Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1887)
- Date
- 1887-01-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Odessa telegraphirt ihm, er habe von seiner Anwesenheit in.Kiew gehört, er bitte, ihn dein,fs Konsultation gleich zu besuchen. «Nein," sagt der Professor, „iefi habe genug an meinen russischen Abenteuern." Er lehnt höflich ab und kehrt zurück nach Wien, uni recht bald mit seinen zahlreichen Freunden über russische Knlrur und russischen Fortschritt plaudern zu können. (Nach neueren Berichten wird diese ganze Darstellung dcmcnrirr; Herr Prof. M. sei vielmehr urit der größten Liebenswürdigkeit und ZnvorkommcnhciL von den russischen Behörden behandelt worden. Red.) Budapest. Ein M.-Szigctcr Advokat wurde von der dortigen israelitischen Knltusgcmcindc zum Matrikenführer gewählt... Tie betreffende Kammer forderte nun — wie r(Tgrv. Lapja" meldet — teil Advokaten auf, entweder seiner Stelle als Matrikrnfnhrer zu entsagen, oder ans die Ausübung der Advokatur Verzicht zu leisten. Dieser Tage hat nun auch die königliche Kurie, an welche der Advokat appellirr harre, den Beschluß der Kammer bestätigt und ausgesprochen, das; die Stelle eines Matrikeiiführcis mit der Ausübung der Advokarurs- Praxis unvereinbar sei. Rumäne u. llr. 0. Bukarest, 16. Januar: Ich habe Ihnen taugst über die Lcbcnsucrhälinisie der israe- Ixiifdicii Gemeinden in Rumänien schreiben wollen, ich konnte jedoch dazu nicht kommen. Lehr Rühmliches habe ich da-über nickt zu sagen, da sie in Folge der politischen Lage der Israeliten nicht zur Lammlung gelangen können. Aber Ausnahme har bekanntlich jede Regel, und so ivill ich denn für beute aus Pojcjchn ein Faktum hervorbcben, welches zwar i.’qi der ftnncirbc zuznfchrciben fit, jedoch immerhin der Plojcscklicr Israeliten zur E!:rc gereicht. Es den isst dies die i s r a c! i 1 i s ch c Schule dorlsclbsi. Tic Schule ist durch ein bedeutendes Legat des vor mehreren Jahren vcrstorl'cnc» Herrn Luka Moisc errichtet und damit gegen ein Begctircn von Bercins Gnaden sicher gestellt worden. Sic trägt auch des Stifters Namen, Gcgenwärtig wird sic von dreihrrndert Schülern besuch!, von welchen, cs verdient dies ganz besonders hcrvorgchoben zu werden — hundert Kinder chrisi 1 i ch er Rumänen sind. Tics iss nicht nur für Rumänien merkwürdig, sondern cs dürste auch in anderen, — fortgeschrittenen — Ländern höchst selten Vorkommen^ daß in einer speziell israelitischen Schule christliche - Kinder, und selbst in nicht so bedeutender Anzahl (ein Tritthcil), ihre erste Erziehung genießen sollen. Dieser Umstand spricht auch dafür, daß die Anstalt ciuc musterhafte ist und daß so viele christliche Eltern cs darum vorzichen, statt in christliche Privatodcr öffentliche Siaatsschulcn, ihre Kinder in die «Luka-Äo'nc-Schulc" zu schicken. Das Programm derselben ist natürlich das vom Untcrrichlsminister vorgcschricbcue und für olle Prinrärschnlen giltige. Außerdem aber enthält jede israelitische Schule in Rumänien auch noch Deutsch und Hebräisch, was auch in der Plojeschticr der Fall. Diese zwei Lehrgcgcnständc nehmen auch die christliche« Schüler und vier derselben sollen sich namentlich im Hebräischen noch mehr anSzcichncn als die übrigen israelitischen. Der Borrrag und die Ucbcrscvnng für alle Lciirgegenstände, also auch für Hebräisch, hebräische Grammatik und Deutsch ist in rumänische - Sprache, was außer der Bukarener «Jakob und Karolina Löbcl-Schule" sonst nirgends in Rnmänirn vorlommt, weil mit den in's Land gekommenen österreichisch-israelitischen Lehrern der iluterricht durch die deutsche Sprache verminclt wurde, (früher war cs in Jargon-Jüdisch). Eigenerumäuisch-rsraclitischeLehrer, die alle Gegenstände in rnmäuischcr Sprache Vorträgen sollen, sind icitrem, mangels eines Seminars, nicht hcrangedildct worden. Nur noch der rumänische ttnterrichisgcgcnstand wird überall rumänisch vorgctragcn und zwar von israelitischen, meist GclcgcnheitS-, Lehrern d. h. Grmmasiastcn n. dg!.., welche es von ihrem eignen Lernen gewöhnt sind. Indem in Plojeschri das Bortragcn in der Landessprache ciugcführl ist, nach dem Princip des großen Moses Mendelssohn, wird dies auf die israelitischen Kinder einen nach allen Richtungen hin vortrefflichen Einslust ausüben. Der Mitbeiuch der israelitischen Schule aber durch christliche Kinder ist von unberechenbarem Werth. Er wird dazu beitragen, daß die .Härten, welche sonst die rumänischen Christen gegen die rumänischen Israeliten schon vom Hanse aus haben und in den Staatsschulen von vielen Lehrern selbst den Kindern cingcimpst werden, daß diese Härten in Plojeschri mit der Erziehung in einer israelitischen Schule zum Dhcil verschwinden. An diesen Umgang mit israelitischen.Kindern und Lehrern werden sic sich im späteren Lebe» erinnern ~ und die zunächst israelitische Toleranz wird in der Zukunft die christliche Toleranz wenigstens derjenigen zur Folge haben, die jetzt und später die «Luka Äoise-Schnlc" besuchen. — Es ist Ihnen bekannt, daß seit der Einführung des Art. 44 des Berliner Vertrages in die Rumänische Verfassung als Art. 7 derselben vom Jahre 1879 bis jetzt iui Ganzen einige fünfzig Israeliten naturalisirt wurden, und zwar aus guten Gründen die Reich-