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Der Israelit · 1887-01-24 · Heft 7 (24.1.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 7 (24.1.1887)
Date
1887-01-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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.Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer hat wegen seiner rastlosen und ärisopfenmgsvollen Thärigleit in der Agitation gegen die Thierschüsler-Bittschrift von einer größeren Anzahl von Gemeinden Deutschlands, so u. a. von dem Vorstände der Leipziger Synagogen-Gemeinde tiefsinnige Dankadressen erhalten. — Tie berüchtigte antisemitichc Verlagsbuchhandlung von Schulze bierselbst, welche' die gcsammtcn internationalen Hcsvrodukie kolportirte, hat ihre Bude geschlossen. Ihre „KchrauS- Biblio.hck", welche die löbliche Absicht harte, die deutschen Juden „auszufegen" steht in „.‘20,000 Exemplaren" zum Verkauf: ein antisemitischer Kehraus! — Verschiedene Blätter melden die Verlobung zwischen Fräulein Paula Oppenheimer und Herrn Dr. Richard Dehme!; Fräulein Paula ist die Tochter des dies. Reformprcdigcrs Dr. L p P e u h e i m e r, der Bräutigam gehört dem christlichen Bekenntnisse an. — Oestcrr.-ttngar. Monarchie. Wien, IS. Januar. In der heurigen SiLnng des Wiener Gcmciudcrarhs verlas der Schriftführer folgendes Schreiben der Frau Sophie Baronin Todesco: Wien, 17. Januar. Hochwohlgcborcncr Herr Bürgermeister! Im Sinuc der lemwilligen Verfügungen meines heute verschiedenen (Balten Eduard Freiherr v. Todesco beehre ich mich, Euer Hochwohlgcborcn im Namen der Ihkn 10,000 fl. Oe. W. beiliegend mit der Bitte zu überreichen, hievon ^000 fl. zur Vcrihcilung an Arme ohne Unterschied der Corrfcsnon zu verwenden und die restlichen 2t>oo fl. dem Wiener Wärmcstubtn- und WohUhätigkcils-Vcrcinc znkommen zu lassen. Mil dem Ansdrucke meiner ansgezeichncten Hochachtung Euer Hochwohlgcborcn Ergebenste Baronin Sophie Todesco m. p. Tiefes Schrciben wird zur Kenntnis genommen und der Baronin Todesco der Tank votirt. Wien. Ein seltsames Reise-Abenteuer, das für.russische Verhältnisse charakteristisch ist, passsne vor Kurzem dem berühmten Wiener Augenarzt Professor Tr. Mauthncr, der in Begleitung eines Dieners, nach Kiew fuhr, um an einem dortigen Millionär, der ihn per Telegraph berufen harre, eine Operation vorzunchmen. Tic Neben chressnng der Grenze bei Podwoloczyska schien keine Schwierigkeiten darzubrcten. Ter Diener ließ das Gepäck revidiren, kehrte prompt zurück und feste sich wieder in das ConpS zweiter Klasse nebenan. Ter Professor mochte eben den Versuch, nach Rußland hiniiberzuschlummcrn, als er vernahm, wie der Gendarmerie-Lieutenant seinen Tiencr an das Waggonfenster cilirt. Nun entspinnt sich folgender Dialog: „Ihr Herr ist doch Katholik?" — „Ich weiß nicht, aber ich glaube schon. — „Da müßte ich zuvor meinen Herrn fragen." In diesem Augenblicke öffnet der Professor, welcher jedes Wort dieses Zwiegesprächs vcrnonimen, die Thür feines Coupes, und um den Zweifeln feines Dieners und deSGcndarmcrie-Licutcnanrs rasch ein Ende zu bereiten, ruft er dcru Lieutenant zu: „Mein Herr, ich bin, entschuldigen Sie, Jude!" — „Tann muß ich Sie bitten, das Coupe sogleich zu verlassen!" — „Ja, warunl benit? Mein Paß ist doch in Ordnung!" — „Gewiß, aber ausländische Juden dürfen nicht nach Rußland!" — „Aber ich reife ja nicht zu meinem Vergnügen und um Rußland zu sehen. Ich bin Augenarzt und zu einem schwer kranken Patienten nach Kiew telegraphisch berufen!" — „Das glaube ich Ihnen aufs Wort, aber ändern kann ich die Vorschriften doch nicht!" Alle weiteren Debatten erweisen sich als fruchtlos, der Professor und fein Tiencr müssen die Waggons verlassen. Nun stürzt der Professor auf das Tclegraphcnburcan. Seine erste Depesche ist an den K iewcr Millionär gerichtet, den er von dem Vorfälle verständigt: ein zweites Telegramm sendet er an den russischen Botschafter in Wien, Fürsten Lobanoff. Inzwischen braust der Zug davon und der Professor bat bis zur Erledigung seiner Angelegenheit hinlänglich Mnßc, sich mit den Reizen von Podwoloczyska und Umgebung zu bcsayen. Rach einigen Stunden crbält er eine Depesche aus Kiew von seinem Patienten: „Ich habe Alles aufgeboteir. um Ihnen die Resse zu ermöglichen. Bisher ohne Erfolg." Bald darauf eine zweite Depesche: „Ter Gouverneur bat mir soeben seine Intervention .zngcsugt. Hoffe. Sie bald hier zu sehen." Vom Botschafter in Wien kam keine Antwort. Der Inhalt des an denselben gerichteten Telegramms war auch in der That gereizten Tones . . . Zlach langen, bangen Stunden raucht endlich der Gendarmerie-Lieutenant wieder aus. „Herr Professor", ruft er dem fast schon Verzweifelnden zu, „weben telegraphkrt mir Se. Exccllcnz der Herr Gouverneur von Kiew, daß Ihrer Reise dahin nichts mehr im Wege steht. Sie können den nächsten Zug benuxen." Und da ist auch schon der nächste Zug^ und der Professor, der in die russischen Verhältnisse in so kurzer Zeit so gründlichen Einblick gewonnen, dampft weiter in das Zarenreich. In Kiew operine er fernen Patienten und machte sich möglichst rasch aus die Rückreise. Da erreicht ihn wieder eine Depesche: Ter Gouverneur von

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