Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1887)
- Date
- 1887-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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185 maghreibnische (marokkanische) 9iitu« vor, dcm sch auch die Ijicrlcbcnbcn deutschen und französischen Juden freiwillig angeschloffcn haben. Sind wir nun im Leben in drei Gemeinden gespalten — diese Spaltung gereicht zwar der Lissaboncr (Gemeinde weder zum Nüven noch zur Ghre, ward aber durch die lokalen Vcrbältninc hier veranlaßt — so bilden wir im Tode hingegen eine einzige Gemeinde, ein vereintes Lager Israels, da hier nur ein einziger jüdischer Friedhof cxinirt, der keinen Unterschied im Ritus oder der Nationalität kennt. Mazcdoth (Grabsteine) im europäischen Sinne gibt cs auf dem Friedhöfe keine, dagegen befindet sich am Kopfende eines jeden Grabes ein kleiner Stein, der den Namen de« hier in der Grde Schlummernden eingravirl trägt. Auch zwei Ghcbroth haben wir hier, eine GbcbrahKadifcha und eine „Somcch-Noflim" Ghcbrah. Letztere sucht ihre Hauptaufgabe darin, arme Kranke, dann Wiltwcn und Waisen, die der Hilfe bcnörhigcn, zu unterstützen. In politischer Hinsicht werden wir nur als Frcuide und Geduldete betrachtet, und genießen wir daher weder irgend welche municipale oder staatliche Nechte. Tic Lasten des Staates und der Stadt muffen wir jedoch wie wirkliche Portugiesen tragen. Unser König, Tom Luis, ist zwar' sehr liberal und tolerant, und auch die Behörden kommen uns aufs Freundlichste und Liebenswürdigste entgegen, leider ist unsere Anzahl hier zu gering, als dag sich die Negierung und die Kammern ernstlich mir der Verbesserung unserer politischen Stellung hätten beschäftigen können. Ter Unterrichtsministcr kümmert sich nicht im Geringsten um n::scre Schulen, und ist unsere Jugend daher in Betreff ihrer Ausbildung, sowohl der religiösen, als auch der weltlichen, nur auf den Privatunterricht angewiesen. Indcst kümmert sich auch denen (5ollege. der Kriegs- Minister, nicht im Geringsten um unsere Jugend, und wird dieselbe daher nicht -um Waffendienste hcrange,zogen. Nack maghrebinischem Gebrauche beren wir mir ein Mal in, Jahre und zwar am Vorabende des Versöhnuugstagc« für unser« König und unsere Königin Maria Pia, eine Schwester de« Königs Humbcrr von Italien. Gebetbücher, Talcsnm, Tcpdlllm x. beziehen ww ans Tanger. Tcnran oder Äogador. den goldenen oder silbernen -schmuck für unsere Thorarollen hinwieder au« Gibraltar oder London. Bon Zeit zu Zeit werde ich dem „Israelit" Verschiedenes au« unserem Gcmeindelcbcn melden. 3k u ß l a n d. Ta» Verbot Inden in Noiariats-Gomptoircri anzustellcn, hat der „Now. Wr." -ufolge im Süden Rußlands zu verschiedenen Wirren Veranlassung gegeben und Mistlichkciren yervorgerufen. Im Bezirk des Ldcffacr Gerichtshofs z. B. dienen über 300 Juden in NorariatS-Gomptoircn und spielen, wie es sich jetzt erweist, in der Thätigkeit dieser Gomptoire eine sehr wichtige Rolle. Die meisten Notare erklären cs für unmöglich, in kurzer Zeit ihr jüdisches Personal durch Christen zu ersetzen, und sic haben deshalb zuständigen Orts darum nachgcsncht, das; ihnen eine Frist von einem Jahre bewilligt werden möge, um die erwähnte Verordnung in der Praxis durchführen und ihre neuen Beamten an den Ticusi gewöhnen zu können. Amerika. Lonisvillc. Bor Kurzem starb dahier Hen Nathan Bloom, einer der angesehensten hiesigen Kanfteute. In Dalheim, einem Städtchen in Hcffcn-Tarmstadt. geboren, wandcrte er 1848 nach den Bereinigten Staaten aus, woselbst es ihm gelungen ist, ans kleinen Anfängen ein großes Vermögen li Million Dollar«) zu' erwerben. Aber 3kathan Bloom war nicht nur ein unternehmender, erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein großgesinnter Bürger, der viel für das Wohl der Stadt gcthan hat, und dessen Ableben viele Arme be- .klagen werden. Bor zwei Jahren hatte er die Freude, daß der Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei 3ihcin ihm in einem Handschreiben zu seinen großen Gefolgen im Leben gramlirte. Abesfynien. Massauah. Unsere Insel, die das Seethor von Avcnrinicn bildet, ist zugleich auch der Hauptlitarfr für den Verkehr dieses Landes mit den überseeischen Speichen. Wer daher, übcrS Meer kommend, nach Abcichnicn gehen will, muß unsere Stadt passircn, und haben daher auch die meisten europäischen Scestaalen hier ihre Gonsulen. Unser Bazar bildet eine Musterkarre aller an den Gestaden des Mittelländischen und des 9kochcn Meeres lebenden Völkerschaften. In neuester Zeit und zwar seitdem die Italiener von unserer Insel, die frühst zu Ggyptcn gehörte, Besitz genommen haben, ist nun noch ein neuer Menschenschlag hier anfgctaucht; cs sind die Falaschas. Dieselben kommen nämlich vom adcnnnischen Fcstlandc herüber, um sich hier als Handlanger, iLtraßenkehrcr, Schisssziehcr oder Lastträger zu ernähren. Ta sich in unserer Stadt wenige europäische oder arabische Juden befinden, die fast durchwegs Kauflcule sind und daher keine Zeit haben, sich mit crhnograpischen Studien zu beschäf-. ligcn, so findet sich hier Niemand, der diesen ein-