Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1887)
- Date
- 1887-01-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I Kraft, und wenn man ihm Angesichts von Wortbildungen, wie von — ttth Vergewaltigungen der Sprache vorwcrfe, so beruhe das darauf, daß man sich die hebräische Sprache immer nur als eine tobte vorstelle, da wir sie eben nur auS der Bibel kennen; zur Zeit deS Dichters aber sei sie, wie auch im Alterthum die lateinische, eine lebendige gewesen und habe alle Schicksale einer solchen geiheilt. Neber die Zeit, in welcher der Dichter lebte, glaubte Redner eine Andeutung in einem Verse deS xvTTg vom Neujahrsfeste zu erkennen. Dort ist von Edom die Rede, worunter Nom verstanden ist. Wenn man aber in Kirjath Sefer, das der Dichter als seine Heimath angibt, die bekannte Stadt in Palästina erblicken will, so sei gewiß das oströmische Reich gemeint, zu dcffen Herrschaft Palästina gehörte. Unter dem Drucke dieser schleichenden Macht habe sich das jüdische Gemeindcleben abgckehrt von der Außenwelt, und die Synagoge war der einzige Ort, wo der jüdische Geist sich frei fühlen konnte. Aus der Mitte der Gemeinde trat da einer hin, um vorzubeten, rrygg und er wird rvVr genannt, denn er soll ausdrückcn, was die ganze Gemeinde empfindet und was sie bewegt. Als Dolmetscher der Empfindundungcn der ganzen Gemeinde sei auch Kalliri hingetretcn vor die Tewah und habe das ganze Fühlen und Wollen seiner Gemeinschaft hier zum Ausdruck gebracht, während bei den spanischen Dichtem. denen die Außenwelt eine freiere Bewegung gestattet hatte und die sich als Söhne ihres Vaterlandes gefühlt, wie die Juden überall, wo man sie es fein ließ, die Religion nur einen Thcil ihres Empfindens gebildet, der sie in der Einsamkeit ihres Stndirzimmcrs Ausdruck gegeben hätte. Was aber den Tadel Jbn Esra's betreffe, so habe dieser ebensowenig die Eigenart Kalliri's würdigen können, wie Voltaire diejenigen Shakcspare's, ja selbst Corncillc'S. Der streng logisch denkende und die Regeln der Grammatik als höchste Autorität nehmende Franzose mußte in der Genialität des großen Britten, der in seinem überströmenden Geiste sich über die hergebrachten Regeln hinwegfedte, ebenso gut Willkürlichkeit erblicken, wie der ähnlich angelegte Jbn Esra in den kühnen und abenteuerlichen Sprackbildern Kalliri's. und beide vermochten gleich wenig einen gelungenen Witz oder einen geistreichen Einfall zu unterdrücke», wodurch das scharf Satyrifche ihrer Polemik noch erklärlicher wird. Wir selbst würden vielleicht, meinte der Redner, auch noch die Regel- 144 Mäßigkeit für das höchste Verdienst der Poesie halten und weder Shakespeare noch den herrliche» deutschen Volksliedern Geschmack abgewinne», wenn nicht Männer wie Lefsing und Herder uns die Augen zu einer gerechteren Deurtheilung geöffnet hätten. Redner schloß mit dem Hinweis darauf, daß man den Juden in der Zerstreuung vielfach die Kraft originellen poetischen Schaffens abgefprochea habe; in den spanischen Dichtern habe man die Folgen arabischer, in den meudelsohnische» geistigen Bewegungen diejenigen christlicher Anregungen zu sehen geglaubt. In Kalliri zeigt sich uns jedenfalls ein durch und durch origineller, ein durch und durch jüdischer Dichter. Der überaus interessante Vortrag fand den lebhaftesieu Beifall. Deutz a. R., 30 Januar. Die Firma A. C o ß m a n n hier wurde auf der I. Internationalen Ausstellung für Volksernöhrung und Kochkunst, welche vom 27.—31. hujuR in Leipzig unter dem allerhöchsten Protectorate Ihrer Majestät der Königin Carola von Sachsen tagt, mit der »Höchsten Auszeichnung der Kaffee-Branche bestehend in Silberner Medaille pramiirt und der von ihr ausgestellte Kaffee als sehr vorzüglich anerkannt." Breslau. Der hoffnungsvolle zwanzigjährige Sohn des Herrn Rabbiner Dr. P. Neustadt, Herrn Abraham Neustadt, der Ostern sein Gymnafial-Abituricnten-Eramen machen sollte, auf dem Gebiete der hebr. Literattir p irec bewandert war, der im dreizehnten Jahre bereits nr« metrisch übersetzte und vor zwei Jahren in derselben Weise begonnen und einige zwanzig Kap. zur Vollendung brachte und der namentlich durch seine Gottesfurcht sich auszeichncte, wn *r»o, ist nach kurzem, aber schweren Krankenlager am ras n"-n nrjran"t plötzlich gestorben. Dieser Todesfall hat solch eine Erschütterung in der hiesigen Stadt und Gemeinde hervorgebracht, wie keiner seines gleichen. Ohne Unterschied der Confessio» und der religiösen Richtung begleitete eine große Menge dm Tahingeschicdenen nach dem sehr entfernt liegenden Gottesacker und schenkte weder Wind noch Wetter. Ter Direktor des Johannes- Gymnasiums, das Lehrer-Colleginm» die trotz Ferien zusammengettctcne Oder-Prima, geführt von ihrem Ordinarius, die Hochberagtesten und Gelehrten unserer Gemeinde. sie alle ließen fich'S nicht nehmendem theuren Entschlafenen das letzte Geleite zu gebe».