Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1887)
- Date
- 1887-01-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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technischen Mittelschulen an den Sabbaten und isr. Festtagen vom Schulbesuch zu dispensircn sind, sosicrn von Seiten der Eltern derselben oder deren Stellvertreter ein besonderer Antrag hierauf bei den betreffenden K. Ncktoraten gestellt 'wird. Die Bethciligten sind jedoch daraus aufnlerksam zu machen, daß ein Nachholcn des an solchen Tagen durchgtnommenen UmerrichtSpensums in der Schule nicht stottfindet und daß daher den israelitischen Schülern die Ausfüllung der auf diese Weise in ihrem Unterrichte entstehenden Lücken selbst überlassen werden muß. (gcz.) Vr. Frcih. v. Lutz. 2fa dir Ä. Rekwralc btr. Hunranisrischen und Rca!-<?ymnasren und Rralschulrn, dann au dir £. Cubrecrorare bet ifolincn rcuciofchute».. Frankfurt a. M. 27. Jan. Im Verein fjir jüdische Geschichte und Literatur hielt am verflossenen Mittwoch Herr Rabbiner Ludwig A. Rose nt ha! auS Rogasen einen Vortrag über „Kalliri und seine Dichtungen. Er führte zuerst die verschiedenartigen Uilhcile über toalHri an. Die Geschichtsforscher Graetz und Jost haben ihn in scharfer und schonungsloser Weise vcrurtheilt. Von den großen Männern der Vergangenheit empfand Jbn ESra, als er die Gesänge Kalliri's bei den Italienern, welche Musterbilder in ihnen verehrten, kennen lernte, einen abstoßenden Eindruck durch dieselben, und er ergeht sich in beißendem Spott gegen die schwere, unverständliche Sprache des Dichters und die Sprachwidrigkcit seiner Ausdrücke. So z. L. geißelte er das Wortspiel Kalliri's t.s nf c'trini indem er sagt, Kalliri reite hier auf einem Elephanten herum. Diese wegwerfende Stimmen über Kalliri wurden im Mittelalter ausgewogen durch die Ansicht, welche ihn für einen Tanna erklärte; nach einer Meinung war es nämlich Rabbi Elicser der Große, nach einer andern Rabbi Elcasar den Asarjah, und nach einer dritten Rabbi Eleasar ben Simon, und die dem Dichter durch diese Ansicht verliehene Autoritär haben z. B. die Toßaphistcn anerkannt, indem sie sich bemühten, seine manchnial von unserem Talmud abweichenden Ansichten zu rechtfertigen. Seitdem in neuerer Zeit besonders durch Heidenhcim nachgcwicsen worden, daß Kalliri weder ein Tanna noch ein Amora war, ist dieser Nimbus auch geschwunden. Zunz hat allein versucht, Kalliris Formgewandhcit und Sprachbehcrrschung zur Anerkennung zu bringen, aber seine Stimme war die des Predigers in der Wüste. Es fei dcßhalb, meinte Redner, eine undankbare l oder vielleicht ganz unmögliche Aufgabe, für den I so vielfach verkannten Dichter eine Lanze zu brechen; nichtsdestoweniger unterzog er sich dersclbeu, und wir dürfen gleich Voraussagen, mit außerordentlichem Glück und Geschick. Er suchte zunächst darzulcgen, worin die eigentlichen Vorzüge des Dichters bestehen, die ihm trotz aller ihm gemachten Vorwürfe in unserer Liturgie einen so bedeutenden Platz angewiesen haben. Abgesehen davon, daß Kalliri zuerst den Reim in die hebräische Poesie ciugeführt und durch die ganze Eigenart seiner Dichtungen ein echter Bahnbrecher geworden ist, ist cr vor Allem groß als tiefer Denker, denn in all' seinen Dichtungen finden wir, wenn wir nur erst die schwierigen. ja allerdings oft dunkel und wie Räthfcl erscheinenden Bilder verstehen, herrliche und hohe Gedanken ansgedrückt. Redner trägt, um dies zur Anschauung zu bringen, nach eigener Ucbcrsetzung mehrere Stücke aus der Liturgie für die Sabbathe und die hohen Festtage vor und zeigt, wie dieselben alle ergreifende, sittliche Mahnungen enthalten, den Lpicrsinn und die sittliche Kraft des Volkes zu wecken suchen, wie sie Ideen aussprechen, die auch noch für unsere heutige Zeit von der höchsten und weittragendsten Bedeutung sind. Er suckle weiter auch den Vorwurf zu entkräften, den man dem Dichter deshalb gclnacht, daß cr seine Gedanken nicht in einfacherer sondern im Gcgcuthcil oft in so überans seltsamer Form zum Ausdruck gebracht habe, und er zieht eine geistreiche Parallele zwischen unserem Dichter und Pindar, mit dem er, wie Redner ans einzelnen Stellen dieses griechischen Dichters zeigt, eine große Aehnlichkeit har. Auch Pindar sei überaus schwierig und dunkel und weniger volksthümlich als Horaz; aber, wie letzterer selbst sagt, daß nickt Jeder Pindar uachznahmcn verstehe, und wie Pinoar Horaz an Kraft und Innigkeit weit übcrtrifft, so'habe auch Kalliri wiederum Vorzüge vor anderen, weit volksthümlichcrcn Dichtern unseres Volkes, wie z. B. Jehuda Halevi, und ebensowenig man fragen könne, warum Pindar nicht wie Horaz oder Horaz nicht wie Pindcr gesungen, könne man fragen, warum Kalliri rin.anderer Styl eigen sei als Jehuda Halevi oder Salomo ben Gabirol. In einzelnen cigcuthümlichen, oft geradezu verspotteten Ausdrücken Kalliri's, wie r* ö riw r# will Redner Anklänge an den Stabreim erkenne», den man an der Edda und anderen erst neuerdings erkannten und gewürdigten Dichtungen mit Recht preist. Die Knorrigkeit in der Sprache Kalliris sei eben ein Zeichen urwüchsiger und ursprünglicher