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Der Israelit · 1887-02-03 · Heft 10 (3.2.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 10 (3.2.1887)
Date
1887-02-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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nagoge mit einem eisernen Halsbande umschlossen. „(Fs war gerade um die Minchazcil", schrieb Maimon an Mendelssohn, „Wilna ist nicht wie Berlin, wo nur wenige Leute in die Synagoge gehen. Tausende von Menschen strömten herbei, und jeder spuckte vor mir aus, bis daß der angchäufte Speichel einen kleinen See bildete." — Soweit der angebliche Brief Maimons. Es ist jedoch an.zuuchmcn, daß die ganze Geschichte ans Erfindung beruht. Möge das vorliegende Buch zur Ehrenrettung des Philosophen beitragen, der zwar viele Fehler hatte, aber niemals so schlimul war wie sein Ruf. Außer den bereits erwähnten Philosophen werden noch Fichte und Schclling ausführlich behandelt. Ter Verfasser stellt uns noch einen zweiten Thcil in Aussicht, welche der Philosophie Hegels und dessen Nachfolgern und Gegnern gewidmet fein soll. Wir können das vorliegende Werk allen Freunden der hebräischen Sprache im Allgemeinen und der philosophischen Forschung im Besonderen auf dos Beste empfehlen. Es ist um den Preis von -r Mark von dem Verfall er zu beziehen. Zeitungsnachrichten und (5orrcspondenzen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. Dr. Armin Reich, Ritter des Franz-Joscphs-Ordcns, hanplnädtischcrRcpräscntant, Viccprässdent der „Eoncordm" Ausschuß- und Ehrcnniitglicü vieler jüdischer und nichtjüdischer Vereine und Körperschaften. Verwalrungsrath der Verlagsgcscllschaft „Athenäum", Gründer des Sträflings- NntcrstützungS-VcrcinS re. re. ist letzten Sabbat, 76 Jahre alt. nach langem Leiden hier gestorben. Dr. Reich war die Gute selbst, und betrieb die Wohlrbängkeit im großen Style. Er war der erste Sammler unserer Stadt nnd stets gabs eine oder die andere Kollekte, da er fort und fort Geld bcnörhigte, um den Hilfsbedürftigen nach Möglichkeit helfen zu können. Tenn die Devise dieses edlen Menschen war: Geben, geben und immer wieder geben! Bei seiner wahrhaft imposanten Leichenfeier, bei welcher ganz Pcjty anwcscno gewesen, gab's em Klagen und ein Weinen, wie dies selten vernommen wird. Es wird ja ohne Unterschied der Eonfcssion, des Standes und des Alters von Iedervlann der gute Doktor als der „Sradtvatcr" betrachtet und deßhalb innig und wahr betrauert. Möge er in Frieden ruhen! D. H. S. Frankreich. Paris. Die Budgctcommission hat den Credit für das Rabbincrscmiuar mit 22000 Fr. bewilligt, hoffentlich wird dies auch seitens der Kammer geschehen. Bayouue. Am 5. Januar starb unser Oberrabbiner Herr Samuel Marx im Alter von 70 Jahren. In Dürkheim (bayr. Pfalz) geboren, bekleidete derselbe sein hiesiges Amt über 40 Jahre. Nunmehr sind von den acht Oberrabbinaten in Frankreich drei vacant, Bordeaux, Lille und Bayonne. England. London. Die Verwaltung des British Museum wird gleichzeitig mit der „Englisch-jüdischen historischen Ausstellung" eine Sammlung verschiedener jüdischer Gegenstände, die sich in den verschiedenen Departements und Sammlungen des MufeumS befinden, ausstcllen. Tie gegenwärtige Anzahl der hiesigen Juden wird auf 50,000 geschätzt. Feuilleton. Michael. (Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Scchsundzwanzigstes Kapitel. Der Herr Bürgermeister Dominik Golzingex war zur gewohnten Stunde aus feiner Wohnung ins Amt gegangen, hatte vor Allem den Bericht des Gerichrsdicncrs entgegcngcnommen, hatte aber sonst in seinem Bureau den Amtsgeschäftcn wenig Aufmerksamkeit zugcwendet. Er sei heute nicht vollkommen wohl, hatte er zu dem Rathe Wcckclsbach gesagt; er müsse sich entweder eine heftige Erkältung oder Indigestion zugczogen haben, und er wolle sich daher etwas früher zurückzichcn. Man mußte seinen Worten Glauben schenke,:, denn er sah in der That schrecklich aus; seine Gesichtsfarbe war aschgrau geworden, seine Augen erschienen matt und glanzlos und waren von blauen weiten Ringen umrandet, feine Lippen violett. Bürgermeister Golziuger Verließ daher gegen seine sonstige Gewohnheit schon um halb zwölf sein Bureau, um nach seinem, dem Amtsgebäude gegenüberliegenden Wohnhause zu gehen. Sonst pflegte er stolz, gravitätisch, hoch erhohcneu Hauptes die kurze Sttecke zurückzulegcn. Heute schlich er ge-

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