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Der Israelit · 1887-01-31 · Heft 9 (31.1.1887) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 9 (31.1.1887)
Date
1887-01-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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148 Michael Klein versuchte eS inmitten all der Affekte, die auf feine Seele einstürmten, richtig zu denken. Die Dragoner hielten die Hand an den Hahn der Karabiner, es unterlag keinem Zweifel, daß sie im äußersten Falle ihre Drohung wahrmacheo, ihn niederstechen oder nicderschießen würden. ES konnte Lorenz und seinem würdigen Pater nur erwünscht sein, ihn gänÄich aus dem Wege zu räumen. Er erkannte auch, daß er trotz seiner überlegenen Körperkraft einen ungleichen Kampf gegen mit Schießgewehren Bewaffnete nicht aufnehmeu könne. Allerdings that es ihn endlos weh, tu dem vcrhängmßvollsten Momente der schutzbedürftigen und schutzlosen Sara entrissen zu werden, aber gerade der marternde Gedanke an deren Perlassenbeit, legte ihm die Perpflicktung auf. sein Leben zu erhalten. Während er so — allerdings in raschen Gedankensprüngen — mit sich zu Rarhc ging, öffnete sich die Thür und der würdige Pfarrer Willibald, von Ehanne begleitet, ttat in das Zimmer. Diese hatte den Arzt des Städtchens nicht zu Hause getroffen und war in ihrer Todesangst znm Pfarrer gelaufen, der ja auch medizinische Kenntnisse besä«. Ter geistliche Herr war nicht wenig erstaunt, in dem Zimmer, in dem sich eine Leiche und eine Todtkranke befanden, den Gerichlsdicner mit Militärassiüenz zu finden. Michael aber fühlte sich in seiner verzweifelten Lage durch den Anblick seines alten, würdigen Lehrer« und Freundes wundersam gestärkt. Er durfte nun hoffen, daß Sara von der alten Ehanne gepflegt, von den, edlen Geistlichen vor brutalen Angriffen geschützt werden würde. „Hochwürden!" rief Michael und seine Augen leuchteten einen Moment in wicdergewonnener, gottverttauendcr Hoffnungsseligkeit. „Sie erscheinen mir wie ein vom barmherzigen Gott gesandter Bote! Bürgermeister Golzinger läßt mich auf die Anzeige seines SodneS, der mich eines todeswürdigen Bcrbrechens beschuldigt, in den Kerker werfe«. Ich bitte Sie um zweifaches: — darauf zu achten, daß mich der Bürgermeister nicht spurlos verschwinde» läßt, er könnte dafür seine Gründe haben; — und wenn ich, auS was für Grund immer, nicht zurückkehren sollte, Sara, die elternlose Waise, die ganz Perlassenc zu schützen!" „Was sprechen Sie da. Klein!" rief der Pfarrer, vor Schreck und Aufregung zusammenzuckend, - „wir leben ja am Ende des achtzehnten Jahrhunderts, in einem civüifirteu Staate, unter der Negierung eines gerechten Monarchen, geschützt durch geordnete Rcchrspflege. Man wird bald erkennen müssen, daß die gegen Sie erhobene Anklage auf einem Irrtbum beruht, und der Bürgermeister . . . ." Ter Pfarrer brach ab. der milde Manu hatte beabsichtigt, den Bürgermeister gegen Michaels Angriffe in Schutz zu nehmen, aber schon beim flüchtigsten Bedenken mußte er sich'S gestehen, daß er selbst, Golzinger jeder erdenklichen Schurkerei für fähig halte, daß Michaels Besorgnisse gerechtfertigt seien, daß er ihn beruhigen müsse und er fuhr fort: „aber ich gebe Ihnen als Mensch, als Christ, alS Priester mein Wort, daß ich Ihren Wunsch mir dem Aufgebote aller meiner Kräfte erfüllen werde." Klein ergriff des Pfarrers Hand, führte sie an feine Lippen und sprach: „Nun scheide ich doch beruhigter. Mein und meiner Perlobten Schicksal liegt, wie das eines jeden Menschen, in Gottes Hand. Vielleicht wird er eS in seiner Allbarmherzigkett zum Besser» lenken." Dann trat er zu dem Lette, in welchem Sara lag und sprach zu der Bewußtlosen: „Äd wohl — vielleicht für immer .... Gott segne Dich! .... Nun folge ich Euch!" wandte er sich an die Dragoner, und stürmte von diesen beglettet aus dem Zimmer. An der Hausschwelle blieb er einen Moment stehen, um inbrünstig die Mesusa zu fönen. (Fortsetzung folgt.) .Der 36rar!it‘ erscheint w?chrn:!ich zweimal» Monraqv und Donnerstags» jedeSural in mindesten« 2 Bogrn. Prri« kt« Jahrgang« für Deutschland und Lesterrrich >2 Keich^Mark. für'» Lusland 16 Skeichr-Mark. 2Kan absmrirr gan?» jährig. halbjährig oder vierteljährig. Alke Buchhandlungen und Psstämter nehmen Bestellungen an, — Durch in puchhaubü )B beziehen bei £. /. $tetnntkcr. Lrij»)ig. Ztohplntz 1«. — Inserate 2d ^fnutige dir drrigesxalrrne Prrirzrile ,»« der» <Rs»n. — Lestrrrrichische Banknote« laut r5our«. — Trrrae Francouifrnbnng unirr etmfkank pro Jahrgang für Deutschland und Ctüenriä 14 KrichS-Mark oder 0 st. österr.. für« Sneland l« MaO^IHaxi an vre stsjs»*«»«- Inhalt (Hanptblatt): Leitender Lmkel: Unsterblichkert. — Zeitungsnachrichten und Sorresponderyrn:,Deutschlands Su« Bayern. FrankfuN a. M. Teuh a. Sih. — Lest.» Ungar. Monarchie: Bud^est. — Frankreich: PariL — England: London. — Feuilleton: Michael. — Inhalt brr Beilage: Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Lest.»ttngar. Monarchie: »n» der Bukowina. — Sa» Manien: Bukarest. — Feuilleton: Sine jüdische Forschungtrers« in Äradien. — Inhalt brr Extrabeilage: L kenden-Berzrichniste._■ _ Berantworüich« Redacnon: Dr. Lehmann In SRainj. — Erredinon große Bleiche St. 44. LruS undB^iag von Oscar Lehnrann raM«y. <Hierz» zwei BeÜage».D

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