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Der Israelit · 1887-02-07 · Heft 11 (7.2.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 11 (7.2.1887)
Date
1887-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gewanderten Falaschas seine Aufmerksamkeit zuwenden und ihr religiöses und häusliches Leben ftudircn würde. Und doch verdienten dieselben, daß sich nicht nur die Juden, sondern auch die wissenschaftliche Welt im Allgemeinen mir ihnen, den Enkeln eines vor mehreren Jahrhunderten aus Arabien nach Abcssynicn eingcwandctten, jüdischen Stammes, beschäftigen würden. Tie wenigen Falaschas, die hier leben, sind von kaffeebrauner Farbe, und sprechen sie fast durchwegs das sogenannte Ge;, eine Abart dcS Amharischcn, der allgemeinen Sprache der Abcssnnicr, was eine Verständigung mit ihnen fast unmöglich macht. Zwar haben sie sich hier schon einige arabische und italienische Phrasen eigen gemacht, zu einer, wenn auch nur kleinen Konversation reichen dieselben jedoch nicht aus. Das Fleisch, welches sic speisen, kaufen sie immer bei den mohamedanischen Fleischhauern, da die Moslims bekanntlich gleichfalls eine Art religiöse Schächtung haben. Sic verrichten zwar am Sabbat keine öncntliche Arbeit, aber in ihrer Behausung geben sie sich den verschiedensten Beschäftigungen hin und kochen sic und backen sie da ganz so wie an einem andern Tage. Sie _ tragen gewöhnlich einen Turban auf dem Kopfe, dann ein blaues Hemd und ein eben solches Beinkleid, das jedoch kaum bis zu den Knien hinabrcicht. Ihre Frauen tragen nur ein langes blaues Hemd und ihre Kinder nur ein kurzes blaues Beinklcidchcu, oft aber auch dieses nicht. Tem italienischen (Gouverneur theilten sic vor Kurzem mit, daß nächstens noch mehrere ihrer Glaubensbrüder hichcr kommen werden, da sic ihre Kinder hier ein Handwerk erlernen lasten wollen. Sic freuen sich, das; sie nun hier unter italienischem Schutze leben können und nicht jeden Augenblick fürchten muffen, von einem wilden Abcstnnicr niedcrgcnochen zu werden. Tic italienischen Behörden ihrerseits kommen diesen Armen stets hilfreich entgegen: leider kann man sic nur zu groben Handarbeiten verwenden, da sie kein Handwerk, wenigstens im europäischen Sinne, erlernt haben. Tie Alliance in Paris haue hier ein schönes öScbict für ihre fegemveudende Wirksamkeit, wenn sie für diese Armen hier in Maisauah eine Haudwerkerschule errichten würde. Dieselben würden sich einen anständigeren Brodcrwcrb erschaffen und könnten dann auch als Apostel der Zivilisation und Eultur zu ihren in Abesinnien gebliebenen Brüdern zurückgcsckickl werden. Eine solche Haudwerkerschule würde aber nicht nur den Falaschas sondern auch unseren uns gegenüber an der arabischen Küste in Hodcidc, Mokka, Lolnio etc. wohnenden Glaubensbrüdern, bei denen gleichfalls eine große Ignoranz und ein großes Elend Hausen, zu Gute kommen. $ Mi i I I e t « n. Michael. Erzählung von S. Kohn. Verfass» von Gabriel. (Fortsetzung.) Siebenundzwanzigstes Kapitel. - Lorenz hatte kaum das Zimmer seines Vaters verlassen, als das Tienstmädchen an _oic Thür klopfte und als der Bürgcrlneister diese öyncte, den. Kerkermeister Johann Mostrich, den seine Gestrengen hcrbcfohlcn hatten, meldete. „Soll hcreinkommcn!" erwiderte Golzinger, nahm in dem gcvolstcrtcn Lehnstuhle Platz, griff rasch nach der langen türkischen Pfeife, die in der Zimmercckc stand, setzte mit Stahl und Stein einen Zündschwamm iu Brand. _ Grill aufmerksamer Beobachter hätte erkennen münen, daß seine Hände bei diesen Verrichtungen zitterten, und daß er sich vergeblich bemühte, das Bild eines behäbigen, scclcnruhigcn Mannes darzustellen. Bürgermeister Golzinger rhat eine Weile, als wenn er trotz der Anmeldung, in der Zerstreutheit das Eintreten des Kerkermeisters nicht bemerkt hätte. Tiefer war ein Alaun von etwa zwei, drciundfünfzig Jahren, und sah in der That so aus, wie man sich einen Kerkermeister vorstellt, wie solche in den Büchern gcschildcrr werden: groß, stämmig, drcitsckmlrerig mit einem düstern, menschenfeindlichen Gesichte. Sein Haar war stellenweise schon ergraut und hing in die Stirne hinein, so daß diese niedrig anssah, ohne es wirklich zu fein. Seine buschigen Brauen stießen über kleine, schwarze, tiefliegende, tückisch blickende Augen, über der Nasenwurzel aneinander, die Wangen und die kurze, dicke Nase trugen jene krrpsrigc Färbung, welche in der Regel eine Folge übcruiäßigcn Trinkens ist. Tie blaffen, blutlosen Lippen waren im Berhältnist zu dem großen, plumpen Gesichte schmal, so daß der Mund nahezu ganz unter dem struppigen Schnurrbarte verschwand. Joban» Mostrich war, bevor er vor zwanzig Jahren sein Amt als Kerkermeister in W. angcrreren, Grcnadierkorvoral gewesen. Bei seinem Ucbertritie aus dem Mikilärin den EivilstaatSdicnst. Hane er sich als Zeichen seiner neuen Würde, zu dem Schnurrbarte noch einen Backenbart zugelcgr. — Sein lang verabreichender, graumelirrer Unisormrock verhüllte seine ganze Gestalt und liest den Beschauer über alle andern Gegenstände seiner Toilette in vollster Unkenntmst; ja es blieb sogar unentschieden, ob seine plumpen, großen Füße mit Schuhen oder Stiefeln bekleidet waren.

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