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Der Israelit · 1887-02-03 · Heft 10 (3.2.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 10 (3.2.1887)
Date
1887-02-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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170 machende Mann hatte das Streben, sich mit der Komischen Philosophie vertraut zu machen. Da wurde Solomon Maimon von einigen jungen Leuten ersucht, ihnen Vorlesungen über die .Kritik der reinen Vernunft zu halten. Maimon halte bis dahin noch nicht ein einziges Wort von Kant gelesen; trotzdem nahm er den Antrag an, und so lernte er lehrend das System kennen, welches von da an den Inhalt seines Denkens und Forschcns ausmachcn sollte. Ta Salomo» Maimon und seine Werke derart in Vergessenheit gerathcn sind, daß nicht einmal die großen Eonversalions - Lcxica von Lrockhaus, Meyer 2c. derselben Erwähnung thun, so wollen wir hier die vorzüglichsten Schriften des mit Unrecht vergessenen Philosophen namhaft machen: I) ein in hebräischer Sprache verfaßter Eommentar aus den Moreh Nebuchim von Maimonidcs unter den Namen rrvcn ryz: (Berlin 179«»), 2) Grundsätze der Arithmetik (noch ungedruckt), 9) eine deutsche Ucbcrsetzung der Geschichte der Juden von Basnage, 4) Prinzipien des Wittens (Hamburg 1790). 5) Versuch über die Dransccndcntal-Philosophie (1790), 6) Philosophisches Wotte: buch (Berlin 1791), 7) Heber die Progrcirc der Philosopyic (1793), 8) Streifereien aus dem Gebiete der Philosophie (1793), 9) Versuch einer neuen Logik (1794), 10» die Kategorien des Aristoteles (1794), I I) Kritische Untersuchungen über den menschlichen Geist: austerdem .zahllose größere Aufsätze im Berliner Journal für Aufklärung, in der Berliner Monatsschrift, in der deutschen Monatsschrift, in dem Berliner Archiv der Zeit, im Magazin für Erfahrungsseelenkunde und andere mehr. In jener Zeit, in welcher ein auf der Höhe der Bildung stehender Jude noch etwas Seltenes war, machte sich stets die Bckehrungswmh an dcrankgc Männer. Auch Maimon blieb nicht davon verschont. Maimon pflegte den ihn bekehren wollenden Geistlichen zu entgegen: „Geben Sie sich keine Muhe, hoch-würdiger Herr; ich liebe die Wahrheit über Alles und bleibe ein verstockter Jude." Wir davcn vorhin grsogr. dass Maimon und seine Werke beinahe der Vergessenheit anhcimgefallcn sind; wir können noch-hinzufügen, daß wo seiner noch gedacht wird, das fast nur zum Schlimmen geschieht: so wird in dem Buche rr7; eine amüsante Geschichte erzählt, die auf den Eharakrer Maimons ei» übles Lickt wirst- In einem dort adgcdrucklcn, an Mendelssohn gerichteten Briefe erzählt Maimon das folgende Abenteuer: Er sei von Sehnsucht erfaßt worden, den berühmten Gaon von Wilna kennen zu lernen und. sei dcßhalb donhin gereist. In Wilna angekommen, erfuhr er, daß es für ihn, einen Mann mit glattrasirtem Gesichte, unmöglich sein würde, vom Gaon empfangen zu werden. Aber ein Mann von Maimons Genie wußte sich zu helfen. Er schrieb dem Gaon einen Brief, in welchem er sich für einen italienischen Rabbiner ausgab: denn die Rabbiner in Italien pflegten sich von Alters her den Ban. wenn auch nicht mit dem Messer, fo doch mir der Scheere abzunehme». In Rom, behauptete er, fei von der Regierung eine Disputation mit einem katholischen Geistlichen befohlen worden, deren ungünstiger Ausgang die Vertreibung der Juden aus Italien zu Folge habe» könnte. Daher sei der Schreiber dieses Briefes geschickt worden, um von dem berühmtesten jüdischen Gelehrten der Welt auf 72 Fragen sich die Antworten zu erbitten. Diesem Schreiben legte er fclbstsabricirte Zeugnisse bei, in welchen er als ein gelehrter Rabbiner, der ein Werk über die hebräischen Synonyme geschrieben habe, empfohlen wurde. Das Schreiben rhat seine Wirkung, und er wurde am andern Morgen von Gaon Rabbi Elijahu empfangen. Schweigend hörte dieser die 72 Fragen an. Als Maimon mit der Aufzählung fertig war, sagte der Gaon: Deine Fragen lassen sich in 17 zusammcnfasscn." Und er beantwortete sie, jedesmal hin.zusügcnd, daß diese oder jene Antwort für 4 oder 5 Fragen gelte. Staunend Höne ihm Maimon zu, wagte jedoch am Schlüsse einige Einwendungen zu machen. — „Du hast nicht recht zuzchört". sagte der Gaon; ich werde die Antworten wiederholen." — Und er that es, indem er zugleich alle nur mögliche!: Einwendungen beseitigte. — „Wie ich ans Deinen Schriften entnehme, hast Du ein Werk über die hebräische Synonyme geschrieben, erkläre mir die verschiedenen Ausdrücke der Freude." Nachdem Maimon das gerhan. sagte Rabbi Elijahu: „Du hast das Wort.mr-r vergessen."—„„Das ist in diesem Sinne nicht gutes Hebräisch."" — „Es kommt aber doch im Buche Hiob vor. wo Raschi es als Freude erklärt." — „„Raschi hat es cdcn nicht recht verstanden."" — Aus den Augen des Gaon traf ein zürnender Blick den vor ihm Stehenden. — „Aber die Weisen itii Midrasch erklären das Wort im Buche Hiob ebenso." — „„Tic haben cs auch niajr verstunden,"" sagte Maimon. Da wandte ihm der Gaon den Rücken und ließ ihn stehen. Kaum war der Berliner Philosoph in sein Gasthaus .zurückgekehrt, als die Boten des Beth Diu erschienen und ihn vor das jüdische Gericht luden. Hier wurde er wegen nnchrcrdietiger Aenßerung gegen dir Weisen des Midrasch zur Strafe der Geißelung vernrrhellt und nach vollzogener Straft vor der Thüre der große» Sy-

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