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Der Israelit · 1887-01-20 · Heft 6 (20.1.1887) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 6 (20.1.1887)
Date
1887-01-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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„Weil er der G'iifcl eines regierenden Fürsten ist,- warf Loren; dazwischen, aber der Bürgernreistcr, die Einschaltung seines Sohnes nicht bemerkend, fuhr mir scheinheiliger Miene fort: „Das allein könnte mich in keinem Falle bewegen einen Unschuldigen leiden zu lasten. Ich gönne Tir, der Tn Dich gegen die Teinen überhobst. die verdiente TemütKignna. Blos wenn Tn mich davon zu überzeugen im Stande bist, daß gegründete Bcsürchtnngcn vorliegen, Tu könntest als gemeiner Verbrecher vernrtheilt werden, könnte mich dies, als Vater, dazu drängen zu Teinen Gunsten einmichreilen." Loren; knirschte mit den Zähnen und nmrmelte. „Nun denn. Tu kaltherziger, egoistischer Vater, wenn es Tich freut, mir ein peinliches Gesländniß 5» erpressen, must ich Tir auch diesen Triumph gönnen. Wenn mich Mlciu anklagt, komme ich vor ein Militärgericht, da gibt es andere Richter als Tn es bist, diese sind unbestechlich und würden der Sache aus den Grund gehen wollen. . . . Es ist ja bekannt, das; ich mich unter den kästen des Fürsten Lichrensteiu befunden. Ich bin von dort viel früher anigebrochen, als es für die Vinlirronde nötlng war, und das ist schon meinem Spiclnackbar ausgefallen und er hat dies als;n weit getriebenen Pflichteifer bezeichnet — das inüstte jetztzur Sprache kommen. Tann war ich nick» vorsichtig genug. Ich Hab' halt nicht gedacht, das; die affrense Assairc eine solche Weudnng nehmen könnte... ich habe auffallende Tummheiten gemacht. Ich bin in einem miserablen Einspänner — cs war in Teinem elenden Neste kein anderes Fuhrwerk auftubringen — binansgesahren, Hab' das betrunkene Vieh, den Rikolaner gezwungen. in Posewitz;u bleiben bis ich wieder nach 2r>.;iiiiicffelnc, — und bin dann doch weggcritten — das Vlies müstie ja anffallen, meinst Tn nicht auch?" Golzinger war in seiner Erbitterung gegen seinen Sohn noch immer nicht geneigt ihn schon jevt von seiner Seelcnqnal;u befreien, und er sprach langsam, bedächtig und mit überlegenem Lächeln: „Tarüber mein lieber, gerarhener, zärtlicher Sobn brauchst Tu Tir kein graues Härchen wachsen;n lassen. Tie jungen C^miere werden beim äininc und Spiele nicht daraus geachtet haben, wann Tu Voscwiy verlassen hast. Tast Tn zurückgeritten und nicht gefahren bist, kann leicht durch eine Aendernng der Umstände erklärt werden. Früher glaubtest Tn, es würde regnen oder schneien, darum ließest Tn freu Wagen ans Dich warten, als Tu Posewitz verlicstest war eine helle frische Wintcrnachr. und Tu hast es vorgezogcn zu reiten." Loren; begann zu befürchten, sei« Vater wolle ihn seinem verdienten Schicksale überlassen und er rief ängstlich: „Ader auf dem Wege von Neuhof nach W. wird ja der Todte gefunden werden. Ta wird man wohl Alle, welche in dieser Nack» die Straße passinen, fragen, ob sie nichts Verdächtiges, nichts von einem Streite oder Anfälle gesehen, gehört oder bemerkt haben." „Tcr Todte wird in dem Weichbilde der Stadt gefunden werden und die Untersuchung dieses Falles fällt mir;u. Wenn Tich nicht Tein Gewissen bedrückt, den Tod eines Menfck.cn, Tcknes Spießgesellen, veranlaßt zu haben, kannst Tn ruhig sein." „Ulrich Lodercr war ein elender Lump, der während seiner Tienstzeit zweimal Svicßrnthen laufen mußte und über sechshundert Stockprügcl bekommen hat." „Mit einer schönen Gesellschaft har sich mein licbwenhcs Söhnchen, der hochwohlgeborcne Herr Baron Horncck-Golzinger eingelassen! .... Ich werde TiÄ entweder gar nicht als Zeuge vorladcn lauen, oder wenn ich ans Rücksicht für den Gerichtshof dazu gezwungen würde, mich mit jener Aussage begnügen, die ich mit Tir cinstndircn würde. — Wenn Tn nicht die Anssagen Lebender zu fürchten hast, wird die Sache glatt adlanfen." „Ich habe Tirs ja gestanden, ich habe mich zu einigen Unvorsichtigkeiten hinrcißcn lassen. . . . Ich konnte zwar nicht ahnen, daß die miserable Assaire ein so unglückliches Ende nehmen würde, aber ich wollte doch um die Uniform nicht zu comproniitliren, die -tlcidnng wechseln, und habe mich unterwegs m dein einschichtigen Wmhsüause zum goldene» Bären überklcidct, und dort cin Zimmer bestellt: wenn der Lump, der Wir:h plaudert. . . ." „So! in dieser Gaunerherberge. in dem Spikbubenversteck, in dem Schlupfwinkel aller Verbrecher der ganzen Gegend hast Tu Tein Absteigequartier genommen!" meinte der Bürgermeister hohnvoll. „Toch darüber kannst auch ruhig sein, der Winh. der rolhe, einäugige Fritz ist in seinen Aussagen nicht so penibel. Wenn Tu ihm eine Handvoll Thalcr znstcckst, oder wenn ich ihm versprechen lasse, ein Auge zu seinem verbrecherischen Treiben zuzndrnckcn, beschwört er, daß er Tich sein Lebtag nicht gesehen. Bislang hast Tn mir nichts mitgetbeili, daß mich zu einem enremcn Schritte veranlassen könnte." (Fönfttznng folgt.) Briefkasten der Expedition: $. &. 5G: einmalige Ausnahme Mt. t5U.

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