Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1887)
- Date
- 1887-01-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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152 davon zu halten haben. Selbst ein nachträgliches Dementi oder eine Richtigstellung zu (Knusten der (Gastgeber ändert nichts daran. Denn die Beschönigung ist ebenfalls „erberen", wie z. L. der „Protest" gegen die Interpellation Worms. In Rumänien in ü f f c u die Israeliten aus „Gefälligkeit" Lielcs thun. Feuilleton. tzine jüdische Forschungsreise in Arabien.*) (Fortsetzung.) Iriitcr der beiden Scherifc, der ein Freund einer gut besetzten Tafel war und daher wahrscheinlich von der Angst geplagt wurde, dast er bei seiner Ankunft in CnuLhaincl) gar kein oder mindestens kein genügendes Rachtcffen vorsiuden werde, hatte nun zwei Mitglieder derKarawane bewogen, derselben ein wenig vorauszncilcn, um in dem genannten Städtchen ihre Ankunft zu melden und die Bewohner dort zugleich darauf aufmerksam zu machen, das; sich unter den Reifenden auch zwei irnfcl des Propheten befinden, dan:ir rnarr für dieselben ein reichliches Nachtessen vrrbcrcitc. Rach echt arabischer Sitte eilten nun mchrcrc Bewohner Om-Errabichs der .Karawane nahezu eine Stunde Weges entgegen, um dieselbe auf freiem Felde zu begrünen und dann mit ihr zugleich in der Stadt cinzurrcssen. (viit donnerndes Salem aleikum! tönte nun den Reifenden entgegen, worauf diese ein hundertfaches! Waalekuüi Kssalam! erschallen ltesten. „Fen El- .Jeliudim“? (Wo sind die Juden?) rief nun cm alter Mann, der gleichfalls aus Om-Erabrch herbcigccilt war, da er don schon von den zwei Quartiermachern der.Karawane vernommen haue» daß sich in derselben auch zwei Juden de staden. Hennah! hennali! (Hier'. Hier!) riesen nun die beiden jüdischen Reisenden und reichten dem alten Manne ihre Hand znrn Gruße. Dieser lud nun dieselben ein, bei ihm die heurige Rächt urrd wenn möglich' auch den morgigen Tag. den Sabbat Kodcsch. zu verbringen, was dieselben dankbar annahmcrr. Dieselben verließen nur: die .Karawane und ritten von ihrem Wirthc, Sid Barnch, gcfübn über eine:: schmale:: Feldweg, der sich durch Palmenhaine und Obstgänen hirrdnrchschl äugelte, nach der Stadt, die sie so um eine Halde Stunde früher als ihre übrigen Reisegefährten erreichten. Sie lenkten nun hier ihre Schrine nach -cm entgegengesetzten Ende des Städtchens, wo mehrere kleine Häuschen, alle ein Stockwerk hoch, aber ohne Dach und ohne Gaffcufenstcr, standen. Die Juden .im Innern Arabiens bringen ttäurlkch an ihren Häusern keine Gasscnsenster an, damit ihre Frauen und Töchter, die im Hause gewöhnlich unverfchlcicrt gehen, nicht auf die Straße schauen und so von deu Blicken der Araber verschont bleiben sollen. Zn Om-Erabich leben heute acht jüdische Familien, die gleichfalls, wie ihre Glanbcnsbrudcr inAsmich, thcils Handwerker, theils Ockonomcn und Viehzüchter sind. Zwei von ihnen sind.^anftcule, die mit allen Erdenklichen, mir.Kleidern, Getreide, Schnittwaarcn, Pulver, Honig, Bändern n. s. w. handeln. Einer dieser .Äauflcurc war nur: der genannte Sid Barnch, der zugleich auch als Rais (Vorsteher), Ehacham und Hasan der kleinci: Gemeinde fungirte, während dessen zweitältcstcr Sohn. Zadik, als Arzt in dem Städtchen wirkte. Derselbe hatte sein medizinisches Wisse» bei einem arabischen Arzte im Städtchen El-Hufuf crworbcrr, dein er zwei Reitpferde, eine volle aus Stahl gearbeitete und mit Silber verzierte KriegSrüstnng (einen Helm, cm Panzerhemd, Schienbeine, Schwert. Schild und zroei Pistolen) als Lehrgeld gab. Binnen vierzehn Monaten hatte er fein medizinisches Studium absolvier, worauf er sogleich zrl prakricircn begann? Seine Instrumentcitsammlung bestand im Ganzen aus einer kleinen Zange zum Zähncrcißcn und einem Mcfferchen zum Aderlässen. Eine schwere Operation haue derselbe schwerlich vornehmen können. Der älteste Sohn Sid Baruch's war der Stcncrpächtcr deS^ Ortes. Bei ihrer Ankunft vor dem Haufe ihres WirthcS fanden die beiden Reifenden, alle Juden des Städtchens versammelt, die ne nun willkommen hießen. In der Vorhalle des Hauses nahmen sie nach LandcSsilte ein Fußbad, worauf sie sich barfuß in das Speisezimmer begaben, das heute ihncn^zu Ehren als Bctlokal diente und woauchsschondie ganze kleine Gemeinde des Ortes. Alles barfuß versammelt war. Rach verrichteter Andacht wurde das Nachtessen eingenommen. Der Hausherr mit feinen zwei verheirarheten Söhnen und den zwei Gästen fetzten sich mit untcrgcschlägcnen Füßen auf den nackten Boden, während vor ikncn ein weißer Teppich lag, der die Stelle eines Tisches vertrat. Tie Frau des Hanfes faß wieder mit ihre» beiden Schwiegertöchtern und ihren Töchtern in der Vorhalle auf ledernen Polstern, und hielten ihre Schüsselchea, ans denen nr aßen, in der Hand, Kiddusch wurde über mit Branntwein vermengten Palmwein gemacht und als Brode dienten kleine runde Scheiben aus Weizenmehl, die unseren Mayoth ganz ähnlich *) Siche Nr. 5.