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Der Israelit · 1887-01-24 · Heft 7 (24.1.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 7 (24.1.1887)
Date
1887-01-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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114 hängnißvollen Wendepunkt in der Geschichte des preußischen Schulwesens" bilden. Tiefe dc>3 Ministers Wottc ergänzenden Bemerkungen Halle wie sich nicht anders ermatten läßt. Wiese mir dessen Zustimmung dem Landlage vorgctragcn. Tie Inden sollte» ein für alle Mal vom Lehramt fern gehalten werden, hatte ja der Minister einmal seinen! Vortragenden Rarhe unter vier Augen erklär!, daß er eher aus dem Anne scheiden, als einen Juden als Lehrer zulasscu werde; hier galt cs nur Gründe zu suchen, und diese erfreuen sich ja bekanntlich eines sehr billigen Marklpreises. Unter dem Ministerium Mühlcr (1862—72) trat unsere Frage auf den Landtagen wieder in de» Vordergrund, ohne aber aus den schroff prinzipiellen Widerstand zu frosten. wie ihn der vorhergehende Minister vcrrrat. In Breslau waren seitens des städtischen Patronats zwei neue Gebäude für ein Gymnasium und eine Realschule errichtet worden. Ter Breslauer Magistrat wollte beide Anstalten consessionslos haben, was aber der Minister nicht zugebcn wollte, der daun vor dem Landtage, als die Angelegenheit hier zur Sprache kam, Folgendes erklärte: . Er wollte keineswegs die frühere strenge tonfessiouelle Scheidung, die nach den neueren territorialen Veränderungen nicht mehr angängig sei. aufrecht erhalten. Er habe gegen eine „Eousefsionslosigkcit", bei welcher der christliche Charakter einer Schule gewahrt werde, nicht viel cinzuwcndeu; „vom Standpunkt evangelischer Toleranz könnte in einzelnen Fällen auch die Anstellung jüdischcr.rLchrcr genehmigt werden, falls nur das Prinzip anerkannt werde, im Sinne von Art. 14 der Versanurlgsurknude. das; bei denjenigen Einrichtungen des Staats, welche mix der Rctigionsübung in Zusammenhang stellen, also auch bei de» öffentlichen Schulen, die christliche Religion zu Grunde zu legen sei.Mönwc es ohne wesentliche Bceinlrächtignttg des christlichen Charakters einer Anstalt gefchclien, so werde er Juden als Lehrer zulasten, und seine Anerkennung ihrer staatsbürgerlichen blechte auch dahin ausdehnen; er. müsse sich indes; die Prüfung des einzelnen Falles Vorbehalten. Wolle mau dagegen wie in Breslau völlige Leere und Charakterlosigkeit in religiöser Hinsicht, so müsse er solchen Anstalten die Glkichdcrcchligi'.ug mit den bestehenden versagen." Wie gewunden auch diese Erklärung des, Ministers in Bezug auf die-Anstellung jüdischer Lehrer ist, wie viel Vorbehalte auch gemacht sind, die dem Juden den Zugang zum Lehramte erschweren, wie sehr man auch aus allen den Worte» Mühlcrr das Rein heraushön: so war doch diese Erklärung ein Ausgeben des Berhmann-Hollwcgschen Standpunkts, welcher das Nieurals zu feiner Unterlage rnachre. Freilich blieben die Worte Mühlers, so lange er am Ruder war, nur Theorie, doch konnte man ans dieselben zu einer günstigeren Gelegenheit wieder zurückkommcn. Wenn wir dem Grunde nachspürcn wollten, der Mühlcr dazu bewog, ein Prinzip auszusprcchen, das feiner Denkweise ebenso fremd war wie der seines Vorgängers, so könnten wir denselben wohl in bereits gegebenen Thatsachen finden, die ihn dazu zwangen. In den neu annckttrtcn Ländern fand er Inden an städtischen höheren Schulen vor, die er wohl nicht gut dcsavouiren konnte. Unter Falk (1872—70) veränderte sich die Sachlage wie mit einem Schlage zuut großen Leidwesen Wiese'». Eine seiner ersten Tharcn war, die Breslauer Angelegenheit im Sinne des Magistrats zu erledigen, neben evangelischen und katholischen Lehrern wurden auch jüdische an den neu errichteten Schulen angcstclll. Ferner wurde von der bclrcsfenden Gemeinde der jüdische Religionsunterricht in den Lehrplan der Gymnasien und Realschulen aufgcnonlmen, und die Lehrer aus der Staatskasse renumerirt. Ter Anfang hiermit wurde im Jahre 1872 in der Provinz Posen gemacht. Heber alles Tis nahm der Minister Gelegenheit sich im Landtage vri.icipicll auszusprcchen, als Tr. Tcchow den simultanen Eharakler der öffentlichen preußischen Schulen a!S den natürlichen erklärte und im Zusammenhänge damit die Zulassung jüdischer Lehrer fordeae. Der Minister trat dieser Ansicht open bei. Blau muß eS Diese lassen» daß er alles Mögliche ansbot, den Minister ulnzustimulen, doch ohne Erfolg. „Er Hane Geduld." so drückt sich Wiese aus. „mit luciueu Einwendungen, ober sie machten ihn in seiner Auffüllung nicht irre." Als Wiese seine Gründe erschöpft Hane und dann auf Lassalle rccuttittt, der als Jude selbst gesagt, daß die Juden das Deutsche-verdürben und auf Berichte aus Posen hinwics, in denen geklagt wurde, daß die starke Mischung der Classcufrequcnz mit jüdischen Elementen schädlichen Einsiuß aus die Sprach- und Schreibweise anderer Schüler habe, da konnte der. Minister füglich nichts Anderes thun» als was ei» gcscheivtcr Mann aus solchen Gründe antwotten kann: er lachte. Unter solchen Umständen blieb Wiese nichts Anderes übrig, alsbald seinen Abschied zu nehmen.

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