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Der Israelit · 1887-01-20 · Heft 6 (20.1.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 6 (20.1.1887)
Date
1887-01-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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dann den Bitten von beiläufig 500 Gemeinden kaum widerstehen fömicii: thm er es oI»cr dock, dann stehen noch andere gesetzliche Wege offen, welche zu betreten, nicht gescheut werden darf: die Gemeinden haben die Pflicht, l»is aufs äiifjcrfrc zu gehen und dürfen nicht rnhig Zusehen, das; die künftige Generation von Sraalswegen zur Verletzung heiliger Ladungen der jüdischen Religion angehalteu wird. Frankreich. Paris. Herr Brnill wurde zum Präsidenten der Gesellschaft der bürgerlichen Ingenieure in Pari» ernannt. Herr, Ingenieur Ä'-chcl Levy hat einen Theil de» Preises Baillant (Geologie) erhalten. Frau Baronin Gustav v. Rothschild hat mit ihren beiden Töchtern bei ihrer Reise durch Marokko die Lcknlen der „All. Isr." in Tanger besucht und mit großem Interehe die bedeutenden Fortschritte der Schüler wahrgenommen. M a r o c c o. Marokko. Mehrere angesehene Inden dahier hatten den Sultan mit die Erlaubnis; ersucht, e.-:s;erhalb des jetzigen Mcllahs Häuicr errichten zu eürsen. Tcs Gesuch wurde abschlägig bcschicdcn. Feuilleton. W i ch a c f. t'r;ählui!g von £. tlohn, Dkrfasscr von Eabrirl. (Fortsetzung.) Golzinger durchschritt in höchster Aufregung daS Zimmer, Lorenz verfolgte ihn mit verzehrenden Blieken. seine Zukunft, sein Schicksal hing von der Entschließung seines BatcrS ab. Plötzlich blieb der Bürgermeister vor seinem Lohne siehe». „Ja, ja, ja," stöhnte er tief aut. „das sehe ich ein, wenn der klugr, energische Michael 5t lei:: Dich anklagr, — und er wird seine 5tlege vorhin Forum bringen, das sich nicht von mir deeinstunen läßt, und sic durch vsllgiltige Beweise unterstützen — dann bist Tu nichtswürdiger Lohn und Mensch verloren, und ich mit Dir! ..." „Mir etwas zu beweisen wird dem vcrfl. Inden doch schwer fallen!" schrie Lorenz. „Als Zeugen könnte er höchstens seine Ptlegcschwesier aninhren. Ich glaube, es gehört keine besondere juridische Geschicklichkeit dazu, diese als eine verdächtige. unglaubwürdige Zeugin hrnzustcllen. Bon den drei feigen Burschen, die ich für schweres Geld gewonnen, mir bei dieser mißglückten Affaire behilflich zu sein, haben zwei die Flucht ergriffen, der drille liegt todt auf der Landstraße. Don dem ist auf keinen Fall etwas zu befürchten, und die beiden andern Hundsfötter werden sich wohl hüten gegen mich änSznsagen, sie würden ja hierdurch ihre Mitwissenschaft und Mitschuld bekennen." Bürgermeister Golzinger war ciu Schurke, aber er war in der Benrthcilung einer verbrecherischen Handlung nur in Bezug ans sich selbst, nachsichtig, gegen sein Sohn aber befand er sich jetzt in gereizter Stimmung. Während der kurzen Zeit seines Aufenthaltes, in seiner Heimath in der Nähe seines Batcrs, der ein Lertraucnsautt bekleidete, hätte ct — nach Golzingcrs Anschauungen, vorsichtig sein, sich mäßigen, nichts unternehmen sollen, was auch ihn — den Bürgermeister — compromittiren konnte. Er wollte ihm die Lust zu einer Wiederholung ähnlicher Ausschreitungen benehmen, ihn, eine kurze Zeit, bevor er ihm Hilfe gewährte, zappeln lassen, auch ihm beweisen, daß es nicht leicht sei, ihn zu einem ineorrekrerr Schritte zu drängen und cr sprach: „Hm, das ändert wieder meine Anschauung. Wie Tu selbst sagst, hast Tu nichts Ernstliches zu befürchten. Wenn Michael .(Nein keine Zeugen für Tein versuchtes Verbrechen aufznbringen vermag, kann man Dich auch in der Thal nicht vermthcilcn. Ich habe es daher nicht nöthig, eine llngerecknigkeil zu begehen und kann der Sache rnhig ihren natürlichen Lauf lassen, meinst Du nicht auch „Nein, nein, nein:" heulte Lorcnz mit wilder Hesrigkeit. „Das versiehst Du nicht. In der Armee und beim Adel nimmt man die Sachen viel strenger als bei Euch bürgerlichen Leuten. Wenn ich in dieser Angelegenheit angeklagt würde, würde auch, wenn ich srergesprochen würde, kein Offizier in der ganzen Armee mit mir dienen wollen. Ich müßte sofort quittiren." „Daran läge mir blutwenig," erwidere der Bürgermeister, in den Ton seiner Stimme die höchste Verachtung legend. „Seitdem Du durch meine Bemühungen Baron und Offizier geworden bist, hast Du Tick in frechster Weise über mich und Deine brave Mutter erhoben: ein tüchtiger Schlag, der Deinen unbändigen Stolz träfe, wäre Dir selir zuträglich, llebrigens mußt Du auch für den Militärstand nicht die geringste Eignung besitzen. Du dienst jetzt schon so lange und hast cs nicht weiter als bis zum Unterlieutenant gebracht. Gestern Abend im Weinhause hat der Regimentsarzt erzählt, der blutjunge PrinzKaltern-Moggendorf, ein halbes Kind, wäre schon nach fünfmonatlicher Dienstzeit zum Lieutenant avancirt. . . ."

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