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Der Israelit · 1887-02-03 · Heft 10 (3.2.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 10 (3.2.1887)
Date
1887-02-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVDI. Jahrgang. Erste öettage zu Kr. 10 Les Israelit, Leitender Artikel. . Literarischer Bericht. Geschichte derneuercnPhilofophie.inhcbräischcr Sprache bearbeitet und dargestcllt von! FabiuS Mieses. Leipzig 5647.; Wir haben schon oft darauf hingewicscn, daß die hebräische Sprache nicht als eine todte Sprache in gewöhnlichem Sinne des Wortes betrachtet werden darf. Sie dient noch heute vielen Tausenden von Glaubensgenossen als Verkehrssprache; in ihr l erscheinen eine ganz stattliche Reihe von Zeitungen \ und Zeitschriften; Lehrbücher auf allen Gebieten i des menschlichen Wissens verkünden in den Lauten,! in welchen die Stammväter und die Propheten gc- \ sprachen haben, die Errungenschaften der großen j Denker unserer Lage. Während sogar Romane — : wir erinnern an die Geheimnisse von Paris — l Dramen, wie Nathan der Weise, und andere Er- | Zeugnisse der Belletristik ins Hebräische übertragen | worden sind, hatte sich bisher die Philosophie nicht ' der gleichen Psicge zu erfreuen. Es war dies um j so mehr zu verwundern, da im Mittelalter gerade die jüdischen Denker für diese Wissenschaft der Wissenschaften Großes geleistet hatten. Männer wie Saadja, Gabirol, Aden Esra, Jehudah Hallcvi, Maimonidcs und viele Aridere haben nicht allein j selbstständig bedeutende philosophische Werke verfaßt, es wurden auch die Meisterwerke der Alten j aus dem Griechischen ins Hebräische oder Arabische; von jüdischen Gelehrten übertragen, so daß die Jnj den das Bindeglied zwischen den Griechen und Ara- \ bern bildeten. Ter gelehrte Herr Fabius Mieses \ in Leipzig hat durch das vorliegende treffliche! Werk, diese Lücke in der neuhebräischcn Literatur - auszufüllen begonnen, er hat eine Geschichte der neueren Philosophie in hebräischer Sprache bearbeitet j — ein ungemein schwieriges Werk. Herr Mieses I vcgntni nui K ant, dem Begründer der kriiijchen [ Philosophie. Wer die epochemachenden philosophi- | lchen Schriften Kants durch eigenes Studium kennt, j der weiß, wie schwierig es ist, das System des | großen Denkers in klarer und verständlicher Weise | vorzuführcn. Schon die mancherlei von Kant will- | Irlich geschaffenen und sonst nicht üblichen Ausß drucke und Bezeichnungen philosophischer Materien 1 ssud geeignet den Forscher in Verwirrung zu fetzen. Wir erinnern nun an den Ausdruck ^tra nSc endental", über dessen präcise Erklärung sich seit nunniehr hundert Jahren die Gelehrten vergeblich die Köpfe zerbrechen. Für alle derartige Bezeichnungen mußte das entsprechende hebräische Wort gesucht und gefunden werden. Doch das ist Nebensache im Vergleiche mit den Schwierigkeiten, welche die gemeinverständliche Darstellung des Gedankenganges jenes großen Denkers darbietet. — Am Schluffe der Darstellung der Käntischen Philosophie wird eine Widerlegung der Schoppenhauerischen Angriffe gegen dieselbe angefügt. Dann folgen die Schüler Kants und seine Gegner; Jakobi, Reinhold Fries, Schulze nnd Salomon Maimon.*) Bei Leetcrem, einem Juden, wollen wir etwas länger verweilen. Uebcr dessen Buch: „Versuch über die Transcendeutal-Philosophie" hat Kant selbst sich sehr günstig ausgesprochen. Salomon Maimon ist eine cigcutümliche Erscheinung, wie die Geschichte der Philosophie kaum etwas Aehnliches aufzuweisen hat. Ter genannte Philosoph wurde in einem kleinen Städtchen in Litthauen geboren und, nach der damaligen unter den dortigen Juden herrschenden Sitte,.im kaum vollendetem dreizehnten Lebensjahre verheirathet. Die Kost erhielt er bei seinen Schwiegereltern. Als er eines Tages von seiner Schwiegermutter dabei erwischt wurde, wie er Milch naschte, warf diese ihm den Milchtopf an den Kopf. Das verdroß den noch nicht vierzehnjährigen Ehemann so sehr, daß er davonlicf und bettelnd durch das Land wandelte. So kam er nach Berlin, wo er unter den größten Kümmernisse» und Entbehrungen sich eine vorzügliche Bildung erwarb und noch im jugendlichen Alter als einer der ersten Sterne am philosophischen Himmel leuchtete. Ganz auf sich allein angewiesen, erlernte er nicht nur die deutsche, französische, lateinische, italienische und englische Sprache, er erwarb sich auch große Kenntnisse in der Mathematik, der Astronomie und in den Naturwissenschuftcil und bildete sich zugleich als geschickter Apotheker aus. Interessant ist die Art, wie er mit der Komischen Philosophie bekannt wurde. Es war vor jetzt etwa hundert Jahren, als der Ruf de« großen Denkers von Königsberg die Welt zu erfüllen begann, und jeder auf Intelligenz anspruch- *) Nicht jn venoechsrla mit dem großen, berühmten Marmomde».

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