Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1887)
- Date
- 1887-01-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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halten sollen. „Wir fürchten nicht", schließt die Petition, „das; hiedurch in unseren Schulen für die Juden ein besonderes Vorgehen;n Stande körne, das zwischen jüdischen und nichrjndisckcn Studenren eine neuere Scheidewand erheben könnte. Den;, abgesehen davon, das; eine derartige Verordnung die Genehmigung eines durch fast hundertjährige Praris sanktionirttn Vorgehens wäre, kann unserer Ansicht nach die Schule nicht die Ausgabe und den Beruf haben, die unter den verschiedenen Konfessionen faktisch bestehenden Schattirungcn gewaltsam und durch Anwendung von Zwang abzuschaffcn, sondern vielmehr jene, die Jugend gegenseitige Toleranz und Respekrirung der abweichenden religiösen Ansichten und Gewohnheiten zu lehren. Tie Petition ist vorn Präsidenten der Gemeinde, Moritz Wahrniann und vom Sekretär l >r. Ignaz Goldzicher unterzeichnet. Heber eine sensationelle Gerichtsszcne meldet das „Acne Wiener Tagblatt" ans Drostobycz Folgendes: Beim Bezirksgerichte Brcdinicc fand in der vorigen Woche eine Verhandlung in einem Eivilprozcn statt, in welchem der Propinationspächtcr als Kläger, sein Pächter als Beklagter signrirte. Es handelte sich um eine Forderung, welche der Klüger auf 2« fl. bezifferte, während der Beklagte nur 18 fl. zahlen wollte und bezüglich der Differenz sich ans ein austcrgcrkchtlichcs llcbnctüfoiiimcit und eine Gegenforderung berief. Der Richter entschied sich dafür, den Kläger seine Behauptung beschwören zu lassen, worauf dieser den rituellen Grd ans die Thora adzulrgeu sich auschickle. Bevor jedoch die Eidesformel gesprochen wurde, erklärte der Beklagte, einen Zeugen in Mcdiniee nahmhaft machen zu können, der seine Angaben bestätigen muffe. Der Richter ging auch hierauf ein, ordnete die sofortige Girirung des Zeugen an und ersuchte den Kläger, der noch immer, die Hand ans der Thora, dastand, zurückzritrctcn. Der aber rührte sich nicht, auch als mau ihn barsch anfuhr. Rur Thräncn rollten ih:n über die Wangen, sonst verhielt er sich stumm und unbeweglich. Man stichle den Mann zu entfernen, aber da zeigte cs sich, das; ihn am Gcrichtstifch der Schlag getroffen hatte, und das; ihm die Zunge und die rechte Seite gelähmt worden waren. Man kann sich die Aufregung im Gerichtssaale dctlkcn angesichts dieses Vorkomnnrifles. Ter Unglückliche wurde aus dem Gerichtslokal und mittels Fulinverks in eine Herberge gebracht, wo er nach zwei Stunden starb. Sein Rcchrsfall soll, wie das rinne Wiener Blatt hinzu fügt, nicht w gelegen fern, das; man.bei ihm die Absicht eines Meineides annchmcn mußte. England. London. In der leeren Sitzung der „Anglo Icw. Assoc." wurde beschlösse». dafür zu sorge», daß nur solche Israeliten zur Einwanderung in Spanien anfgemnntcrt werden solltendie im Stande sind, eine selbstständige Stellung in diesem Lande cinznnehmen. Amerika. Ncw-4)ork. Nach dein zwölften Bericht der „United Hcbecw Gharries" wurden 12431 Personen unterstützt und dafür 1070» L. verausgabt. «32 Runen wurden auf deren Wunsch nach ihrer Hcimarh znrückbcfördert. Bis zum 1. Oktober sind 27343 Inden dahier eingcwandert, gegen 188» 8813 Personen mehr. ■1- 11 " ■ i ■■ ■ Feuilleton. Die CerwerMm. Bon Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Als die Gräfin begleitet von der Priori», sich entfernt hatte, 'umringten die Kinder die Neuangekommene: alle wollten mit ihr plaudern und spielen, und da, der Feier des Tages zu Ehren, die llnrerrichtsstnndcn heute anssielcu, eilte» sic hinaus in den prächtigen Klosteraancn und tummelten sich hier in fröhlichen Spielen unter Aufsicht derKlosterfchwcstcrn. Marina fühlte sich fehl* bald heimisch in ihrer neuen Hingebung, im Verkehr mit ihren munteren Gespielinnen, und auch sämmtliche Klöstetschwcsteru begegneten dem schönen Kinde, dem Scbükling unv Liebling der hochgeborenen Gräfin, mir besonderer Freundlichkeit. Dabei empfing sie tagtäglich die beruhigendsten Nachrichten über das Befinden ihres Vaters und hatte die Mißhandlungen der Sliefmutrcr nicht mehr zu fürchten. Marina war ein sehr begabtes itjiib; die Lehrerinnen staunten über ihre rasche Amsassungskrafr. nur die eine Klostcrschwcstcr. die die besondere Aufsicht über sie führte, harre sich im Anfang wiederholt über ihre Vcrftockibcir, wie sic cs nannte, beklagt. Sie harre sich vergebens bemüht, ihr ihren Glauben bcizubringen, und entfevr über ihre Gorrlosigkrit, wie sie fick ausdrückre. batte sie sich verpflichtet gehalten, der Priorin Mitthcilung davon zu machen.' Tiefe, eine kluge, einsichtsvolle Frau,