlich aus Rechnung der Israeliten geleistet wird, mögen Sie ans nachstehender kleiner Probe aus einer „Rede" des in Rumänien berüchtigten Antisemiten Butkulesku entnehnien: ..Seitdem, meine Herren, habe mir im (Gedanken vorgenommen, die Bildung der korporativen (Arbeiterbczw. Handwerker-) Gesellschaften auf einer breiteren Basis zu bewirken. Ich gab a ll en im Lande etablirten Ausländern das Recht an der korporat. Gesellschaft theilzunehmen und verweigerte den Israeliten die Aufnahme, weil sie 24 exklusive Vereine besivcn(?) niit Zwecken, die auf „ihren religiösen Glauben" gegründet sind. Ich habe die Israeliten nicht ausgenommen, weil sie reiche Gesellschaften (?) haben, welche „ihre" affoziirten (?) Handwerker durch Geldprämien ernmihigten (?), die ihnen erlaubten „unseren" Handrverkern eine nnloyalc (?) .Konkurrenz zu bieten. Ich habe sie nickt ausgenommen, weil das Land von „zionistischen" Vereinen wimmelte, welche unter anderen „ebenfalls" exklusiven Zwecken auch den hätten, daß die Mitglieder vier Monate im Jahre nur dasjenige Vrod, Fleisch und „sonstige" Sachen verbrauchen sollen, welche den Siegel des Ortsrabbiners tragen.(!!!) Diese Vereine handelten und handeln noch heute in derselben ^exklusiven" Weise und darum (weil sie „koscher" egen!) verschwinden „unsere" Handwerker und werden durch jüdische ersetzt." (Die schon in großen Massen — nach Amerika anSgewandert sind!) Solch' mittelalterliche Verschrobenheit wird in der neuzeitlichen rumänischen „Bcstcn"- Versammlung, dem Abgeordnetenhause nämlich, zum Besten gegeben. Natürlich ist alles, was der Volkstreter Butkulesku faselt, lächerliches Zeug und seine ganze Weisheit ist nichts weiter als blühender Unsinn, vor allem antisemitischer Fanatismus. Erlogen ist sogar, daß die „exelusiven" Vereine nur „vier Monate" im Jahre essen, was der Rabbiner gutheißt. Es ist nicht wahr, die rumänischen Israeliten sind sogar so „erclusiv" das ganze Jahr koscher z» essen, nur scheint der hochweise Herr nicht zu merken, daß er selbst so exclusiv ist, als Christ jahraus jahrein das zu essen, was sein Geistlicher jeden ersten Dag des Monat? mit Weihwasser besprengt. Was die 24 israelitischen Gesellschaften anbetrifft, so ist es leider Ironie, denn vor Allem ist bei den rumänischen Israeliten von Einigkeit keine Rede und dieser Umstand gerade hat auch ihre politische Lage ans dem Gewissen. Sodann aber hat es Handwerkervereine oder andere Vereine zur Unterstützung solcher, namentlich mit Prämien ic., nie gegeben. Wahr ist es freilich, daß wohl ’/* der rumänischen Handwerker Israeliten waren, aber jeder für sich und sie sind derart verarmt, daß sie seit 1881 jedes Jahr zu Hunderten auswandern. Es gibt nur noch »ranken- und Begräbniß-, Bildungs-, Romanisirungs-, Schul- und andere Wohlthätigkeilsvereiue und diese funklioniren schlecht genug bei dem Mangel an Eintracht. Tie Rede des Butkulesku war eben blos darauf zugefchuitten sich wegen der Uutcrfchlcife weiß zu waschen, die er bei seinen korporativen Gesellschaften sich zu Schulden kommen ließ. Tenn sein eigentlicher Zweck, als er sich um die Gründung derselben „verdient" machte, war. etwa 40,000 Franks Vcrcinsgclder in seinen eigenen Sack;» stecken, was ihm in ein paar Jahren auch gelungen ist. Zur Reinigung von allen Sünde» aber genügt in Rumänien mit „patriotischen", d. h. antisemitischen Phrasen zu dcbütiren. Wir können den Butkulesku zu den anderen Antisemiten legen. England. London. Der hiesige berühmte Portraiimaler Mr. B. S. Marks hat soeben ein Bild vollendet, das aller Wahrscheinlichkeit nach in die Reihe der inrcrcnantcstcn bildlichen Illustrationen der Geschichte der Gegenwart gehört. ES ist ein lebensgroße? Portrait des Lord Ratbaniel Mayer Rothschild, wie er den Eid im Hause der Pairs leistet. Das Parlamentsmitglied Mr. Lionel Louis Eohen hat es auf seine 6 osten malen lassen und wird es dem Verwaltuugsrathe der Vereinigten Synagogen Londons dieser Tage überreichen. Es soll dadurch die Zulassung des ersten israelitischen Pairs zum Oberhause verewigt werden. Für das Judemhnm ist das Ereignis; von unzweifelhafter Wichtigkeit, aber es ist auch von hohem Interesse ün Zusammenhänge mit dem Fortschritte der Religionsfreiheit in England. Ter Vorgang machte f. Z. am S. Juli 188s