Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1887)
- Date
- 1887-01-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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■] '1. ■j ■1 .7 - •- >. - '7 7 XXVM. Jahrgang. Erste öeilnge )U Ar. 6 ües Israelit. Zcitungsuachrichtcu und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., den 14. Januar. In dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am verflossenen Mittwoch Herr l)r. Heinemann einen zweiten Vortrag über „die Juden in Spanien". der hauptsächlich R. Lainucl Jbn Nagrcla und seine Zeit behandelte. Nach dem Hinschcidcn des in so wunderbarer Weise nach Spanien verschlagenen Dalmudgclchrtcn Rabbi Moses wurde dessen Sohn, Rabbi Ehanoch, der auch die Leiden der Gefangenschaft mit seinem Vater gerheilt harre, Leiter der Talmud-Hochschule zu bordova. 9?ach dem Tode Ehisdai's jedoch, unter denen Schuy das Talmudstudium emporgcblüht war, entstanden zwischen Rabbi bhanoch und einem anderen Gclchnen, Rabbi Josef Jbn Abidnr, aus unbekannten Gründen Zcrwürfnine, und da die Majorität dem Rabbi bhanoch treu blieb, ging Rabbi Josef freiwillig in die Verbannung. Gin Gönner desselben wußte sich aber bald darauf die Gunst des Kalifen zu ocrschancn und den Sturz Rabbi bhanoch's herbeizuführcn. Da erging an Rabbi Jmef die Aussordcrung zur Rückkehr und zur llcbernahme von Rabbi bbanoch's Stelle, dieser aber lehnte es ab. einem Rufe Folge zu leisten, der sich auf den Sturz Rabbi bhanoch's gründete, und zog cs vor, in der Fremde zu bleiben. Rabbi bhanoch wurde in seiner Würde nicht wieder cingescyt, bis jener Gmporlömmling starb. Als ein Verwandter ihm die Nachricht von dem Tode seines Feindes brachte, weinte er, indem er nicht der erfahrenen Kränkungen, sondern der Annen gedachte, die an dessen .Tische gespeist worden seien. Als Rabbi bhanoch hochbcragt war, endete sein Leben durch eine plötzliche Katastrophe, denn, als er am Tage der Gesexesfreudc die Emporbühnc bestieg, um den Segen zu sprechen, da stürzte die Tribüne zusammen und begrub ihn unter ihren Trürnnicrn. Und fast schien es, als sollte der Einsturz der Stätte, wo das Gesey verlesen wurde, auch den Zusammenbruch des jüdischen Geisteslebens in Spanien bedrohen. Um dieselbe Zeit wurde nämlich auch Cordova von den Mauren, die sich gegen die religionsvcrwondrcn j Araber erhoben halten, erstürmt und geplündert und I die jüdische Gemeinde nach allen Richtungen zerstreut. ] bin Schüler Rabbi bhanoch's, Samuel Jbn Nägrela, hatte sich nach Malaga geflüchtet, wo er von dem Ertrag eines kleinen Kramladens ein bescheidenes Dasein fristete. In der Nachbarschaft desselben erhob sich ein prächtiger Palast, welcher dem Vezier des maurischen Königs von Granada gehörte. Bei der häufigen Abwesenheit dieses Veziers, die durch seine Amrsgeschäfre bedingt wurde, verlangte er regelmässig Berichte von einer Sklavin, welche diese von Samuel anfcrligcn liest. Ter Grostvezier, von der Vorrresslichkeit der Berichte überrascht, fragte, wer der Verfasser derselben sei, worauf die Sklavin Samuel nannte. Dieser wurde nun vor den Grostvezier gerufen, der ihn mir nach Granada nahm, und seinem Scharfblicke und seiner diplomatischen Klugheit waren die große» Erfolge zn verdanken, die der Maurenkönig von nun an errang. Der Grostvczicr jedoch gestand dem König erst auf dem Todtcnbcttc, daß der Jude Samuel sein Bcrather war und cnrpfahl diesen als seinen Nachfolger. So geschah das bis dahin Unerhörte, daß ein Jude der Minister eines muhamcdauischcn Königs wurde, was dieser aber niemals zu bereuen Ursache hatte, denn Samuel leistete ihm und dessen Sohne die irniciicii Dienste, und sein Land nahm in Folge denen den mächtigsten Aufschwung. Freilich erregte das.jüdische Bekenntnis; Samuels auch den Hast einzelner fanatischer Muhamedancr, aber Samuel suchte Alles zu vermeiden, was die Andersgläubigen verleben konnte, und wußte dadurch auch Alle zu beschwichtigen. Dem Könige hintcrbrachre man einst die Nachricht, daß ein Muhamedancr Verwünschungen gegen den jüdischen Minister ausgestostcn habe, und er gab diesem den Befehl, dem Muhamcdancr die Lästerzunge ansschnciden zn lassen, und als einige Wochen nachher der König den Muhamcdancr wieder rraf und erfuhr, dast fein Befehl nicht vollzogen sei, fragte er deshalb Samuel, der ihm cnrgcgnetc, er habe den Lästerer mit Geld beschenk: und ihm dadurch die Lästerzunge in eine bessere umgcmandclt. Seine hohe Stellung benutzte Samuel besonders auch zu Gunsten seiner Glaubensgenossen, nicht allein, nm ihre äußere Lage . zu verbessern, sondern auch nm die jüdische Wisicnfchasl zu pflege», urrd dies geschah nicht bloS durch die Gurrst, die er den Gelehrten erwies, sondern Lurch seine eigene Thätkglcit, durch die er uns ein werthvolles Bermächtnist hinrerlaffcu har, eine Einimrni