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Der Israelit · 1887-02-03 · Heft 10 (3.2.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 10 (3.2.1887)
Date
1887-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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163 hier um ein unter falscher Flagge segelndes antisemitisches Unternehmen handle; eine Dcrmnthung, die ich nicht aus diesem Grunde allein für durchaus richtig und zutreffend halte. Ist cs nicht schon an und für sich außerordentlich auffallend, daß rin so löbliches und rühmliches, streng wissenschaftliches Unternehmen, „das sich weder vom Haß noch von Sympathie gegen die Juden leiden lasten will", anonym aunriu? Es ist also ein lichtscheues Unternehmen. Das genügt. Warum werden die „berühmten Fachgelehrten Deutschlands und Englands" nicht genannt, warum stellt sich an die 2pit?c ein Anonymus wie der Tr. v. Pavly, der vielleicht darum sich einer so allgemeinen Unbckannthcit erfreut, — weil er gar nicht cxistirt?! Diese Gedanken drängten sich mir auf, als ich gleich, nachdem ich den Prospekt erhalten, mich auf j den Weg machte, um Herrn Stephan Marugg zu; besuchen. Ter Ehcf des Bnrcan National wohnt! in einem kleinen baufälligen Häuschen und trov seines großartigen Titels beschränkt er sich nebst feiner Familie aus zwei schmale mit wenigen und recht bescheidenem Hausrarh ausgcnattctc Zimmer. Er war gerade damit beschäftigt, j Prospekte zu versenden, die er mit Adrcyen verl sah. Ich sah unter den Adrcffen von verschiedene» Grafen und Gräfinnen auch die Adresse dcs Neichs- I tagsabgcordnctcn Dr. Lieber , der inzwischen den! Prospekt gewiß erhalten hat. Herr Marugg cm-! pnng mich sehr freundlich, geriet!) aber in sichtliche! Perlegeuheit, als ich über die Natur seines Werkes mir Aufklärung erbat. Ich erklärte ihm einfach, j daß man doch nicht hundert Mark — soviel soll | cs nämlich kosten — für ein Werk ausgcbe, wenn l man nicht den Name» der Bcrfaffcr kenne. Daraus - sagte er mir, daß er die gewünschten Namen selbst l nicht wisse, er sei schon verschiedentlich danach gci fragt worden, u. A. von Prof. Müller in Wien; j er habe Dr. v. Pavly um Milthcilung der Namen j gebeten und werde sie, sobald er sie erfahren habe,! gerne nennen. Er legte mir darauf einen zwischen ihm | und Tr. v. Pavly h. t. Präsident des Lrcrerns.Thco- \ logumenon abgeschlossenen Vertrag vor, welcher außer [ nebensächlichen HuifiüüDcn (wie Z. B. das; jedes Mitglied ein Freiexemplar erhalten, Herr Marugg also \ 27 Exemplare für die 27 Mitglieder ablicscru soll) > hauptsächlich hcrvorhcbt, daß Herr Marugg von dem ihm zu übergebenden bereits ganz fertig gci stellten Manuskript der Nebersctzung 2000 Exemplare | onscnigen lassen dürfe und dafür gehalten sei, s hundert Tausend Franken dem Verein Theo- I logumenon auszuzahlen. Nun denke man den Widersinn, einen Vertrag über Hunderttausend Franken mit einem Mann abzuschließen, der augenscheinlich in dürftigen Dermögensverhältnifsen sich befindet. Herrn Dr. v. Pavly, der früher in Genf, jetzt in Bukarest wohne, behauptet Herr Marugg nicht persönlich zu kennen; ja, auf weitere Fragen gab er zu, daß dieser Name — ein Pseudonym sei. — Und doch hat er mit diesem pseudanymen Manne einen Vertrag über eine Summe von Hunderttausend Franken abgeschlossen!! Auf meine weitere Fragen erzählte mir Herr Marugg, daß er von Profession Troguist sei! Wieso er in dieser Stellung sich die Fähigkeiten für seinen neuen Beruf erworben, das mir zu erklären, überließ er meinem Scharfsinn. Ebenso wenig vermochte er eine Erklärung dafür zu geben, warum das Werk nicht öffentlich im Buchhandel erscheine. Er erzählte dann noch, das; das Athcnaeum in London, „das Organ des British Museum" auf 100 Exemplare subscribirr habe, (!) daß er alle Bibliotheken zur Subscription zu gewinnen hoffe, wie denn auch thatsächlich Tr. Granaucr Namens der kr k. Universitäts- Bibliothek in Wien das Werk bestellt habe; n. A. zeigte er mir auch die eigenhändige Unterschrift von Prof. Paulus Eassel unter einem Bestellzettel. Der Mann machte auf urich keinen ungünstigen Eindruck; aber er gab mir das vollkommene Bild eines Sikredaktcnrs, der selbst das, wofür er die Verantwortung übernommen hat, nicht recht kennt und nur eine vorgeschobene Person ist, hinter deren unbekannten Namen sich bekanntere Herren verbergen. Tic Idee ist in der That nicht schlecht und entbehrt jedenfalls nicht der Originalität, mit jüdischem Gelbe ein dem Antisemitismus dienendes Werk hcrauszugeben. Dafür müssen wir aber nach den vorstehenden Ausführungen die geplante Ucberfctzung des Schulchan Aruch unbedingt halten. Das beweist die ganze gchcimnißvolle Veranstaltung, bei der gänzlich unbekannte Personen in den Vordergrund gestellt werden, damit hinter ihrem breiten Rücken die wahren Akteurs sich verbergen können. Die geheimen Fäden , welche durch die Erklärungen des Herrn Marugg ausgcdrck: wurden, leiten einerseits nach London, dem Vorort der Mission, üübercrseits nach Bukarest, dem Hanpthcerd des Antisemitismus, wo Herr v. Pavly vielleicht Mitglied des vom Herrn Jratiano begründeten antisemitischen Vereins ist. Demnach gebe ich mich der Hoffnung hin, daß die im Prospcct ausgesprochene Erwartung des »

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