Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1887)
- Date
- 1887-01-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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94 lcitunll jum Dalurud. Auch als Lichter hat er sich mit Glück versucht. Als er im Jahre 1055 starb, folgte ihm sein Sohn, Rabbi Joses, als Nagid, ebenfalls eine cdcl angelegte Zratnr, dem aber,'da er nicht. wie sein Barer, aus niederen Verhältuinen empor -gekommen war, die dcmülhigc Gesinnung und Bcscheidcnhcil fehlte, welche jenen ausgezelchnet haue. Das, wodurch er sich zuerst die Ungunst seines 5tönigs zuzog. gereicht ihm indch zur Ehre. Bei den fonwährenden Feindseligkeiten und Reibereien, die zwischen Araber und Mauren staufanden, fahre der König einst den entsetzlichen Plan, am Freitag, wenn alle arabischen UnrerH-anen seiner Hauptstadt in der Moschee versammelt seien, diese ermorden zu lauen. Rur Joses wühle davon, und als ihm alle Versuche, den Sfönifl von seinem Vorhaben abzirbringen, mihlangen, vcrricth er den Arabern die ihnen drohende Gefahr und rettete sic. Ter König, der zum Schein seinem Grohvezicr Recht gab, verzieh demselben im Herzen doch nie ganz diesen Ur:gehorsam. Ter Fanatismus gegen den jüdischen Grohvezicr wurde auch auhcrdcm immer gröher und machte sich sogar in bcihendcn Spottgedichten gegen ihn Luft, und als ein feindliches Heer die Stadl Gordova heimfnchte, da wurde das Gerücht verbreitet, das; Josef mit den Feinden im Bunde stehe, was einen Aufstand zur Folge hatte, bei dem er erschlagen wurde. — Wenn so der Boden, auf dem die Juden Spaniens standen, auch ein schwankender war, so war doch die Wirksamkeit dieser hochgestellten jüdischen Männer auch für das IudenUmm nicht ohne Spuren geblieben, und unter allen «Erscheinungen dieser Zeit ragt besonder« ein Dichter hervor, der gröhte und gefeiertste unseres Volkes, seitdem die Harfe David« verstummt ist: Salomo-Ibn Gabirol, der durch seine begeisterten und begeisternden wieder ein Licht augezüudct hat, das heute noch hell strahlt. Dunkel sind die Lebeiwschicksale Gabirol's. Früh der Oltnn beraubt, kam er schon als >ruabc in die iremde Welk, was den ihui eigenen Zug von Melancholie erklärlich macht. In Saragossa ward er der Schübling und Freund eines gewissen Iekuriel. der hervorragende Kcnr-tt::sse in der Astronomie besah. Ein treuer Schlag traf ihn mit der Ermordung Iekuliels, und dies umdüsiene die Welt noch mehr für ihn, so dah er selbst im Glanze der uurergekcuden Sonne einen Flor erblickt. In Granada findet er dann eine neue Hcimath und den Schutz Samuels. Redner charakrerifirte hierauf in seffeludcr Weise diejenigen Lieder Gabirols, die noch heute in den Svuagogcu Israels ertönen und die uns stets in gleicher Weise ergreifen und sortrcihm, sei cs in dem täglichen Morgengeiange znr«, oder in der am 17. Daraus gesungenen Klage des Gefangenen in den Händen Babcl's und Scir's, rtyr, wie in Dem it lüge liebe vom 9. Av, zerr b'y prsr, wn Samaria und Jerusalem den Wettstreit führe», ob das Schicksal der crstcrcn, die nach kurzer Blürhe geknickt worden, oder das der letzteren, die zweimal begnadigt und zweimal erniedrigt worden, ein traurigeres fei, und so in den erhabenen Sc!ichoth-Gcsärrgtu, rvrrj -nrp nnr und besorider« in dem am Rüstlage des Neujahrsfestes und am Bcrsöhnungstaae gesungenen p-sn ir: crs*. In kurzen Zügen jkrzzirre Redner ferner die Hauprdichrung Gabirol's, feine „Königskronc", die, obwohl wegen der überwundenen Raurranfchauuug die Spuren der Zeit an sich tragend, doch noch das Ideal der Verbindung und Turchdrirrgnng von Denken und Glauben darstellc. Redner schlich: mir dem Hinweis auf die Sage über den Dod des Dichters. Ein Araber, neidisch auf seinen Ruhm, erzählt diese Sage, habe ihn ermordet. Unter einem Feigenbaum wurde seine Leiche begraben, und stets neue fruchte trägt dieser Baun». GS ist dies nur eine Sage. Nicht der todte Gabirol, aber der lebende habe an dem Baume des jüdischen Geisteslebens schöne herrliche Früchte zur Reife gebracht, jene unvergeßlichen Lieder, die uns und allen weiteren Geschlechtern Israels die Labung gewähren. Mögen den» auch wir. Jeder in feinem Dhcile, fortarbeiten an der Pflege dieses Baumes, dah er Schatten und Stärkung uns und allen Folgezeiten bicrc. — Begeisterter Beifall lohnte den Redner. Dcsterr. - Ungar. Monarchie. Pcfth. Die Zurückweisung des Gesuches der 44Rabbiner durch den Kultusminister har in allen jüdischen Kreisen, in den orthodoxen wie i« den fonschrittlichcl:, das peinlichste Aufsehen, erregt. Der Minister hat cS nicht für uothwendig gefunden, die Zurückweisung auch nur mit einem Satze zn begründen, und doch waren cs Rabbiner aller Parteien der ungarischen Iudcnhcit, die das Bittgesuch unterschrieben hatten. Gin solches Verhalten fordert mir Recht die Entrüstung aller Parteien heraus. Nunmehr sind grohe und angesehene Gemeinden in Aktion getreten: diese haben an den unerbittlichen Minister eine Eingabe gerichtet, daß er gestatten möge, dah nicht nur die Kinder vonRabdinc» und solche, die Rabbiner werden wollen, sondern fämmrlrche jüdische Schüler der Mittelschulen vom -schreiben und ZciLnrn am Sabbat dispensirr werden mögen. Es ist Pflicht fäurru'.licher jüdischer Gemeinde», sich dieser Eingabe anzuschliehcn. Der Minister wird