Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1887)
- Date
- 1887-02-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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I 162 oft nur wörtlich, ganz wörtlich, aber ohne den Eommentar, der das Gesetz erst erklärlich macht und nothwendig dazu gehört, zu übersetzen und unser religiöses Gesetzbuch, die Säule, au der unser religiöses Thun sich eniporrankt, die stets lebendige Quelle der auch von den erbittertsten Judenfeinden nach manchen Richtungen hin zugestandcnc Reinheit und Sittlichkeit unseres Lebens wird znmZcugniß gegen uns, zum Beweise unseres Menschcuhaffes und die religiösen Institutionen des Judcnthums werden der Verachtung oder — das ist das Mindeste — dem Fluch der Lächerlichkeit prciSgcgebcn. Das Judenthum ist kein Produkt der Neuzeit, das Gewand, welches cs trögt und tragen soll ist nicht modern, seine Anschauungen sind der Denkweise des Ehristcnthums durchaus nicht adeauat. Tic religiösen Gesetze des Jndcnthums einem weitern christlichen Publikum ohne die nothwendige Grklärnng zugänglich gemacht, mußten ihm zum Dheil gerade so sonderbar und unverständlich Vorkommen, wie beispielsweise die (Einrichtungen und Zeremonien der katholischen Kirche einem Israeliten und vielleicht auch einem Protestanten. Zoll daher eine lleberfetzung des SchulLan Arnch von jüdischer Seite unterstützt werden, io müßte sie von Israeliten ausgchen, die uns die Gewähr dafür geben würden, daß sic mit der nothwendige» Sachkenntnis', und dem erforderlichen Berständniß auch das nöthige Maaß von Objektivität und Wahrheitsliebe verbinden, »m unser Religionsgescy ohne Entstcllungcu und Verdrehungen und mir dem für jüdische Laien und Nichljndcn zur Vermeidung von Irrthümern uothwend i g e u Erklärungen üdcrsctzen. Was uns aber eine von nichtjüdifchcr Seile ausgehende Ucbenragung von Werken wie der Scknlchan Arnch. die vom Geiste des Talmud getränkt sind, noch ferner verdächtig macht, das in der Umstand, daß mit ganz verschwindenden Ansuahmcn, die durch ihre Seltenheit die Regel bestätigen, Nichtjuden nicht im Stande sind, die vielen Mühen, welche das Studium des Talmud erfordert, zu überwinden und in das Vcrsiändniß desselben einzudringcn; eine Hede rt r a g n n g v o n R i ch r j u d e n a n s g e h e n d w ü r d e getauften Inden auoertraut werden müssen und wie viel EbruÄkcil und Wahrheitsliebe wir von diesen zu erwarten haben, das haben uns Männer wie Pfefferkorn und wie dic BrimannS aller Zerren geheißen haben, zur (genüge gezeigt. Männer, die die ärgsten Verdächtigungen gegen-die indische Religion erfunden haben und am scrndseligsten gegen das Iudenldum ausgetreten sind, um dadurch vergeben zu machen — daß sic in seinem Schooße geboren wurden! Darum war auch, als ich von einer von Basel ausgehenden Hebersctznug des Schulchan Arnch hörte, mein erster Gedanke, daß es die Mission sei, die ne veranstaltete. Basel ist nämlich mit einer Niederlassung „der Freunde Israels" beglückt, die von hier aus ihr „segensreiches" Werk betreiben und natürlich ein Jubclgejchrei erheben, wenn sich in ihren Schlingen einmal ein russisch-polnischer Jüngling fängt, der, nachdem er alle seine Habseligkcitcn veräußert hat. auch noch seine Religion für Geld verschachert. Erst kürzlich erregte es großes Aufsehen, als von dort ans ein Mann mit dem semitisch klingenden Namen: Abraham Moses MiSrachi, genannt Elijahu aus Jerusalem feine Verlobung mit einer jungen Dame aus Zürich anzeigre. Ich hatte mir schon eine« Wagen nach Sr. Ehrischona, der bei Basel belesenen Hochburg der Mission, bestellt, als ich endlich einen Prospekt erhielt — denn während ich schon von Berlin, Wien, dem Haag darüber angcsragt worden war, besaß ich selbst diesen Prospekt noch nicht — und daraus die Adresse des Ehcfs der Unternehmung ersah. Tie Nebersetznng gehr nämlich auS von dem rühmlichst-unbekannten Verein T h e o l o g u m c n o n als dessen Präsident h. t. ein D r. J o h. v. Pavly zeichnet, und der Verein wird unterstützt, „durch die Mitwirkung der hervorragendsten Fachgelehrten Deutschlands und Englands." Als Herausgeber zeichnet Herr Stephan Marugg, der sich den pomphaften Titel „Ehef des Bureau national" beilegt. Der Verein Ddcolognmenon zeichnet mit einem cigenthümlichcn Stempel. In der Mitte über den Namen ein mir Kreuze» versehenes E. Z. und ein Mögen Towid. darüber eine Krone. Ringsherum die Worte: omnia ad majorum dei gloriam (alles zum größcrn Ruhme Gottes) — bekanntlich der Wahlspruch, unter dem die Inquisition einst unsere Väter in Spanien verfolgte und dann folgen die Worte: Tschinn nere charauk Tor Kündfilel Ol«*ho Baldngal in einer mir unbekannten Sprache, (vielleicht im Volapück?) Beigclegt ist eine Probe der lleberfetzung aus allen vier Theilcn des Schulchan Arnch, eine Uebersexung, die von vieler Sachkenntnis zeug:, denn cS werden anßer dem Original auch noch in den zahlreichen Anmerkungen bcnntzt „die Eommcntaricn wie Ture Zahab, Suchte Eohen, Magen-Abraham, Berh-Samuel, Äejroth Enajim, Ehelqarh-Mcchogeg,Peri-Megaddim,Ere:hk-H'phlechi, Mack'tzith-Hascgcl, Bcrh-Mifpar:c." — Mein verehrter Lehrer. Herr Tr. Hildesheimer vennuthcte aus dem dem Jore Dcah entnommenen Beispiel (über die Gelübde) sogleich, daß es sich