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Der Israelit · 1887-01-31 · Heft 9 (31.1.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 9 (31.1.1887)
Date
1887-01-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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An der Bahre gab den schmerzlichen Gefühlen der Trauernden Herr Rabbiner Dr. Frankel Ausdruck. Selbst mächtig ergriffen hob der Gelehrte die vortrefflichen Eigenschaften des viel zu früh dahingcschicdcnen jungen ManneS hervor und gipfelte die Rede in der Ergebung in den Willen Gottes. Gebe dem tiefgebeugten Vater und den Angehörigen bald den Trost, den sie bedürfen ck. Lesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, 22. Januar. Wie erinnerlich, wurde vor Kurzem seitens des Abgeordneten Pulszky eine Anzeige gegen eine Wuchcrbande erstattet. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses hielt nun der Antisemit Vadnay eine Rede, in welcher er darauf anspiclte, daß Pultzzky von jüdischen Wucherern verfolgt werde. Pulpzky antwortete, der Wucher sei schon in den ältesten Zeiten bei den Römern, Deutschen und Ungarn vorgckommcn. Die römischen Patrizier, welche Wucher trieben, seien ebensowenig Juden gewesen, alsBrutus, welcher Eäsar erstach und Wucher trieb. Wucher sei jedenfalls häßlich, aber noch häßlicher sei. das ganze JudenrKnm dafür verantwortlich zu machen, daß es ucben christlichen Wucherern auch jüdische gibt. Den Juden, fuhr Pulvzky fort, verdanken wir das von ihnen erfundene Alphabet; auch sind sie es, welche die arabischen Ziffern nach Europa brachten. Wenn man sagt, daß die Juden sich von uns absondcrn, so verweise ich darauf, daß im Jahre 1848 Haynau den ungarischen Juden eine Kricgskontribution von zwei Millionen auscrlcgte, weil sie mir uns hielten. (Lebhafte Zustimmung und große Bewegung links und auf der äußersten Linken.) Frankreich. Paris. Monatsbericht (Dezember) der „Alliance Jsraclite Universelle." (Israeliten Rumäniens.) Die „Rcvista israclita" vom l. Dezember berichtet über folgende Ausweisungen: Der Bürgermeister der Gemeinde Eracoank, Distrikt Pialra, hat israelitischen Einwohnern, deren Namen wir folgen laffen, den Befehl erthcilt, binnen 24 Stunden das Dorf zu verlassen. Avram Lezcrovici, Rechnungsfübrcr; Michel Herfch, Verwalter- Förster; Beresch Roscnberg, Steucragcnt; Mendel Rosenblum, Leida Eoppcl, alle in der Gemeinde 10 bis 16 Jahre ansässig. Noch andere, deren Namen der Rcvista nicht bekannt sind, haben den Befehl erhalten, sott zu gehen. Hier der Wortlaut der dem Herrn Beresch Rosenderg zugegangenen Aufforderung: „Rumänien, Bürgermeisterei der Gemeinde Eracoani." — „Herr Beresch Rosenberg wird zum letzten Male aufgefordet, die Gemeinde binnen 24 Stunden zu verlassen; im Falle der Weigerung würde er durch öffentliche Gewalt hinausgcjagt werden.* Auch in dem Distrikt von Putna, in dem Bezirk Zabrautz haben Ausweisungen stattgefunden. Der Unterprefäkt von Zabrautz, Herr Nicu Dladojanu hat am Vorabend vom Dimitrifest alle Bürgermeister aufgcfordert, die jüdischen Einwohner der Dörfer binnen 24 Stunden auszuweisen. Dieser Befehl wurde ausacführt. Folgende Mahnung wurde von dem Bürgermeister von RLcoasa au einen der AuSgewiesenen gerichtet: „Wir, Bürgermeister von der Gemeinde RLcoasa, Bezirk Zabrautz, Distrikt von Putna, lassen Sie in Folge des Befehls, den wir soeben erhalten, wissen, daß Sic in ihrer Eigenschaft als Israelit in der ihnen gewährten Frist — spätestens bis zum 26. Oktober — Ihre Lage ordnen müssen, indem Sie die Gemeinde von Rscoafa verlassen, um sich in irgend einer der städtischen Gemeinden des Landes, wo Ihnen dieses gestattet ist, nicdcrzulassen. In Folge dessen werden Sie Sorge ttagen, diesem Befehl Genüge zu leisten, da wir sonst daS Recht in Anspruch nehmen würden, welches uns das Gesetz gewährt, Sic ohne Verzug mit Gewalt wegzubnngen. » - Diese Benachrichtigung wurde an alle Häuser der Juden in den Dörfern des Bezirks angeklcbt, und am 28. Oktober schritten die Behörden zu den Gcwalnnaßrcgcln. Alle AuSgewiesenen sind seit Generationen in den von ihnen bewohnten Dörfern geboren und erzogen, sie befaßten sich mit Ackerbau. Noch andere VerfolgungSmaßregcln wurden gegen die Juden gerichtet. (Die russischen Israeliten in Amerika.) Man weiß, daß in Folge der beklagenswerthen Vorgänge, welche 1881—1882 in Rußland staltgefunden, circa 20,000 Israeliten sich von dort nach Krody flüchteten, von wo sie allmählich nach Amerika geschickt wurden, durch die Alliance, daS Mausionhans von London, das in Berlin gegründete EömitL für russische Israeliten und durch die Alliance Jsraclite .zu Wien. Das Eentral-Eomits hat eS stet» übernommen, auf eigene Kosten Familien (Frauen und Kinder) der russischen Israeliten, welche derart nach den Vereinigten Staaten geschickt worden waren oder auch von selbst dorthin gezogen waren, nachrusenden, wenn dies von dem Familienoberhaupt oder den Verwandten gewünscht wurde. Die Bedingung, welche die Alliance

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