Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1887)
- Date
- 1887-01-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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i konncn, denn ich habe Dich pflegen und aus das Mtiib Acht geben muffen. — Na, was wahr ist, ist wahr. — Tic Leute haben uns nicht verlassen, das muß man sagen. Deine gute Pflege hast Du immer gehabt, und was Du gebraucht hast, hast Du bekommen. Aber wir — ich und das Kind — na, von mir will ich nicht reden, mir liegt eS nicht auf, wenn ich auch 'mal einige Wochen nicht sau werde —" „Perlschrie er ans. „Nnhig, Lob. mein Guter — ruhig" und beschwichtigend legte sic ihre Hand auf seine zuckenden Finger. „Wie gesagt, mir liegt so was nicht ans — aber mit so'nem Kind, das ist ganz was Anderes — nebbich— das Herz bat mir oft geblutet, wie sic hat geschneit — Tu hast gemeint, weil ich sic schlage — gar keine Idee, — das Minb nebbich, hat gcschricn, weil sie hat Hunger gehabt." In dem Angesichte des .(tranken zuckle cs fürchterlich; seine Lippen bebten, er schien reden zu wollen, aber'er brachte kein Wort hervor. „Ruhig, mein guter Lob, ruhig — rege Dich nicht so auf — ich Hab' Dir ja schon gesagt, ich bin sicher. Tn wirst zufrieden sein. — Tu scheinst freilich zu meinen, ich hätte die Leute jmit'it sollen, sic sollen mir für das Mini» was zu cucn geben — aber wenn ich Alles kauu, betteln hum ich nicht, nicht einmal für Dein Kind — aber länger mitanseheu, wie cs keinen Dag sau wird, das habe ich auch nicht können — und kurz und gut, ich habe an Deinen Letter Gcrschom einen Postbrief geschrieben — so und so — Du liegst krank und Tein Kind muß huugcrn — er ist doch der Bruder von Deiner gottseligen Frau, wird er doch nicht zugcben, das; sein Lchwestcrkind hungert. — Aber Antwort ist kein: gekommen, und ich habe schon gemeint, er will nichts von ihr wiffcn." „Armer Gcrschom." murmelte der Kranke, „er hat oft selbst nicht auf Brod." „To meinst Tu," sic lächelte überlegen, „aber ich sag' Dir, der Letter ist ein Anscher, er hat Geld. — Toch was soll ich Tir da lange erzählen — kurz und gut — gestern Abend, wie Tu geschlafen hast, — Tu weißt doch, Dn hast das Schlafpulvcr genornmen, was der Toctor Tir vorgcschricbcn har. — Grade Hab' ich die Rost iu's Bett legen wollen, da geht die Düür auf und wer kommt Hereins — mein guter Letter Gcrschom. — Und gleich ist er ans das Kind zu und hat gesagt, cs schaut genau so ans wie seine gottselige Schwester. — Und Alles vor Allem hat er ihr einen großmächrigcn Lebkuchenmann gegeben — ich habe Dir eine Freude gehabt, wie das Kind da hineingebiffen hat — nein, das hat ihr geschmeckt, — gegönnt Hab' ich mir'« nicht allein, das zuzusehcn — aber Tu hast so fest geschlafen — und der Letter hat gesagt, es wäre doppelt gut, daß Du schläfst, einmal weil. Dir der Schlaf nothwcndig ist, und dann aber auch,' weil ihm Angst wäre. Du möchtest nicht zugcben, was ein Jeder doch cinschcn muß, daß cs nothwcndig ist — und geschworen hat er, er. läßt sein Schwcsterkind auch nicht eine Nacht länger in dieser miscrabeligcn Luft und noch dazu halb verhungert — und aufgchcißen hat er mich eine böse Lnesmumr, daß ich so lange gewartet habe, bis ich ihm geschrieben. — Und dann hat er mich geheißen, das .(lind warm anzichc», denn vor Tag's hat er wieder fortfahrcn muffen — und das Kind muß bei ihm bleiben, bis Du willens Gott wieder ganz gesund bist und es von ihm abholst, früher gibt er cs nicht her — denn cs wäre feiner Schwester Kind, er hätte auch ein Anrecht an ihr, und keiner köunt's ihm verargen, daß er nicht zugeben wollte, daß das goldige Kind hier verhungert." Heber die bleichen, abgezehrten Wangen des Kranken rollrcu langsam große Zähren. Sein .Kind, sein Liebling war fort! — lange, lauge sollte er cs nicht scheu, sollte ihr liebliches Geplauder nicht hören, sollte ihr weiches, rosiges Händchen, mit dem sic seine Wangen oft streichelte, nicht fallen — ihm war so weh, so unaussprechlich weh — so hart hatte er feine Krankheit noch nie empfunden — und doch, wenn er überdachte, was seine Frau ihm vorgcstcllt, so konnte er ihr nicht zürnen. Zwar, au ihre Liebe zu dem Kinde glaubte er nicht; aber er glaubte, sie habe gefürchtet, cs könne erkranke» und daß sie dann für zwei Kranke zu sorgen haben werde. Denn, daß der beständige Aufenthalt im .Krankenzimmer dem zarten Kinde nicht zuträglich sein konnte, das leuchtete ihm ein, und wenn cs überdies, wie seine Frau behauptete, oft hatte hungern müssen — wenn cs nur bei dem Letter, den er als armen Mann kannte, satt werden würde. „Woher weißt Tu, daß der Letter Gcrschom Geld hal:-" nagle er nach längerer Pause. „Woher ich das weiß?" Sie zog lächelnd ein abgcriffencs Portemounai aus der Tasche und nahm eine Füufzigguldcnnote daraus. „Daher weiß ich'S, mir scheint er hat in der Lotterie gewonnen, aber er will riicht, daß die Leute cs erfahren. — Er hat gesägt, ich soll damit einen Specercihandcl anfangc».. Lon dem großen Geschäft am Ring Waarcn einkaufen und sic dann hier in der Gaffe verkaufen. Lon per Werkstatt, meint er, sollt' ich mir ein SW