Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1887)
- Date
- 1887-02-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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172 senkten Kopfes und Jedem, der ihn aufmerksam beobachtete, hätte die Ungewöhnlichkeit seines Gehabcns, die Unglcichartigkeit feiner Gangart auffallcn müssen. Bald eilte er raschen Schnur« vorwärts, als könne er nickt erwarten, seine Wohnung zu erreichen; bald blickte er sich erschreckt um, ob sein eiliges Haften nicht bemerkt würde, auffallend erscheine, verlangsamte wieder seinen Schritt, warf den Kovf in den Nacken zurück und zwang ein heiteres Lächeln auf seine Lippen, das zu seinen harten Zügen nicht paftte. Endlich war er in dem tflurc seines Hauses angclangt. Nun stürzte er athcmlos die Treppe hinauf und rief: „Ist Lorenz zu Haufe?" und da die Frage verneint wurde, sandte er sofort das Dienstmädchen in das Lffiziers-Eafehaus, wo man Lorenz um diese Zeit vermuthcn konnte, ihn sofort zu seinen Bater zu rufen. Golzingcr konnte vor Ungeduld dessen Ankunft nicht erwarten und trat von Zeit zu Zeit ans Fenster um zu sehen, ob Lorenz schon in Sicht sei. Als dieser endlich ins Zimmer trat, war sein erstes Wort: . „Ist der Lump schon verhaftet, liegt er schon in Ketten im Kerker?" Golzingcr fuhr wülhend auf ihn los und rief, vor Zähneknirschen und vor Wuth fast unverständlich: „Freilich habe ich ihn verhaften lassen; — aber Tu hast mir da eine saubere Suppe cingebrockt! Herr Gott im Himmel! Wenn Dich nur nicht der Teufel in Deine Vaterstadt zurückgefnhrt hätte, wenn Dich der Donner in Pcsth oder sonstwo zehntausend Klaircr tief in die Erde verschlagen hätte! .... Vor Allem — warum hast Tu Dich nicht mehr um Deinen angeblich erschlagenen Spießgesellen gekümmert? Wodurch kannst Du den Beweis erbringen, daß der Jude in der That einen Menschen erschlagen, wenn das Oorpns delicti fehlt? Ich habe sofort zwei verläßliche Männer auf die Landstraße geschickt, von einem Todtcn war keine Spur und auch in den umliegenden Dörfern hatte Niemand eine Leiche auf der Straße liegen sehen." „Dann hat der schlaue Jude sie rasch bei Seite schaffen lassen." „Alberner, sinnloser Mensch! Mchael Klein hat etwas Andere« zu thun gehabt; als sich um den angeblich Erschlagenen zu kümmern. Aron Brack, sein Wohlthärer und zweiter Vater, ist nach Michael« Ankunft, wahrscheinlich in Folge des Schreckens plötzlich gestorben, feine Psicgeschwester und Verlobte ist plötzlich tödtlich erkrankt. — Die Wahrheit ist: Dein Komplice ist gar nicht getödtet, er ist nur von dem wuchtigen Hiebe des Riesen betäubt worden. Er hat es, als er zur Besinnung erwachte, mit Recht als das Vernünftigste befunden, sich aus dem Staube zu machen. Also: Deiner Anklage gegen Michael Klein fehlt jede Unterlage, sie zerfällt in Nichts! Ich würde mich höchst verdächtig machen, wenn ich auf Deine uncrwiescne und unerwcisliche Behauptung hin gegen Klein eine Untersuchung führen wollte. Ter schlaue Fuchs, Rath WcckclSbacher, der mich schon lange gerne an« meiner Stellung gedrängt und meinen Platz eingenommen hätte, wäre tm Stande hinter meinem Rücken eine Tenunciarion an den Appellationspräsidentcn nach Brünn zu senden." „Herr und Gott! Wenn Du Michael Klein auf freien Fuß setzest, ist mein Leben keinen Schutz Pulver wcrth, der Mensch wäre im Stande mich auf offener Straße zu tödtcn." „Wenn ich Dich auch nicht mehr als meinen Sohn lieben kann, muß ich doch Deinen Hcldcnmuth als Krieger bewundern," ironisirte Golzingcr. „Elende Schandseele! Schämst Du Dich nicht in Deinen Hals hinein, als Offizier den Tod durch einen unbcwehnen Mann zu fürchten?" „In hcldcnmüthigem Kampfe zu sterben, ist ehrenvoll: aber meuchlerisch von der Hand eines racheschnaubendcn Juden zu fallen . . . „Phrasenheld!" höhnte der Vater .... „Ich befinde mich in einer höchst fatalen Lage. Ich mutz cs verhindern,, daß Michael Klein vor ein Richterkollcgium kommt. Während man ihm nicht das Geringstebeweisen kann, wird er gegen Dich begründete Anklagen erheben. Ta Du Offizier bist, müßte da« Eivilgerichl die Akten an das Regimentskommando abtreten, dann, bist Du rettungslos verloren! Und ich kann ihn ja, wenn die Untersuchung gegen ihn nicht eingeleitet werden soll, nicht länger in Hast lassen." „Vater, könnte man den Menschen nicht im Kerker umbringen? cs könnte ja dann heißen, er habe sich au« Furcht vor der Strafe entleibt! Ick ließe mich's mein halbes Vermögen kosten; — mrnn es gar nicht ander« ginge, würde ich den gefesselten Mann selbst mit weinen eigenen Händen erwürgen!" „Einen gefesselten, wehrlosen Mann erwürgen! Das wäre eine Thar, eines solchen Helden wie Tu cs bist, würdig. Aber Dein hölliicher Plan ist nicht ausführbar; und war' er's. ich würde die Unthat verhindern! Das wäre nicht schlecht, wenn - ich um eines solchen Sohnes willen, ei» solches