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Der Israelit · 1887-01-27 · Heft 8 (27.1.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 8 (27.1.1887)
Date
1887-01-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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auch in brn Sogen und Legenden viel Mystik nnd Aberglauben unterläuft. Sogar bedeutende Hebraisten: wie der vorzügliche Gordon, haben cs nicht verschmäht in die Arena des Jargons mit den Erzeugnissen ihrer Muse hinabzutrcten. Vereinzelt erscheinen auch ein- bis zweibändige Romane, das indische Volksleben in einfacher, ziemlich realistischer Manier schildernd, die zu 20 bis 30 .Kopeken per Band einen bedeutenden Absatz erzielen. Freilich ist auch die Aufstauung danach! Wenn die Israeliten, ein ansehnlicher Bruchthcil der Bevölkerung Rußlands und Polens, trotz der drückenden Armuth, unter welcher der größere Theil, eingepfercht in besondere Stadttheile, leider, trotz der beschränkenden Edikte, welche sie vom Grundbesitz, Ackerbau nnd öffentlichen Acmtern ausschlicßcn, doch nicht verkommen sind, einen gewissen Familiensinn bewahren nnd verhälrnißmäßig wenig durch Verbrechen sich beflecken, so haben sie dies zum großen Thcilc ihrem Lircraturschatze zu verdanken, den sie erhalten, schätzen und vermehren, und vielleicht auch jener „Prinzessin Sabbath", wie sic Heine nns so anmuthig schildert und die noch dort, gleich einer Aureole, das Elend des Alltagslebens einmal in der Woche verklärt." Palästina. Jerusalem. Dem Jahresbericht des „Bikur- Eholim-Hospital" der Gemeinde Aschkcnasim für das Fahr 50-t6 entnehmen wir: Wir ergreifen diese Gelegenheit, zu versichern, daß unsere Glanbcnsgenoffcn ihren Wohlthätigkcits-Sinn nicht besser bcthätigcn können als durch warme und daucrndcTheilnahme an dem Wohlc Hunderter hilfloser Kranken, die ohne Hilfe ihrer Brüder im Auslände in Gefahr wären, aus offener Srraße zu sterben oder eine Beute der über ungeheure Mittel verfugenden Mission zu werden. Vergebens würden wir nach Worten suchen, um die Größe der mss zu schildern, die durch die Förderung dieses Hospitals ausgeübt wird. Die Zahl der Kranken nimmt durch den Zufluß russischer und runränischcr Emigranten fast täglich zu: die Eolonistcu nehmen fast nur zu diesem Hospital ihre Zuflucht und der Andrang zu demselben ist um so größer, als cs das einzige Krankenhaus sämmtlichcr Gemeinden hier ist, auf welches also fast die ganze Jndcuhcit Jerusalems angewiesen ist. Ein Arzt reichte nicht mehr aus und waren wir gezwungen einen zweiten Arzt (ebenfalls von einer-deutschen Universität) anzustcllcn. Leider ist dadurch nur einem Bcdürfniß abgcholfcn; die Befriedigung eines eben so großen Bedürfnisses ist uns für das kommende Jahr vorste- I,allen, nämlich die unentbehrliche Vermehrung der Betten, (deren fixe Zahl jetzt 25 ist) denn nur dann könnten wir uns rühmen, dem verderblichen Einfluß der Mission, auf diesem Wege, ein Ende gemacht zu haben. Dieses verwirklichen zu können, bitten wir, uns hilfreich an die Hand zu gehen. Die Einnahmen betrugen 23858 Fr., die bis auf 497 Fr. verausgabt wurden. 518 Personen, von denen 57 gestorben, fanden im Hospital Aufnahme. 8316 Reccpte wurden verabreicht, von welchen 4559 für Hiesige waren. M a r o c c o. Tanger im Januar. Seit meinem jüngsten Schreiben an Sie hat unser neucrnannter Minister des Auswärtigen, Kaid Mohamcd Dürre, sein Amt angctrcten und die Leitung der auswärtigen Politik Marokkos übernommen. Es wäre schlecht von mir zu behaupten, daß derselbe den Inden feindlich gesinnt sei, ebenso voreilig wäre es aber auch, zu versichern, daß derselbe ein Gönner unseres Volkes sei. Wir müssen eben abwartcn, bis der Mann etwas zum Vortheile oder Rachthcile der Juden unternommen haben wird. Dagegen versicherte vor einigen Tagen der hiesige italienische Ministcrrcfident, Eommcndatore Scovasso, einem hier residirenden jüdisch-italienische» K ausmanne, daß Mohamcd Dürre liberalen Ansichten huldige und von jedem Glaubcnshasse frei sei. Hoffentlich hat der Eommcndatore Recht! Veckeremo. Unser Herr und Gebieter Sultan Sidi Mulcy Hassan, pflegt immer den Winter oder richtiger gesagt, die Regenzeit, da wir einen Winter in Marokko nicht kennen, in seiner zweiten weiter südlich gelegenen Residenzstadt Marakesch (Marokko) zu verbringen und nimmt er dann seinen ganzen Hofstaat und alle seine Frauen und deren Sklavinnen mit sich. Tic kaiserliche Reisegesellschaft gleicht dann einem großen Hcercslager, da der Sultan nebst zahlreichen Dienern, Köchen re. auch einige tausend Soldaten als Leibwache, ja sogar die beiden kaiserlichen Scharfrichter, mit sich führt. Tie Reise wird durchwegs auf hem Rücken dcr Kameclc oder Pferde zurückgclcgt. Für die Juden, die auf der Straße von Fez nach Marokko wohnen, wird. cs eine Schreckensbotschaft, wenn ihnen gemeldet wird, daß der Sultan baldigst von einer Residenzstadt in die andere übersicdcln werde, da sie dann nicht nur verschiedene Lebensmittel nnd noch andere für den kaiserlichen Hoshalt nöthige Dinge gratis zu liefern

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