Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1887)
- Date
- 1887-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Herausgebers, „alle diejenigen Israeliten, die den Schnlchan Aruch nicht im Urtext lesen können- (was nebenbei bemerkt, eine hübsche Anzahl sein muß) „würden auf das Werk abonniren,- sich nicht erfüllen und dadurch auch dieser unter falscher Flagge segelnde Versuch des Antisemitismus vereitelt werden wird. . . . n Zeitungsnachrichten und Correspon-enzen. Deutschland. Berlin, 30. Jan. Dr. A. Sammler, der „Rabbi von Liegnitz-, ist am Sonntag früh plötzlich im Alter von nahezu 80 Jahren an einem Lungenschlagc verschieden. Sammler bestieg 1837 als erster Rabbiner von Liegnitz wieder die Kanzel — 400 Jahre nach der Vertreibung der Juden aus Liegnitz. Noch vor zwei Jahren schilderte er jene Zeit in seinem Roman „Der Rabbi von Liegnitz-, der durch die scharfe Zeichnung der Charaktere, den eleganten Stil und ein tiefes Empfinden sich auszcichnclc und allgemeinen Beifall fand. Auch bearbeitete er die Chronik der Stadl Liegnitz. Tic deutsche llcbcrsctzung der Mischna sollte er nur zu einem Dritte! vollenden, wie uns der Verleger mitrhcilt, wird sie von ariderer kundiger Seile fortgeführt werden. Rührend war es zu sehen, wie in den lcvien Jahren der durch das Alter gebeugte Greis sich allfabbatlich von einem Knaben in die Snnagoge leiten ließ und dort tastend seinen Platz auffuchtc. Rech am letzten Sabbat weilte er im Gottcshausc, zwanzig Stunden später war er nicht mehr. Dienstag findet die Beerdigung statt« nown Bl. Wöllstein, Provinz Posen, 28. Jan. Vielfach wird über den großen Jndiffercntismns unserer Zeit Klage geführt, und das nicht mit Unrecht. Doch dürste ein nicht geringer Thcil der Schuld auf die Männer zurückzuführcn sein, die an der Spitze stehen und dazu berufen sind. durch Wort und That das Bol? 'ans seiner Gleichgiltigkeit aufzurütteln. Wenn die Herrn Rabbiner und Lehrer immer mit warmem Herzen nnd verständigem Sinn Anregung und Belehrung gäben, so würden viele Gemeinden vor geistigem Ruin bewahrt bleiben. Don hier kann ick Ihnen G. s. D. erfreuliche Fortschritte berichten. Das jüd. Leben erhält hier rasche und kräftige Förderung. Nachdem cs unscnn verehrten Rabbiner. Herrn Höxter, gelungen, die — den Gottesdienst zurückzueroberu, so daß Morgens und Abends regelmäßig yja ist, hat derselbe seit sieben Wochen jeden Sabbat Nachmittag vor ni-!5L einen Tyr eingerichtet, der sich einer großen Zuhörerschaft und eines außerordentliche» Beifalls zu erfreuen hat. Und so ist zu. hoffe», daß den drei Grundpfeilern: rvsrs: .Tray mn, wieder eine feste Stätte errichtet wird. — Ter Wohlthätrgkcilssinn unserer Gemciude ist übrigens ei» großer. Von den vielen Vereinen, die hier eristircn. will ich heute nur zwei erwähnen, die in letzter Zeit Generalversammlungen abgehalren, mit denen zugleich Fcstcffcn verbunden waren. Am 1. Tewct erstattete der Verein Moginath Reim, der sich zur Aufgabe gemacht, arme jüdische Kinder zu bekleiden, seinen Bericht. Derselbe zählt 46 Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von je 2.66 Mark. Bisher wurden die Kinder am nvrzn beschenkt. Dieses Mal aber ist man auf Anregung unseres Rabbiners von diesem Modus abgcwichen und hat sie schon zu n:m mn mit warmer Winterklcidung versorgt, und zu nos s. G. w. sollen ihnen Sommerkleider angefcrtigt werden. Beispiele solcher Menschenfreundlichkeit verdienen zahlreiche Nachahmer. Am vzv rrin e**n ary legte die nsnp rran Rechenschaft ab. Nachdem die Feier im ernc-*» rra beendet. fand am Abend ein Festmahl, wobei Herr Rabbiner Höxter in längerer Rede über das rr6*as rax Vr “on sprach, anknüpfcnd an die Talmudsteile: -et-, ra^rra rjnsn yx tj£x T tcx rar. Zum Schluß hob er die segensreiche Wirksamkeit des Vereins hervor nnd weihcte dem Vorstände. bestehend aus den Herren S. Wolfsohns, Äon nnd Kubc für ihren regen Eifer und ihre unermüdliche Hingabe sein Glas. Der Verein zählt 40 Mitglieder. MiloSlaw, 25. Januar. Ein seltenes Fest war cs, welches am 20. d. Mts. in der hiesigen jüdischen Gemeinde gefeiert wurde. An diesem Tage waren nämlich hundert Jahre verflossen, seit die hiesige Ehebra Kadischa ihre Thätigkcit begann. Ern zun, Fasten gelostes Minjan betete Vormittags auf dem Friedhöfe für das Seelenheil der Hingeschiedenen Ebewra-Mitglieder errrrs Nta ht Ihn* 2 Uhr Nachmittags verfammelicn sich dir Mitglieder der hiesigen und der Nachbargemeinden im Hause des ersten Vorstehers des genannten Vereins-Herr» Salo Hirsch. Im festlichen Zuge ging es m die aufs prächtigste geschmückte Synagoge, wo em gut geschulter Chor unter Leitung des hiesigen Lehrers Herrn Max Cohn die Feier durch de» Gesang »An towu“ cinlcitcte. Nachdem die üb-