Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1887)
- Date
- 1887-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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123 iMinnniMgCH in: cbgclaiifcncü Jahre bic iUiitel uod) reicher zugcflosscn sind als in den Vorjahre». und ihr Olrundvermögen wiederum bedeutend gewachsen ift, wodurch aber auch der Kreis ihrer 2icbcswcrkc wiederum weiter ausgedehnt zu werden vermochte. Tie sämmtlichcn Einnahmen schlicken mit 13,707 M., die Ausgaben mit 7041 M. Ans den Ilcberschüffen von 0000 M. flössen 6200 M. ins Grundverrnögen, 400 M. wurden für Bauzwecke zurückgcstcllt, und der Nest von 60 Ä. ist Kasscnbcstand am Schlüsse des Jahres. Als aukcrordcntliche Einnahme siel der Anhalt tvicdcrum eine Stiftung zu. Frau Salomon Ginsbcrg in Berlin überwies nämlich auf Anregung eines Vorstandsmitgliedes am 30. April d. I., als am Sterbetage ihres vor mehreren Jahren verewigten Ehegatten, weil. Herrn Bernhard Ginsbcrg, unserem Institut den Benag von „dreitanslndsechsbnrrdcrt Reichsmark" mir der Bcstimmnug, das; ans den Zinsen desselben ein >rurbctt für .Binder unter dem Flamen: „Bernhard und Salomca Ginsberg- Stiüung" in der Anhalt erhalten werde. Unsere Anstalt ist demnach nunmehr im Besitze von drei Stiftungen, und zwar von der des Herrn Oppenheim s. A. mit zwei, des Herrn Kommcrz.-Nalb Za lob Israel mit drei, und der Frau Salomca Ginsbcrg mit einem Kurbette. — Das Grundvermögen besieht zunächst auS dem schuldenfreien Grundstücke und Inventar, von denen nach den üblichen Ab- und Zuschreibungen im crstcrcn ein todrcs Kapital von 44,208 M., im letzteren ein solches von «020 M. fcstgclcgt ist. Tic Anstalt war vom I. Juni bis 29. September in Betrieb. Bon 1*9 Personen (-J- 9), welche die Aufnahme in das Hospital nachgcsucht hatten, sind 10-1 gänzlich ttnbcmittclte, aber würdige Personen (-s- 6), darunter 15 Miibcr (+ 14^ unter 14 Jahren, der Wohlthatcn unserer Anstalt theilhasiig geworden mrd haben an 3122 Vcrpflcgnngstagen zum Zwecke einer Tool-, Sec- und Moorbadcknr ganz unentgeltlich Wobnung, Berpflegung, ärztliche Bchandlnng, Arzcncicn und Bäder erhalten. Tic Zurzeit eines jeden Pfleglings bewegte sich zwischen 21 und 50 Tagen und betrug durchschnittlich für die Person so Tage. Tic Anzahl der Bcrpflcgungsragc für das angencllte Ticnsipcrsona! betrug 402, so dasi im Ganzen 3584 Bcrpflcgnngstagc gezählt wurden. An Bädern wurden unentgeltlich verabreicht: in der Badeanstalt des Hosvitals 1002 Loolbädcr idavon 1417 an die AnftaHs-Pfleglingc und 185 an sonstige der Anstalt nicht augchörige Pcrsol'.cr»); in der Toöras'schcn Badeanstalt 7 Moorbäder und in den srädtlschc» Badeanstalten 775 Seebäder. Zu den letzteren wurde von den städtischen Behörden in liberalster Weise die nöthige Anzahl von Frcibillets der Anstalt zur Verfügung gestellt, wofür wir hiermit Wohldcnsclbcn unseren ehrerbietigen Tank abstatten. Ocstcrr.-Ungar. Monarchie. Prag. Ter hiesige Buchhändler I. W. Pasche les'charaklerisirt im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" den eigenartigen jüdischen Buchhandel in Polen und Nunland in folgender Weise: „In den großen Städten durchzieht der bausicrcnde Buchhändler mit mächtigen Paketen beladen die Straßen, kramt in den Häusern und Hotels die Nova aus, und da jeder gebildete Israelit eine kleine oder grosic hebräische Bibliothek, je nod) Bcrmögcrrsvcrhältniß besitzt, so finden sich stets Kunden und wäre cs auch nur für die von mir tvcirer geschilderte populäre „Iargonliteratur". Der seßhafte Buchhändler, der einen Laden, ein Magazin besitzt oder gar in seiner Wohnung ein „Buchergeschän" führt,'hat gleichfalls seine festen Kunden, die von der Ferne regelmäßig bestellen, oder im Orte selbst vone inem Buchhändler zum andern wandern müssen, da bei den vielen Nnterabthcilnngcn der ausgedehnten hebräischen Literatur jeder Buchhändler seine „Spezialität" pflegt. Tcr eine führt nur halachischc Werke (Talmud und Derwandtcs), der andere „Biblia und Exegese". — Jener ist Verleger und Sortimenter für Kabbala und chassidischc Werke, wofür er ein eigenes Stammpublikum bat, während ein anderer die dagegen ankümpsende und von jenem Publicum verpönte Literatur der „Hasccala" führt. Diese sogenannte „Hasecala" bat neben der Tagespreise das größte Verdienst um die Bildung und Verbreitung des Wissens nicht allein in Polen, sondern auch in allen, selbst den entlegensten außereuropäischen Gemeinden, wo immer nur die hebräische Sprache gelesen wird. Sie umfaßt nämlich unter dieser Bezeichnung alle erschienenen Ncbcrsctzungcn jener fremdsprachlichen Werke, welche die Errungenschaften des modernen Wissens ans dem Gebiete der Physik, Ehemie, Medizin, Mathematik :c. bringen, sowie die schöngeistigen Prcßcrzcugnissc. Eine gelungene hebräische Ucbcrsctzung der Romane eines Sue, Tnmas, Disraeli, Verne wird von dem jüdischen Buchhandel in Rußland den eifrigen Lesern in Persien, Bochara, lshina rc. geliefert. Von weitester Ferne, wie aus dem benachbarten Galizien kommen die hebräischen Buchhändler, um ihre Einkäufe zu machen, nach