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Der Israelit · 1887-01-31 · Heft 9 (31.1.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 9 (31.1.1887)
Date
1887-01-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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151 Straßcnpolizistcn 5« verstehen gegeben, das; cr vergangenen Sonntag beide Augen ^»gedrückt habe, als er feine Ladcnthüre nur angelchnt, gesehen. <yin dritter wird hart angcfahrcn, weil sein Hof angeblich nicht so hngicuisch rein ist, wie ihn der ganz obersre Gesnudhertsraty in Bukarest haben will, und die Strafe: cr soll ein Lillct kaufen! Einem vierten wird immer wieder das „cS wird dir leid thi:n" in'S (Gedächtnis; zurückgcruscn, — alles Winke mit dem Zanupfalll, die bei den Israeliten ihren Zweck nie verfehlen. Und versucht man cs einmal auch einem „>Hiuiiäitcn" ein Bill et an?,»werfen, so kriegen die gestrengen Herren von der Polizei ihre Antwoii bald weg; oft lautet sic: was, Sic meinen wohl, ich wäre ein „Jude" V (5*ö ist also ausgemacht, daß „der Jude" für die Belustigungen der .(taste der Negierenden und nach ihren Beschlüssen die .(losten aufzubringcn hat. Der Christ gibt irun einmal nichts. Nur auf dem beschricbcncn Wege ist cs möglich die Veraustalinngen .m bewirken und größere Ertragnis c zu erzielen. Tic Israeliten in Stcfancschn aber waren aus freien Stücken auch so zuvorkommend, den große« und kleinen Repräsentanten der hohen Obrigkeit die Säle des Rabbiners zur Verfügung zu stellen, welcher cs voryczogcn bat vor einiger Zeit nach Radautz (Bukowina, Oesterreich) zu überstedcln. Dadurch ersparten die Herren Beamten die 2okalmierhe und brarrchten nicht ihre eigenen Parquetböden zu Schanden zu nampeln.'.Zrun sollte uian meinen, das; nach allen Opfern die Einnahmen des „Wohlthätigkeirsballcs ohne Umcrschicd der .(toufcssion" in der That auch den Israeliten zu Gute kommen müßrcn, wenn auch zu einem geringeren Thcile uud zum Mindesten, das; „der Jude" das Nccht haben soll, von seinem Ballbillct Gebrauch zu machen. Ganz ::ud gar nicht. Tics beides liegt in der Vornahme der Herren Beamten und sonstigen ihnen verwandten Gastgeber niemals. Gewöhnlich, man kann sagen: in allen Fällen besucht der Israelit einen solchen Ball schon selbst nicht; er weiß cs eben, daßcr nicht zu seiner Belustigung arrangirt wurde und zudem ist cr froh von des Tages Mühen und Sorgen am Abend die Ruhe aufsnchen zu können <die Theater in Rumänien sind darum auch nnr am Sonnabend Abend am besuchtesten, daher auch Bcncfizvorstcllungcn vielfach auf diese Albende ttstaesevt werden, weil die Israeliten, vom Tage ousgcrnht, sich die Zerstreuung gönnen.). (5t begnügt sich damit, das Biller zu bezahlen, weil er cs so oder so nun einmal must. Zn dem «^allc aber, von welchem ich erzähle, haben cs ein paar Zsraeliten aus den besseren Ständen wirklich gewagt zu erscheinen, »veil sie, zu einem Thell mit ihrem Gelbe und mit ihrem Gemeindchaufe, meiner Meinung nach, gewissermaßen die Gastgeber wäre« und vielleicht glaubten sie, daß es „diesmal" anders als in der Negel sein wird. Aber da solle« sie schön empfangen worden sein. Nur ein paar „Inden" waren es. aber einer der kleinen Regierer, ein gewisser Haralambin Barcia, Stockrumäne — aus Griechenland, fühlte sich doch bemüssigt auf diese wenigen hinweisend, auszurufen: „Puah, was alles für Iudcnpack sich hier cingcfunden hat. Als ob sie in Palästina oder in Amerika wären!" Amerika ist nämlich seit der Auswanderung das neueste „Vaterland", nach welchem man außer dem Urlandc die Israeliten vcr—wünscht. Der Ausruf ist ein Scitenstück zu dem berühmten: ,Hude, nimm die Mütze ab!", welches der polnische Graf seinem Wohllbätcr zuricf, als er nach der Revolution. von der siegenden Regierung verfolgt, in dem Hanse eines Israeliten Zuflucht fand, der ihm i« jenem Augcnvlicl das tägliche Essen in sein Versteck brachte. Und der,Zudc" war nicht nur Herr in seinem Hause, nicht nur beherbergte cr und beköstigte cr den Flüchtling auf seine kosten, nicht nur sc tzte cr sich der Gefahr aus im Falle der Entdeckung dcS Grafen in Mitleidenschaft gezogen zu werden, er hatte auch gar nicht aus Unchrerbictigkeit die Mütze auf dem .(topfe behalten: Nach seinen religiösen Begriffen hält cr cs für eine Sünde baarhüupt umher.zugchcn. Und wie der Israelit in Polen seine Mütze ausbehiclt, weil cr, in seinem Hause sich befindend, gewohnheitsmäßig handelte^ so haben die paar Sicsaneschticr auch geglaubt in ihrem Hanse und für ihr Geld sich unterhalten zu dürfen. Run, sie haben sich wieder einmal geirrt und werde« sich wahrscheinlich nicht mehr unterstehen zu christlichen „WohlrhärigkeitSbällen 11. f. w." zu gehen. Auch von der Berthcilung der Einnahmen „ohne Unterschied dcrKonscssion" hört man nichts — wie gcwöhnUL. Aber sie werden nach wie vor beitragen, denn man wird ja dazu „gebeten." — Ich habe im Vorstehenden au der Hand eines Beispiels die Regel gegeben, wie sie unabänderlich ist. Ausnahme« hat fretlid) jede Regel, 'alfo auch diese und selbst in Rumänien. Ter Unterschied ist nur, daß hier die guten Ausnabmcn so selten Vorkommen, daß sie gar nicht mirgezählt werden können und dann habe« sie noch iulmer einen Hintergrund, der de« scheinbar guten Willen „der herrschenden Nation" wcnh'os macht. Wen« Sie also irgend einmal von einem christlichen Ball zu Wohlthäligkcitszwccken „mit und ohne" hören werden, der in Rumänien stattgefunden hat, so werden Sie wissen, was Sie

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