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Der Israelit · 1887-01-27 · Heft 8 (27.1.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 8 (27.1.1887)
Date
1887-01-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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124 Rußland. Mid flc uciiiuilfn oft Wochen laug. um in:'.- alles Gewünschte zn erlangen. (5in fester Ladenpreis crifsirt bei all dieser riesigen Production in der Regel nicht. Im (Gegensatz;n unserem bnchhändlcrischen Betriebe ist sau jedes 2Lcrk bei feine,n Erscheinen reckt billig erhältlich, und' - der Preis neigen sich später mit dem Sdninnbct der Vorräthe manchmal ans das Trcisachc des llrsprlurglich.cn Preises. Rach der Größe der Bestellung verwolllfiilt sich auch der Einkauf für den Buchhändler. Dagegen steigert sich der schwankende Preis, bei größerer Rachftage, wenn viele.Käufer ans der fremde cinlrcncn. Tie Auslagen .sind übrigens recht groß, und von eincui großen Slbfatz in Aussicht stellende,'. Werke werden formt Stereotypplatten vcrscttigt. In großen Ballen, welche in die bckannrcn Backsäckc gruabt werden, wandern die Bücher joitwährcnd nach allen 2!>c!rgcgcnden. Tic Bücher werden broschürt geliefert, da bci dem primitiven Zustandc der dortigen Buchbinderci die Einbände nicht gerade schön genannt werden können. Tas tshaiigcgcschäsl waltet im grösiten Blasisiabc bci diesen hebräischen Buchhändlern vor und zwar wieder nicht wie bci unscrcn Antiquaren, die Ladenhüter gegen Ladenhüter tauschen, sondern nach Erscheinen einer Rovität rvird diese gegen allerlei Werke des anderen Sonimentcrs ein getauscht. Dadurch sind die Buchhändler allerdings mehr auf einander angkwiesen, und die Eoncurrcnz kann nicht in Brodneid ansartcn. Es in nichts Seltenes, den Sortimenter, Bcrlcger und Schriftsteller dorr in einer Person geeint $11 finden. Schriftsrcllcrhonorare sind bei der großen Eoucurreni von Anwrcil aus jedem Stande, die mit der „Sch'.insieUe'.palinesich begnügen, ohne au den „Brorbanm" zn denken, dort fast unbekannt, gewöhnlich wird eine ziemliche Anzahl von Frcicrcmplare» als Honorar beanspruch! — und so triff! sich's nicht selten, das; der arme Bcrfasscr. der von der Achiung und dem Ruhme allein nicht leben kann, höchst unfreiwillig Buchhändler wird, indem er sein Werk sclbsi verlegt, eS dann gegen andere 26crke changiert und so plöplich der Inhaber eines Büchcrinag.rzins wird, dann aber seine Verehrer „nd 2ltäceue bitter, ihren Büchcrdcdarf bci ihm zu decken. Bci diesem Lchriftstcllcrandrange sicht der zu seinem Bergungen schrifrstcllcrnde enorm reiche Baron Günzbnrg in der gleichen Achtung wie der liebenswürdige, mehr von den Musen als von Fortuna begnadete hebräische Poet Kordon in St. Petersburg. Selbstverständlich sind die Neberfttzer, trotz des eleganten Hebräisch, in welches sie die wissenschaftlichen und belletristischen Werke des Auslandes zn übertragen wipen, - nicht so gefeiert wie jene auserlesenen Geister, die selbsischövscrisch wirken, wie Harkavo der greise Sieftor Slov.imSka, Löwinsohu (gen.), Finn, Schul» »rann, Gottlober, Zweifel?c., oder wie die Rouraiiciers und Publizisten Mapo (gcst.), Smolensks lgesi. in. Wien), Mramowis, Lokolow, Lchapira. Znkkcrinann — wer nennt die Namen. wer zählt die Geister —, denen allen zwar die Mitwelt 5rranze sticht und die Anerkennung nicht versagt — aber sic im Kampfe ums Dasein hart ringen läßt* — Bedeutende Kapitalien sind in diesem hebräischen Berlage und Buchhandel angelegt. Tie eben von der im Jahre 1779 gegründeten Buchdruckcrfirum Wittrvc und Gebrüder Rom in Willna heransgegebcne größte Talmndansgabc in 26 starken Foliobände» (sicrcotliplN) dürfte allein :>0»,ot>0 Rubel gekoster haben. Außerdem eristircn noch drei bis vier gleichfalls ftcrcotvpirtc Talnnrdausgabcn. welche durch die obenerwähnte an Vollständigkeit und zahlreichen Kommentaren unerreicht dastehende gänzlich in Scharren acstclll und. Man rechne dazu die andern bedeutende» Werke der Mifchna- und Äidraschlitcrarnr. die ansehnlichen Eodices. welche gleichfalls in verschiedenen Ausgaben erschiene» sind, dann eine Legion scholastische 15rflärcr, Exegese:c.» wie cs überhaupt kein bedeutendes Werk der alten Literatur gibt, das nicht neuerdings cdirt worden wäre. Sav und Druck ist aber auch durch die vielen mit einander concurrireudcn Buchdruckereicn beispiellos billig, (yin Großoctavbogcn mit 3—400« 2lnstage kostet s—9 Rubel, etwa ls M! Setzer und Trucker sind Israeliten, und die Bogen sind mit hebräischer Buchstabcnzahl paginirt. Gleichfalls billig wird die Anfertigung von Matern und der 2lbguß der Stcreowvvlanen berechnet. Dabei läßt die tvpographifche Ausstattung wenig zn wünschen übrig, ivcnn eine leistungsfähige Truckcrci sie besorgt. Zn den Eintagssticgcn des dortigen hebräischen Buchhandels zählt die sogenannte Jargonlitcratnr, deren Bedeutung deshalb nicht zu unterschätzen ist, weil sie sozusagen das geistige Brod der mindergebildetcu Masse» rcpräsentirt, denen das Hebräische nicht so mundgerecht ist, obzwar unter den etwa 3 bis 4 Millionen Israeliten des großen russischen Gleiches auch sehr viele Frauen recht gewandt hebräisch lesen und schreiben können. IS* erscheinen massenhaft Brochuren, die, ä 1 bls 2 Kopeken billig erhältlich, Erzählungen, Sagen» Lieder. Dramen und Legenden in eigenthünilichem Stile dem Volke bieten, dabei aber völlig ethisch gehalten sind, nicht im Entferntesten corrnmpirend. wie die Schauerromane der Lolportage-Litcratur» ' sondern veredelnd auf die Volksseele wirken, wenn

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