Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1887)
- Date
- 1887-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVIII. Jahrgang. M 10. Der Israelit. Ei» Kentrat - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegcbcn von Or. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den 8. Februar 5647 (1887). Leitender Artikel. Zur Warnung. Basel, 31. Januar. l'cy yns b\rro "rorfc Von hier aus wird seit kurzer Zeit ein eigenartiges Unternehmen in die Well gesetzt, vor dem rechtzeitig zu warnen, die Aufgabe der jüdischen Zeitungen ist, damit nicht unsere Glaubensgenossen in der Meinung, ein löbliche« Werk zu unterstützen, ihr Geld für ein, allem Anscheine nach, unserer Religion feindliches Unternehmen hcrgebcn. Nach allen Richtungen der Windrose — wie aus den an den Schreiber dieser Zeilen ans den verschiedensten Gegenden cingelaufenen Anfragen hervorgcht — wurde in den letzten Tagen ein Prospect verschickt, in welchem unter dem Titel „Schulchan Aruch: Gedeckte Tafel" eine mit Erläuterungen und Bemerkungen aller Eommcntare versehene Uebcrsetzung „des Ritual und Gesetzbuchs des Judcurhums" angckündigt wird. „Zum ersten Male," wie der Prospect angibt, würde nun eine solche Ucbcrtragung nicht erfolgen, denn unter Anderem; erschien im Jahre 1838 bereits von einem gewissen ^öwe, einem getauften Juden, in Hamburg eine solche Ucbersetzung, in deren Vorrede er ausdrücklich iagt, er habe sich der großen Mühe der Arbeit nur baiulli unterzogen, uw zu zeigen, wie lächerlich das jüdische Rcligiousgcsctz sei, damit diejenigen, die bisher ohne rechte Kcnntniß der einschlägigen Lenimmungen daran festgehalten Härten, cs unbedenklich verlassen und sich der „wahren Lehre des Heils" zuwendcn möchten. . Man kann sich nach dieser Vorrede, die wcnig- Uens an Offenheit nichts zu wünschen übrig läßt, wohl vorstclleu, mit welcher Unparteilichkeit und Gründlichkeit der Verfasser zu Werke gegangen ist und was für ein judenfreundlicher Geist besonders aus den Anmerkungen, mit dem er feine Uedersctzung erläutert hat, hervorwcht. Warum ich diese Rcminiscenz so weit ausspinne f Weil sic, als ich von der Sache hörte, sogleich iu. meiner Erinnerung ausstieg und ein instinktives Gefühl mir sagte, daß das geplante Unternehmen nicht den harmlosen wissenschaftlichen Zweck verfolge, dessen es sich in dem sehr geschickt geschriebenen Prospekt rühmt. Denken wir uns einmal, daß eine- Bereinigung von jüdischen Gelehrten eine Encyklopädie der christlichen Religion herausgeben wollte, wie würden da die bcthciligtcn Kreise mit Recht darüber entrüstet sein, daß wir über religiöse Anschauungen, für die wir keine Liebe und Verehrung und kein Vcrständniß hätten, ein Unheil abzngeben wagten: wie würde man mit aller Entschiedenheit betonen, daß zur Würdigung einer Religion doch in erster Reihe eine gewisse Pietät erforderlich sei, die man nur bei denen voraussetzen könne, die m diesen religiösen Ansichten auserzogen sind und sie gcwincrmaßcn mit. der Muttermilch eingesogen haben. Man wende nils nicht ein, daßcS sich hier nur um eine winenschaftliche Thal, um eine Ucbersetzung handle. Gewiß brauchen unsere Rcligionsvorschriftcn das Licht der Leffenrlichkeit nicht zu scheue»; wir Jsraciiten wissen wie rein und lantcr unsere Gesetze sind, rcra rra klar und hell wie das!L0Nneulich:, und die Religion uns auch im Verkehr mit Andersgläubigen die höchste Simichkeir gebietet. Aber wir haben an den herrlichen Uebersetzungeu von Justus, Rohling und Konsorten gesehen, wuch weiten Sviclraum den Antisemiten unser religiöser Eodcr bierct. Ta braucht man nur ein scheinbar bedeutungsloses Won wcgzulassen, da darf mau uur einzelne Sätze umstellen, ja, da braucht man