Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1887)
- Date
- 1887-01-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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idrtfcßltd) von reinen Vögeln die Rede ist, wollen wir uns nach, dem Houptuulerschtidungsmerkmal zwischen den reinen und den unreinen Vögeln Umsehen. Alle Raubvögel sind unrein: Adler, Geier, Sperber, lyfilfeit find un« 511:11 Genüsse verboten. Dagegen ist die Taube, z. B. ein reiner Vogel; ne -verfolgt Niemanden, aber sie wird verfolgt. 80 Israel unter den Völkern. Als der Tichicr Heinrich Heine, der von Geburt Jude war, einst zu einer Iagdpartie cingcladcn wurde, leimte er die Beteiligung mit den Worten ab: „Meine Voreltciu haben stets zu den Gejagten und niemals z» den Jägern gehört." Im Midrasch wird ausdrücklich darauf hingcwicfen, das; Gott die Verfolgten liebt und nicht die Verfolger, und dcsthalb hat Gott die Opscrthiere und die zu opfernden Vogel aus der Neide derer bestimmt, die nicht zu den Naublhicren oder zu den Raubvögeln gehören. „Wie das Lamm von den Naubtdicrcii verfolgt wird, so wurde Israel vielfach vonden übrigen Völkern gehetzt." Tic Geschichte Israels ist die wunderbarste; seit seinem Beginne ist es in den größten Gegensatz zu den heidnischen Völkern getreten und ward dafür geknechtet, unterdrückt, angcfeindet, gehaßt, misthandelt. Nur kurz und vorübergehend war die Zeit der Nnhc und Blnthe;;c r*rw nnc n:p tMischlc 27) „wie ein Vogel, der seinem Neste entfliehen mußte," war cs die längste Zeit feines Daseins auf der Wanderung, fast immer von feinen Feinden bedroht. „Wäre nicht der Gwige für uns gewesen, ste Hütten uns lebendig verschlungen. Unsre Seele, wie ein Vogel (nesr) ist entronnen der Falle der Vogelsteller; die Falle ward zerbrochen, und wir find entronnen" <Ps. 124). — Tic Falle, in der die Acgyvtcr uns gefangen hielten, wurde zerbrochen durch Gottes allmächtige Hand. Dann brachte Gr uns in das gelobte itoiib und liest uns den heiligen Tempel erbauen: re r.ssc "v-ss ca ..damals fand auch der reine, so lange verfolgte Vogel das Hans," damals fand Israel Nutze und Frieden, und der ren ne, der Herr des heiligen Hauses, sorgte für sein Vögelchen, hütete und schützte cs, gab ihm bei 8 ich Wohnung und Nahrung. Allein — Israel fühlte sich beengt in dem Gottcshause, betrachtete cs als eine Zwingburg, glaubte die Freiheit zu erlangen, wenn cs das Joch der göttlichen Gebote abschüttcln, es glich einem rn- -res. Ta wurde das heilige Haus zerstört zum ersten und — nach denen Wicdcrcrbauung — zum zweiten Male; aber die Altäre Gölte» sind geblieben, denn Alles, Alles wird uns ersetzt durch die Thora. Las ist das Nest, in welchem wir unsre Jungen bergen, nachdeur das Haus ist zerstört worden. — Las israelitische Reich war. in seiner ursprüngliche» Form eine Theokratie; kein sichtbarer ttönig stand an feiner Spitze; sein König war ciuzig und allein der Herr des Weltalls. Später mußten wir auch irdischen .Königen dienen: aber mein Gott ist immerdar mein Gott geblieben, Gr allein und Niemand neben Ihm. — Und nun ist die Deutung des Pfalmvcrfcs ciufach, dem Wortsinne entsprechend: „Auch der reine Vogel (Israel) fand ein Haus, und der aus dem Haufe entfernte Vogel (Israel in der Verbannung) ein Nest für sich, wo er feine Jungen barg." Und welches ist dieses Haus, welches ist dieses Nest 'i „Deine Altäre» Herr des Weltalls" — die Altäre einst im heiligen Haufe zu Jerusalem, die Altäre jetzt, die wir überall errichten, wo wir unsere Binder die Lehre Gottes lehren; mein König (in meinem eigenen Lande), und mein Gott allüberall. Tiefe Altäre Gottes sind aber mr die Vorbereitungen für das ewige Leben, und daher fährt der Pfalmift fort: „Zweifaches Heil Denen, die hicnicdcn inDeinenr Hause wohnen, im Jenseits wird ihr Lcbe» ein ununterbrochener Lobgcsang sein dem ewigen Gotte." Und dcsthalb deutet unsre Talmndstcllc in demselben Psalmedc» Vers: *p« -;~sra er ec a „denn bester ist ein Dag in Deinen Höfen beim taufend" auf die Vergleichung des heiligen Lpferdicustes und des Thora-Lernens. „Lieber ist Mir", spricht Gott zu David, „ein Tag, an roclchcm du dich mit der Thora beschäftigst, denn jene tausend Ganzopser, die einst dein Sohn Salomo vor Mir darbringcn wird ans dem Altäre." Gros; und heilig ist das Gotteshaus und der gottbcfohlcne Opscrdienst; aber wichtiger ist das Thora-Lernen; das ist das Nest, wo wir unsre Jungen hegen, auf daß sic hcranwachscn in Furcht vor Gott, in Liebe zu Gott — der ewige Bestand unsres Volkes. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und (rorrespondenzen. Deutschland. (Dolberg. Dem dreizehnten Jahresbericht über die Verwaltung des jüdischen Kurhospikals Irsr re) im Sec-, Sool- und Moorbadc Golderz im Jahre is,s#> entnehmen wir: Wir können die . uns erhebende und crmuthlgeude Tharfache feftftellen, dast unserer ge-