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Der Israelit · 1887-01-31 · Heft 9 (31.1.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 9 (31.1.1887)
Date
1887-01-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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146 in dicscm Falle stellt, ist, daß diejenigen, welche ihre Familien fordern, ein von dem Board of TclegatcS in Ncw-Aork beglaubigtes Attest herbeischaffcn, daß sie in der Lage sind, diese Familie zu erhalten und ihren Kindern eine passende Erziehung zu geben. Tie Zchl der dieser Art nach Amerika beförderten Personen ist noch gering: sie umfaßt 30 Familien, außerdem einen Thcil der 50 in Brody durch den verstorbenen Eharlcs Netter aufgenommencn Kinder, die zum Thcil in der Ackerbauscknle zu Jaffa, zum Theil unter Aussicht der Alliance zu Wien erzogen werden. Das Eentral-Eomite zahlt nur die Uedcrfahrtskostcn auf dem Schiff: die Reisekosten bis zum Einschiffungshafen dagegen der Familienvater, der hierdurch den materiellen Beweis liefert, daß er in der Lage ist, seine Familie zu erhalten, und auch den aufrichtigen Wunsch hegt, sie bei sich zu haben. England. London, 26. Januar. Ein hier feit ungefähr acht Jahren weilender literarisch gebildeter und religiöser junger Mann, Namens Jsaac Mauerbcrger wurde gestern verhaftet. Derselbe schrieb an Lord Rothschild, daß er ihm die Summe von 62000 L. behäudigcn solle, andernfalls er ihu zur Hölle senden werde.. Er forderte in seiner letzten Zuschrift vom IS. d. den Lord zum Duell und bemerkte, daß das Duell auf deutschem Boden startfindcn solle, jedoch eine bloße Bcrwundung nicht genüge, sondern so lange gefochten werden müsse, bis einer der Tuellirenden getödtet sei. — Anfänglich wurden die Briefe ganz unbeachtet weggclegr. als aber der Ton ein höchst erregtes Temperament verrielh, wurde der Privatfckretär Herr Sncll beauftragt, die Sache dem Advokaten Herrn Lewis zn übergeben. Letzterer ließ Maucrberger zu sich kommen und versicherte ihn im Namen des Lord Rothschild, daß seine Briefe nicht als Beleidigung aufgcfaßt wurden, sondern daß der Lord ihn für geisteskrank halte und deßhalb Bedauern für ihn hege, auch gerne bereit sei, ihn zn unterstützen. Allein Maucrberger wiederholte seine schriftlichen Aeußerungen und drückte sich deutlich dadin aus, daß er gesonnen sei, Lord Rothschild zu ermorden, woraus ihn der Advokat auf den nächsten Tag zu einer weiteren Besprechung bestellte. Da aber Maucrbergr am nächsten Tage nicht erschien, so gab der Advokat der k. Polizei Kcnntniß von der Angelegenheit. Mauerdcrger wurde verhaftet. Er wieder holte vor dem Magistrale. daß er sich mit dem Lord dueüiren und vorher Lektionen im Fechten nehmen wolle. Der Sergeant, welcher den Angeklagten verhaftete, bezeugte, dah er sich ihm gegenüber ebenfalls äußerte, er wolle den Lord ermorden. Der Magistrat verwies nun die Sache an das L Erimiualgericht und die Verhandlung wird demnächst stattfinden. Es ist tief zu bedauern, daß ein gebildeter, charaktervoller und anspruchsloser, ja sogar höchst bescheidener junger Mann wahrscheinlich in Folge von Aruntth und Ucdcraustrcngung des Gehirnes zu Schritten gelangte, die damit enden, daß er vor das Schwurgericht gestellt werden wird. Wenn auch ärztlich nicht nachgcwiescn werden kann, daß Maucrberger geisteskrank ist: fo unterliegt es ja doch keinen Zweifel, daß der ganze Vorgang eine momentane Gehirnerschütterung deutlich zu erkennen gibt. Mauerbergcr sollte daher nicht in Gefängniß, sondern in eine Irren-Anstalt gebracht werden. — Feuilleton. Michael. Erzählung ton 3. Nohn, Verfasser von (*abxicl. (Fortsetzung.) Fünsundzwanzigftes Kapitel. Michael Klein befand sich in einer furchtbaren Lage. Sein bester Freund, sein Pflegevater war ihm mit erschütternder Plötzlichkeit entrissen worden, er war, als er sein Kind leblos in Michael» Armen sah, dem jähen Barcrschmerze erlegen. Tie Entsetzlichkeit des Momentes wurde noch dadurch erhöht. daß Sara noch immer nicht aus ihrer Bewußtlosigkeit erwachte. Michael war rathlos, in seiner Verzweiflung schrie er laut auf; aber es dörre ihn nur die alte Magd, die jetzt ins Zimmer stürzte und. eben so fassungslos wie Michael, das schreckliche Bild: den tobten Mann, das ohnmächtige Mädchen, den entsetzten Michael anstarrte. Die alle (5Hanne, die schon bei Sara's Großmutter im Hause gewesen, batte Erfahrung, sie haue im Leben viele Kranke und viele Tobte gesehen. Als sie sich mir der Anspannung aller ihrer Kräfte zur Besinnung emporgerapt batte, trat fic zu dem Lehnstuhl, tu welchen Aron Brack gesunken war, hotte rasch Siegellack aus der Tischschublade, einen brennenden Spahn aus der Küche und tropfte ihm glühendes Siegrlwachs auf die Brust, — Brack war völlig empfindungslos. .Reb Michael,- sprach sie mit leiser. Lebender Stimme, »mein braver Balbojis Z Euer braver. i) Hier fo »id «t» Dienstherr.

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