Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1887)
- Date
- 1887-01-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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haben, sondern oft auch noch von den Soldaten und Beamten des kaiserlichen Gefolges gebrandschatzt und geplündert werden. So wie sich mm in Deutschland jede jüdische (Gemeinde freuet, wenn sic üörr, Kaiser Wilhelm werde sic nächstens besuchen, ebenso zittert jede jüdische (Gemeinde in Marokko, wenn sie vernimm:, der Sultan kommt. Indepcn verlautete bis jetzt wenigstens noch nicht, daß der Sultan nach seiner Winter-Residenz übcrsicdcln wolle, und so dürften unsere Klanbensgenoucn zwischen Fez und Marokko Heuer von dem unangenehmen Besuche verschont bleiben. Bor kurzem hat uns die Katt in des Bar o n s G u st a v von '!! o t h s ch i l d mit ihrem Besuche beehrt. Tie hohe Uran kam in Begleitung ihrer beiden Töchter aus Gibraltar herüber und stieg hier im „Hotel ^kontinental" ab. Sic besuchte dann in Begleitung ihrer Töchter das hiesige Mcllah tIndenvicrtel'. und die in demselben befindlichen Schulen der Alliance, überall reichliche Spenden zurücklasscnd. Auch mehrere unserer (>hachamim wurden von der Baronin mit grollen Kcldspcndcn und zwar auf eine ehrenvolle Weise bedacht, so das; deren Ansehen nicht darunter zu leiden haue. Möge der Allmächtige die Lebenslage dieser edlen Frau und ihrer Familienangehörigen verzehnfachen. Tie spanische Regierung hat dem Snltan angczcigt, das; sie beabsichtige, hier ein (sollcg und auch ein Spiral zu errichten, wozu man in Fez selbstverständlich ein mis;oergnügtcs Keucht machte, da man cs dort höchst nngerne sicht, wenn Spanien hier als Avoücl der l>u!tnr und Humanität auftrrtt, um sich so die Sympathien der hicü-!icit Bevölkerung zu erwerben. Wie nun verlautet, rvird das Spiral zwar nur für christliche Kranke bcstimnll sein, zur ambulatorischen Behandlung werden indes; auch die Juden zugelaucn werden. Ta cs von der spanischen Regierung bekannt ist, dast ne nicht im geringsten daran denkt, unter dem 'Mantel der Hnmanilät Proickmenmachcrei zu betreiben, so werden die Inden hier von dieser wohllhötigcn Institution ohne jegliche Kcsahr für ihr Seelenheil Nutzen ziehe» können. Das Iudcnvicrlcl tMcllah» in der zweiten Residenzstadt Marokko ist wie alle KhcrroS in unserem .Kaiserreiche, sehr eng und dabei auch sehr schmutzig und sinstcr. Mehrere reiche Juden daselbst haben nun an den Statthalter das Ansuchen gerichtet, er möge ihnen gestalten, in der mohamedanischcn Stadt zu wohnen, worüber dieser nach . Fez berichtete. Ter Sultan wies dieses Gesuch der Juden zurück. Man must jedoch dem Sultan Gerechtigkeit widerfahren lassen und zugestehen, daß derselbe diesmal klug gehandelt har, wenn er den Juden das Wohnen in den mohamedanifchen Stadtvierteln nicht gestatten wollte. Solange nämlich die Juden Marokkos in ihren eigenen Stadtviertel» wohnen, die des Nachts abgcfpcrrt werden, kann die Regierung sie leicht beschützen. Wie soll sie dieselben aber beschützen, wenn sie austcrhalb ihres Viertels zerstreut unter deri Mohamcdancrn wohnen werden? Ter Sultan nicht, denn in der Stadt Marokko gibt cS keine Polizei und keine Kcndarntcrie und nur eine kleine Garnison liegt dorr, (entweder das Iudenvicrtel Marokkos wird gänzlich niedcrgcrissen und an denen Stelle ein ganz neues, modernisirrcS gebaut «der die Inden miipcn noch weiter in demselben wohnen. Würden einzelne Juden nach der Stadt übersicdcln, so würden sie gcwist schon in der ersten Nacht von der fanatischen Bevölkerung, die doch nicht einmal einen Christen in ihrer Mitte duldet, abgcschlachrct werden. Seitdem die Stadl Timbuktu in der Sahara vor zwei Jahren einen Gesandte» nach Paris geschickt hat und dieser wieder heimgekchrr ist, hat dorr der KlanbensfanarismuS bedeutend abgcnommcn, da der Kesandre seinen Landsleuten erzählte, wie friedlich in Frankreich die verschiedenen Klanbenssekten nebeneinander wohnen. (5hristcn können daher heute ohne jede Kcsahr für ihr Leben nach Timbuktu kommen. Aber auch gegen die Juden ist man dort nicht nichr so feindlich gesinnt imd haben jüngsthin zwei jüdische Familien die marokkanische Stadt Bcl-Abbas verlassen, um nach Timbnkln auszuwandcrn und dort Geschäftshäuser zu errichten. Are Convertilin. Ü'tin Friedrich Rott. . (Fortsetzung.) „Achtzehn Wochen hast Tu keinen Groschen verdient," sprach die Fra», „und ich habe auch nichts verdienen können — sortgchcn habe ich nicht